In Pforzheim wurde an die Bombardierung der Stadt vor 75 Jahren erinnert. Foto: SDMG/Gress

Den Jahrestag der Bombardierung von Pforzheim nutzen einige Menschen aus dem extrem rechten Lager für einen Fackelaufzug. Polizisten seien von Gegnern mit Gegenständen beworfen, Dienstwagen beschädigt worden.

Pforzheim - Mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof hat die Stadt Pforzheim an die Bombardierung der Stadt vor 75 Jahren erinnert. „Wir sind froh und dankbar, dass wir heute, trotz dieses unermesslichen Leids, in einem friedlichen Europa umgeben von Freunden, die einst unsere Feinde waren, leben dürfen“, sagte Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) am Sonntag, wie die Stadt auf Twitter mitteilte. „Wir wissen es zu schätzen, dass diese bereit waren, uns ihre Hand zur Versöhnung zu reichen.“

Am 23. Februar 1945 wurde die Stadt an Enz und Nagold innerhalb kürzester Zeit durch Bombenhagel und Feuersturm zerstört. Mindestens 17 600 Menschen starben. Der Gedenktag, der von verschiedenen Gruppen gestaltet wird, legt diesmal Schwerpunkte auf Verantwortung und Toleranz. Für den Abend war wieder ein Treffen mit brennenden Kerzen zum „Lichtermeer“ auf dem Marktplatz vorgesehen.

Rund 70 Menschen nahmen an Fackelzug teil

Den Jahrestag der Bombardierung nutzen regelmäßig einige Menschen aus dem extrem rechten Lager für einen Fackelaufzug. Angesichts der mutmaßlich rassistischen Gewalttat von Hanau wollte die Stadt den Aufzug in diesem Jahr verbieten. Sie scheiterte damit jedoch vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg.

Rund 70 Menschen nahmen an dem Fackelzug teil - bei etwa 500 Gegendemonstranten, wie die Polizei am Abend mitteilte. Die Stimmung bei Teilen der Versammlungsgegner sei aggressiv gewesen. Polizisten seien mit Gegenständen beworfen, Dienstwagen beschädigt worden. Die Polizeikräfte setzten vereinzelt Pfefferspray ein, man habe die Lage im Griff gehabt, hieß es von der Polizei. Von Verletzten oder Festnahmen war zunächst nichts bekannt.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast (Pforzheim/Enzkreis) wünschte sich den 23. Februar als einen Tag der Demokratie. „Ein Tag, der deutlich zeigt, dass es in Pforzheim keinen Platz für Rassismus, Hass und Hetze gibt. Ein Tag der Demokratie, der zeigt, dass Gedenken mit Anstand, Würde und Haltung möglich ist“, schrieb sie auf Facebook.

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