Guntrun Müller-Enßlin schätzt an der 75 Jahre alten Wolfbuschkirche die schlichte Eleganz und gemütliche Atmosphäre. Foto: Leonie Hemminger

Das 75-Jahr-Jubiläum der Wolfbuschkirche wird mit Festgottesdiensten und Konzerten gefeiert.

Stuttgart-Weilimdorf - Frauen aus der Kirchengemeinde haben die Jubilarin, wie die Pfarrerin Guntrun Müller-Enß­lin die Wolfbuschkirche nennt, festlich herausgeputzt. Zu dem 75-Jahr-Jubiläum der alten, steinernen Dame haben sie neue, weinrote Sitzkissenbezüge genäht. Beim Jubiläumsgottesdienst am 17. März sollen viele Gemeindemitglieder darauf Platz nehmen. Und auch am 30. Juni, wenn bei einem weiteren Kirchenfest das ebenfalls 75-jährige Bestehen des Wolfbusch-Kindergartens gefeiert wird. Eine Konzertreihe soll beide Jubiläen das ganze Jahr über würdigen.

Am 20. März 1938 wurde der erste Gottesdienst in der Wolfbuschkirche gefeiert. Nach langem Verhandeln und einem Baustopp hatten sich die Anwohner des neu aufgesiedelten Stadtteils schließlich mit ihrem Wunsch nach einer Kirche gegen den Widerstand der politisch Verantwortlichen durchgesetzt. Auf Orgel und Glocken musste die Gemeinde zunächst verzichten, beides wurde später ergänzt.

Das Zentrum der Gemeinde ist das Kirchengebäude selbst

Drei Monate nach der Kircheneinweihung wurde im selben Gebäude der Gemeindekindergarten eröffnet. Doch nur ein Jahr später wurde angeordnet, ihn wieder zu schließen. Den Kirchenbetrieb konnte die Gemeinde fortsetzen, bis 1945 bei einem Fliegerangriff das Dach zerstört worden ist. „Mit vielen fleißigen Händen von Gemeindegliedern wurde die Kirche aber repariert und 1947 wiedereröffnet“, erzählt Müller-Enßlin. Auch der Kindergarten nahm 1946 seinen Betrieb wieder auf. Bis heute besuchen Wölfchen, wie die Erzieherinnen die Kinder nennen, die Einrichtung im Wolfbusch.

Das Gemeindeleben findet schon seit einigen Jahren zu großen Teilen im Gemeindehaus am Gemsenweg und im Pfarrhaus am Hermelinweg statt. Doch das Zentrum der Gemeinde war und ist das Kirchengebäude selbst. „Es ist ein Raum, in dem bestimmte Werte weitergegeben und gelebt werden“, sagt Müller-Enßlin. Schlicht, aber gemütlich – so beschreibt die Pfarrerin den Kirchensaal. „Er ist nicht barock überladen. Dadurch ist die Hemmschwelle geringer, vorbeizuschauen.“ Nicht nur die Gottesdienste, in denen die Pfarrerin Gottes Wort verkündigt, finden dort statt. Auch kulturellen Veranstaltungen, die viele Menschen ansprechen sollen, möchte die Pastorin Platz bieten.

Was die zweitälteste Kirche Weilimdorfs bislang ausmachte, war die mit 1250 Mitgliedern überschaubare Größe der Gemeinde. In dieser kleinen Einheit hätten sich die Menschen geborgen gefühlt, sagt Müller-Enßlin. Durch die Fusion mit der Oswaldgemeinde seit Jahresbeginn hat sich die Mitgliederzahl auf einen Schlag fast vervierfacht. Einige Gemeindeglieder fürchteten nun, dass diese Geborgenheit verloren gehen könnte, meint Müller-Enßlin. Sie sieht in der Fusion eine Notwendigkeit, die auch positive Seiten mit sich bringt. So würden künftig mehr Kräfte frei für Erwachsenenbildung und Kirchenmusik. „Die Wolfbuschkirche bleibt auch in der Zukunft ein Ort der Geborgenheit, ein Anker christlicher Tradition und doch flexibel in Bezug auf die Möglichkeiten kirchlichen Lebens in der Gegenwart.“

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