Die Weingärtner Marbach verkaufen dieses Jahr erstmals in Montbéliard ihre Produkte. An ihrem Stand zeigt sich, dass Franzosen lieber Riesling statt Glühwein trinken.
Der Stand ist eigentlich kaum zu übersehen: Sechs Meter breit ist die Hütte, in der zahlreiche Deutschland- und ein paar Frankreich-Flaggen angebracht sind. „Ludwigsburg et ses vignerons“ – Ludwigsburg und seine Weingärtner sind dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt im französischen Montbéliard vertreten. Ein Zeichen der Verbundenheit – das auch mit einigen Überraschungen einhergeht.
Mit einigem Pomp wurde die Delegation aus Ludwigsburg bei der Eröffnung des „Lumières de Noël“ am 22. November empfangen. Mit angereist waren unter anderem Oberbürgermeister Matthias Knecht, Elmar Kunz von Tourismus & Events Ludwigsburg (Telb) sowie der Vorstandsvorsitzende der Weingärtner Marbach, Matthias Hammer. Montbéliard hatte Ludwigsburg eingeladen – und zahlt vor Ort auch für die Unterkunft.
Sonderaktion anlässlich von 75 Jahren Städtepartnerschaft
Hintergrund für die Aktion ist das 75-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Montbéliard, einer ehemaligen württembergischen Exklave. Es war die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft überhaupt nach dem Zweiten Weltkrieg – die aber nicht nur auf Freude stieß. Der damalige Bürgermeister Montbéliards, Lucien Tharradin, wurde für seine Initiative von der eigenen Bevölkerung angefeindet, weil er nach ihrer Ansicht zu eng mit den Deutschen kooperierte.
Solche Vorurteile und Feindbilder haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr abgebaut. „Unser Anspruch ist, dass wir die Menschen dazu einladen, zu unserem Stand zu kommen, damit wir ihnen mehr über Ludwigsburg erzählen. Das klappt bisher ganz gut“, sagt Hammer von den Weingärtnern Marbach, die zusammen mit Telb den Stand betreiben.
Auch die Sprachbarriere war bislang kein allzu großes Hindernis. „Wir haben den Anspruch, Leute dort zu haben, die der Sprache mächtig sind. Aber wenn wir Ludwigsburg vertreten, darf man ja auch hören, dass wir aus Deutschland kommen“, meint Hammer. Auch bei ihm selbst sei das Französisch anfangs ein wenig holprig gewesen, mittlerweile laufe es aber deutlich besser.
Gäste kaufen mehr normalen Wein als Glühwein
Neben den repräsentativen Aufgaben wollen die Weingärtner Marbach natürlich auch ihren Glühwein an Mann und Frau bringen. Das läuft anders als erwartet. „Der normale Wein wird dort besser angenommen als Glühwein. Das hat uns ein bisschen überrascht“, berichtet Hammer. Vor allem Riesling sei gefragt, aber auch Trollinger-Lemberger als lokale Spezialität.
Glühwein werde dort weniger getrunken, erzählt Hammer. Der Vin chaud, der dort angeboten wird, unterscheide sich noch dazu erheblich vom deutschen Glühwein: „Unser Glühwein schmeckt komplett anders. Der französische Glühwein ist viel schwerer und kräftiger.“ Auch Punsch verkaufen die Weingärtner Marbach. In Frankreich sei Punsch aber meistens ein Getränk mit Rum. „Für die Leute ist es nicht ganz klar, dass Punsch bei uns alkoholfrei ist. Deswegen sagen wir das immer dazu.“
Ob es bei einer einmaligen Angelegenheit bleibt oder ob Ludwigsburg künftig öfter in der Partnerstadt vertreten sein wird, ist derzeit noch unklar. „Wir sind dort mit einem sehr breiten, roten Teppich empfangen worden. Sie haben wirklich sehr viel in Bewegung gesetzt, damit wir gut abliefern können. Aber es ist logistisch schon eine enorme Herausforderung“, räumt Hammer ein. Bis zum 20. Dezember sind die Weingärtner Marbach und die Verantwortlichen von Telb mit ihrem Stand in Montbéliard noch vertreten.