Turm der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart. Hier residiert auch die Schauspielabteilung, die vor 75 Jahren gegründet wurde. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Schauspielschule und dann? André Jung ist Schauspieler geblieben, Marie Bues ist inzwischen Intendantin am Theater Rampe und Christian Brey arbeitet als Regisseur. Die drei Absolventen der Stuttgarter Schauspielschulen erinnern sich an ihre Anfänge.

Stuttgart - Die Schauspielschule Stuttgart hat prominente Absolventen. Zum 75. Geburtstag der Institution erinnern sich drei von ihnen an ihre Ausbildung.

André Jung, Schauspieler

Herr Jung, an welchen Satz, den Sie in der Ausbildung gehört haben, denken Sie heute noch – im Guten wie im Schlechten?
Unser geliebter Direktor Felix Müller sagte bei der Verabschiedung unseres Jahrgangs: „Es sind nicht unbedingt die besten Schauspieler, die ein Leben lang am Theater bleiben. André z.B. wird bleiben, er liebt die Theaterkantinen.“ Ich fand das lustig!
Was war ein besonderer Moment in der Schule? Woran denken Sie besonders gern und besonders ungern?
Die Schleuse zwischen Gymnasium und Berufsausübung war die Schauspielschule. Drei großartige, unbeschwerte Jahre voller Drang, endlich loszufliegen.
Von welcher Rolle haben Sie damals geträumt? Und haben Sie sie inzwischen gespielt? Falls ja, wie war diese Erfahrung?
Von Romeo habe ich geträumt! So sehr, dass ich von Julia geträumt habe! Nicht gespielt! Dumm gelaufen.
Welches Stück ist Ihnen bis heute so nahe, dass Sie es auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würden?
Auf die einsame Insel würde ich sicher kein Theaterstück mitnehmen. Nicht einmal „Atem“ von Beckett.
Haben Sie einen Tipp für die Schauspielschüler, die zurzeit in der Ausbildung sind?
Nie den Traum vergessen, den man als Kind hatte, den Traum, Schauspieler zu werden. Jeden von uns hat er irgendwann angetrieben, man sollte ihn nie aus den Augen verlieren. Ich träume ihn in regelmäßigen Abständen. Ich vergesse nicht, was ich wollte, so weiß ich, was ich will.

André Jung wurde 1953 in Luxemburg geboren. Er besuchte die Schule von 1973 bis 1976 und ist Schauspieler geblieben im Kino und im Theater. In Stuttgart war er zuletzt in Fritz Katers „I’m searching for I:N:R:I“, inszeniert von Stuttgarts Opernintendant und Regisseur Jossi Wieler, zu sehen. Jung wurde von einer Kritikerjury des Fachmagazins „Theater heute“ bereits zwei Mal zum Schauspieler des Jahres gekürt.

b>Christian Brey, Regisseur

Christian Brey, Regisseur

Herr Brey, An welchen Satz, den Sie in der Ausbildung gehört haben, denken Sie heute noch – im Guten wie im Schlechten?

Der einzige Kommentar von Felix Müller nach einem Rollenvorspiel: „Für Ulm reicht’s“. Im Grunde hatte er recht.

Was war ein besonderer Moment in der Schule? Woran denken Sie besonders gern und besonders ungern?
War derselbe Moment: bei der Rollenarbeit mit Gottfried Breitfuß. Kurz bevor ich anfange zu spielen, zeigt er auf seinen Hund und sagt: „ Vorsicht! Bei falschen Tönen beißt er.“
Von welcher Rolle haben Sie damals geträumt? Und haben Sie sie inzwischen gespielt? Falls ja, wie war diese Erfahrung?
Davon geträumt, zwischen dem Schreibtisch von Harald Schmidtund der Band von Helmut Zerlett zu stehen. Hat geklappt. War sehr, sehr lustig.
Welches Stück ist Ihnen bis heute so nahe, dass Sie es auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würden?
Theater im Urlaub? Muss das sein? Ja? Ok. Ähm. Ach, eigentlich alles. Außer Schiller vielleicht. Oder Brecht oder so. Besser was Lustiges. Oder was mit Außerirdischen.
Haben Sie einen Tipp für die Schauspielschüler, die zurzeit in der Ausbildung sind?
Wenn’s für Ulm reicht, reicht’s für alles.

Christian Brey wurde 1973 in Geldern am Niederrhein geboren, er studierte von 1994 bis 1998. Brey war im Staatsschauspiel Stuttgart all Schauspieler im Ensemble, spielte unter anderem in Stücken von René Pollesch und begann in Produktionen mit Harald Schmidt auch zu inszenieren. Heute arbeitet er vor allem als Regisseur.     

Marie Bues, Intendantin und Regisseurin

Marie Bues, Intendantin und Regisseurin

Frau Bues, an welchen Satz, den Sie in der Ausbildung gehört haben, denken Sie heute noch – im Guten wie im Schlechten?
Der Satz stammt von meinem Dramaturgieprofessor Michael Huthmann, der mir im 1. Jahr Schauspielschule prophezeite: „Ich glaube, Sie sind Regisseurin, aber machen Sie mal die Ausbildung fertig, der Rest wird sich dann schon fügen.“ Manchmal frage ich mich, ob ich nur deshalb Regisseurin geworden bin.
Was war ein besonderer Moment in der Schule? Woran denken Sie besonders gern und besonders ungern?
Ich denke immer gern an die Momente, in denen mein Jahrgang und ich eher schlechte Schauspielschüler waren, uns nicht gleich auf jede Übung einließen. Zum Beispiel wenn ein Lehrer an einer Impro arbeitete und durch selbst erzeugte Käuzchengeräusche Furcht auf der Bühne erzeugen wollte, dann war immer einer dabei, der die Stimmung verdarb: „Nur keine Angst. Das ist bloß Charles, der ein Käuzchen nachmacht.“
Von welcher Rolle haben Sie damals geträumt? Und haben Sie sie inzwischen gespielt? Falls ja, wie war diese Erfahrung?
Ich wollte die großen klassischen dramatischen Frauenfiguren spielen, Medea, Judith etc. Ich habe mein Theaterverständnis aber einmal komplett umgedreht, als ich Regisseurin wurde. Heute interessieren mich diese Stücke eher weniger. Das war eher so die Basis, die mich ans Theater gebracht hat. Danach wurde es immer gegenwärtiger. Habe noch eine Wette laufen mit einer Kommilitonin, dass ich, bis ich 40 bin, einmal Jeanne d’Arc gespielt haben muss. Schätzungsweise werde ich verlieren, denn ich spiele heute gar nicht mehr.
Welches Stück ist Ihnen bis heute so nahe, dass Sie es auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würden?
Ich würde lieber Autoren und andere Theaterleute mit auf die Insel nehmen und mit Ihnen neue Stücke erfinden.
Haben Sie einen Tipp für die Schauspielschüler, die zurzeit in der Ausbildung sind?
Bringt in der Ausbildung immer selbstbewusst auch euer eigenes Verständnis von Theater mit ein.

Marie Bues wurde 1980 in Erlenbach am Main geboren, studierte von 2000 bis 2004. Sie wurde Regisseurin und leitet seit 2013 mit Martina Grohmann das Stuttgarter Theater Rampe.

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