Fernsehturm aus Schokolade: Stuttgarts OB Frank Nopper, Thomas Schellberg, Geschäftsführer der Fernsehturm-Betreibergesellschaft SWR Media Services GmbH, und SWR-Intendant Kai Gniffke (von links) beim Anschneiden der Jubiläumstorte. Foto: Lichtgut/Christian Hass

Auch nach 70 Jahren steht er da wie eine Eins: der Fernsehturm. Zum Auftakt des Jubiläumsprogramms lobten der SWR-Intendant und der Oberbürgermeister den Turm in den Himmel.

Kai Gniffke besucht seinen Fernsehturm, den Fernsehturm des Südwestrundfunks (SWR), eigentlich nur ungern. Der SWR-Intendant hat Höhenangst, wie er am Donnerstag beim offiziellen Empfang zum 70-jährigen Bestehen des Turms vor geladenen Gästen verriet. Erschwerend kam hinzu, dass am Donnerstagmorgen in der Stadt kurzzeitig der Strom ausfiel – die Fahrstuhltüren gingen erst mal nicht zu. Als Gniffke den Fahrstuhl bestieg, funktionierte alles wieder. „Ich dachte schon, wir müssten Treppen steigen“, scherzte er.

 

Auch sonst war die Stimmung aufgeräumt. Passend zum Wetter. Auf der Veranstaltungsebene in 144 Meter Höhe konnten die Gäste beobachten, wie sich der Nebel verzog und den Blick auf die Stadt freigab, deren Wahrzeichen der von Fritz Leonhardt und Erwin Heinle erbaute Fernsehturm längst geworden ist. In den Anfangsjahren hatten die Stuttgarter ihn noch als „Bohnenstange mit Bienenkorb“ verspottet. Heute möchte ihn niemand mehr missen. „Er ist ein Stück von Stuttgart“, erklärt eine Dame in dem anlässlich des Jubiläums gedrehten neuen Imagefilm.

Gruppenbild der Ehrengäste auf der Aussichtsplattform. Foto: Lichtgut/Christian

Dieser Meinung ist auch Gniffke. Der runde Geburtstag des von der SWR-Media-Services GmbH betriebenen Turms ließ ihn an diesem Tag die Höhenangst überwinden und hoch oben ein Loblied auf diese architektonische „Sensation“ aus Stahl und Beton anstimmen. „Das Ding“ – der Turm –, betonte Gniffke, habe auch „mediengeschichtliche Bedeutung“. Mit dem Bauwerk, auf dem die SWR-Sendemasten thronen, habe sich von Anfang an das mediale Versprechen verbunden, „allen Bürgern ungestörten Zugang zu Informationen zu bieten – egal in welchem Tal oder Winkel des Großraums Stuttgart sie wohnen“. Der Turm, so Gniffke, sei „das technischen Rückgrat der Programmverbreitung – früher des Süddeutschen Rundfunks, heute des Südwestrundfunks – und ein Symbol für den Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen, „den Menschen die Welt nahe zu bringen“.

Auch in anderer Hinsicht hat der 217 Meter hohe Fernsehturm für Gniffke Symbolcharakter. Er sieht in ihm Zeichen für den Aufbruch in der Nachkriegszeit. Ähnliches wünscht er sich heute wieder: „Wir brauchen Zukunftsglauben und Innovation!“ Christian Schneider, Amtschef des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen, pflichtete ihm bei. Er sieht ihm Fernsehturm einen „Fingerzeig in die Zukunft“. Der 70. Geburtstag des damals in nur 20 Monaten Bauzeit errichteten Fernsehturms sei Anlass, „den Willen zur Zukunft“ zu feiern.

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper war nach eigenen Worten gerade beim Tippen seiner Rede, als der kurze Stromausfall am Donnerstagmorgen seinen Gedankenfluss unterbrach. Seine Hymne auf das Stuttgarter Wahrzeichen wirkte dennoch wie aus einem Guss. Nopper nahm den „Urahn aller Fernsehtürme“ in die Reihe der bedeutendsten schwäbischen Erfindungen auf. Leonhardt und Heinle hätte mit diesem Turm etwas Herausragendes geschaffen – einen „Mutmacher“ nach dem Krieg, auf den durch den Besuch der Queen 1965 auch „royaler Glanz“ gefallen sei.

Für Nopper ist der Turm zugleich eine Art Wegmarke: „Beim Anblick des Fernsehturms weiß ich am Ende einer Reise, jetzt ben i wieder dahoim!“ Fehlt nur noch die Aufnahme in der Welterbe-Liste der Unesco. Das kann noch dauern. Doch der Turm, der saniert werden muss, steht aller Voraussicht nach ja auch noch ein Weilchen. In den Worten von Kai Gniffke: „Als der Fernsehturm gebaut wurde, war ich noch nicht auf der Welt. Und wenn ich nicht mehr auf der Welt sein werde, wird es ihn immer noch geben.“

70 Jahre Fernsehturm

Jubiläum
Die Jubiläum-Feierlichkeiten finden bis Samstag, 7. Februar, statt. Infos und Tickets über www.fernsehturm-stuttgart.de