Im Archivraum in der Kunsthalle Baden-Baden kann man einen Streifzug durch 70 Jahre Künstlerbund vornehmen. Foto: Künstlerbund Baden-Württemberg

Berühmte Künstler wie Willi Baumeister und Otto Dix gründeten den Künstlerbund Baden-Württemberg. Hat sich nach 70 Jahren viel verändert?

Wenn etwas ungerecht ist, dann der Kunstbetrieb. Das bekommen Künstler immer wieder zu spüren – auch bei diesem Geburtstagsfest. Denn bei der Ausstellung zum 70-jährigen Bestehen des Künstlerbunds Baden-Württemberg haben sich 194 Mitglieder beworben. Ausgewählt wurden nur 21 – und man muss sagen: Das war gut so. Denn die strenge Auswahl macht die Jubiläumsschau „Selber Ort, andere Zeit“ in der Kunsthalle Baden-Baden sehr sehenswert und liefert einen interessanten Querschnitt der Stile und Techniken.

 

In den siebzig Jahren hat sich der Künstlerbund immer wieder neu erfunden – und doch ist es nie möglich, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Während Ausstellungen heute fürs Publikum konzipiert werden, wollte man in früheren Jahren vor allem den Mitgliedern ein Forum bieten. So konstatierte ein Kritiker 1979: „Hohe Qualität neben lieblicher Belanglosigkeit.“ In den ersten Jahren wurden die Wände sogar bis unter die Decke voll gehängt, damit man viel ausstellen und verkaufen konnte. Bis in die 1960er Jahre war die Mitgliederzahl ohnehin streng limitiert. „Es war ein sehr elitärer Club“, erzählt Clemens Ottnad, der Geschäftsführer des Künstlerbunds.

In einem Archivraum in der Kunsthalle Baden-Baden kann man einen Eindruck bekommen, wie sich der Verband verändert hat. Gegründet wurde er vom „Rat der Zehn“, zu dem Willi Baumeister, Otto Dix und Ida Kerkovius gehörten. Es war ein „Herrenverein“, wie es die Künstlerin Simone Demandt nennt. Sie ist seit 2018 erste Vorsitzende – als erste Frau in dieser Position. Es hat gedauert, bis aus dem undemokratischen Interessensverband ein „sehr dynamischer und diverser Verband“ wurde, so Demandt.

450 Mitglieder hat man heute. Die jüngsten sind in den 1990er Jahren geboren. Man muss vorgeschlagen werden für eine Mitgliedschaft und nachweisen, dass man professionell tätig ist, also an einer Akademie studiert hat und bereits ausstellt. Auch wenn die Region vertreten ist, kommen die meisten Mitglieder aus Stuttgart und Karlsruhe. In den ersten Jahren gab es Diskussionen, wie sich Gerechtigkeit zwischen Württemberg und Baden und zwischen den Städten und der Region herstellen lässt. Ein weiterer Streitpunkt war auch, Abstraktem und Gegenständlichem gleichermaßen Raum zu geben. Heute ist das kein Thema mehr, in der Ausstellung in der Kunsthalle Baden-Baden haben Video und Fotografie, Malerei und Konzeptkunst gleichermaßen ihren Platz.

Lange Zeit war der Künstlerbund vor allem zu Gast in Kunstvereinen oder anderen Ausstellungshäusern. Inzwischen hat man in Stuttgart mit dem AKKU einen festen Ort, der von einer Mäzenin finanziert wird. Damit wird ermöglicht, was letztlich doch das Wichtigste für die Mitglieder ist: ausstellen zu können. Die Themen der Ausstellungen kommen heute aus dem Kreis der Mitglieder, außerdem gibt es verschiedene Gremien, die sich um Themen kümmern wie Ausstellungshonorare oder Künstlernachlässe, zu denen gerade eine Datenbank online gegangen ist.

Florina Leinß gehört zu jenen, die nun in der Geburtstagsschau vertreten sind, sie darf sogar die größte Fläche in der Kunsthalle bespielen. Die 1984 geborene Künstlerin hat an der Stuttgarter Akademie studiert und zeigt eine riesige abstrakte Wandarbeit, die doch auf vielerlei Weise Räumlichkeit erzeugt – durch malerische Effekte, aber auch Elemente, die physisch in den Raum ausgreifen. Mit der Ausstellung in Baden-Baden hat sich endgültig erfüllt, weshalb sie in den Künstlerbund Baden-Württemberg eingetreten ist – und nicht etwa in den Württembergischen Kunstverein: „Ich wollte nicht nur in der Stuttgarter Blase unterwegs sein“, erklärt Leinß, „sondern auch den Austausch mit anderen Generationen und Vertretern anderer Sparten aus dem ganzen Land haben.“

Selber Ort, andere Zeit. Die Ausstellung ist bis 11. Januar zu sehen. Sie ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.