Das Umweltbundesamt will dafür sorgen, dass die Elektroschrott-Berge künftig nicht mehr so schnell wachsen. Foto: dpa

Das Umweltbundesamt (Uba) will erreichen, dass elektronische Geräte künftig länger genutzt und dadurch später entsorgt werden. Dafür hat die Behörde eine 7-Punkte-Strategie entwickelt.

Berlin - Frank Schweikardt hat Glück gehabt. Sein Sturz mit dem E-Mountainbike verlief glimpflich. Nur das im Frühjahr gekaufte Navigationssystem am Lenker bekam etwas ab. Ein kleiner Riss im Gehäuse ließ das Display aus der Halterung springen. Kein Problem, dachte der Radfahrer aus Leinfelden-Echterdingen. Das wird sicher zu reparieren sein.

Doch sowohl vom Fachhändler als auch vom Hersteller kamen enttäuschende Antworten. Ein schlichter Austausch des Gehäuses sei nicht möglich, weil Elektronikteile im Inneren damit verbunden seien, teilte der Stuttgarter Bosch-Fachhändler Transvelo mit. „Dort konnte man mir nur den Neukauf eines Systems für 360 Euro empfehlen“, ärgert sich Schweikardt.

In der regel Komplettersatz erforderlich

Ein teurer Neukauf nur wegen eines kleinen Risses? Der Radler konnte es kaum glauben. Denn das Nyon-Navigationssystem wird auch für Mountainbikes empfohlen und sollte solche Stürze aushalten. Doch auch von Bosch selbst kam keine befriedigende Auskunft. „Wir bieten für unsere Displays keine Ersatzteile, wie beispielsweise Gehäuse, an und führen auch keine Reparaturen durch“, teilte der E-Bike-Service mit. Zudem könne man „beim Aufschrauben und Zerlegen die Funktionalität und Dichtigkeit nicht mehr gewährleisten“. Das Nyon müsse daher bei Schäden am Gehäuse „in der Regel komplett ersetzt werden“.

„Das ist alles andere als kundenfreundlich und schon gar nicht umweltfreundlich, wenn man so mit Ressourcen umgeht“, schimpft Schweikardt. Doch seine Erfahrungen sind kein Einzelfall. Viele Produkte, vor allem mit elektronischen Komponenten, lassen sich schlecht oder gar nicht reparieren. Diese wenig nachhaltige Entwicklung beklagen Verbraucher- und Umweltschützer seit langem, ohne dass sich daran viel geändert hat.

Umweltbundesamt geht in die Offensive

Zum Start der Europäischen Woche der Abfallvermeidung geht das Umweltbundesamt (Uba) deshalb nun in die Offensive. Die Behörde hat eine 7-Punkte-Strategie entwickelt, mit der die Lebensdauer von Geräten verlängert werden soll. Einer der Vorschläge: Reparaturen sollten steuerlich begünstigt werden. Denn oft genug sind die Werkstätten so teuer, dass sich die Behebung von Schäden nicht lohnt und der Neukauf billiger ist.

„Wenn der Handwerker ins Haus kommt und Fernseher oder Waschmaschine vor Ort repariert, ist das steuerlich absetzbar“, sagt die Uba-Präsidentin Maria Krautzberger. Ebenso sollten künftig auch Reparaturen außer Haus gefördert werden, schlägt die Expertin vor. Auch diese Dienstleistungen sollten für private Haushalte absetzbar sein. Zum anderen sollte die Bundesregierung generell den Mehrwertsteuersatz für Reparaturen ermäßigen. Bisher werden die Arbeiten mit 19 Prozent belastet, möglich wären nur sieben Prozent.

Woche der Abfallvermeidung unter dem Motto: „Gib Dingen ein zweites Leben!“

Die Woche der Abfallvermeidung steht unter dem Motto: „Gib Dingen ein zweites Leben!“ Produkte sollten mehr repariert und länger genutzt werden, der Trend soll weg von der Wegwerfgesellschaft führen. Bis zum 26. November zeigen allein in Deutschland mehr als 1000 Veranstaltungen, wie das möglich ist.

Der 7-Punkte-Plan des Uba gibt dazu Wege vor. So sollte die Politik strengere Vorgaben für Reparierbarkeit und Langlebigkeit von Produkten machen. Dafür soll die EU-Ökodesign-Richtlinie sorgen. Auch mehr Transparenz sei nötig, damit Verbraucher sich über die Reparierbarkeit, Servicestellen und Ersatzteile schon vor dem Kauf informieren können.

Uba fordert verpflichtende Garantieangaben

Das Uba verlangt zudem verpflichtende Garantieangaben für Produkte. Für unabhängige Werkstätten müsse überdies der Zugang zu Reparaturanleitungen, Ersatzteile und Diagnose-Software sichergestellt werden. Bisher bekommen diesen Zugang oft nur teure Garantie-Werkstätten der Hersteller, wodurch auch kaum Wettbewerb entstehen kann.

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