Einer der größten Clubs an der Theodor-Heuss-Straße hat wieder geöffnet. Der 34-jährige Raphael Fromm ist der neue Besitzer. Was er mit dem 7 Grad anders machen will und warum das Clubsterben auch etwas Positives hat.
Raphael Fromm zündet sich noch eine Zigarette an. Der 34-Jährige hat viel um die Ohren. Noch ist sein Club leer. Auf seinem Tisch steht eine geöffnete Dose Redbull, im Hintergrund werkeln Mitarbeiter an dem Laden, den er vor wenigen Wochen übernommen hat. Es ist eine seiner größten Challenges. 250 000 Euro steckt er aktuell in das Geschäft. Und es ist nicht das erste Mal, dass sich der bekannte Stuttgarter Wirt solch einer Herausforderung stellt.
Seit seinem 19. Lebensjahr ist Fromm in der Gastro tätig. 16 Jahre lang hat er in der Altstadt den Goldenen Heinrich betrieben und war unter anderem Chef des Club Finca in der Langen Straße. Doch mit seinem neuesten Laden hat er gleichzeitig ein kompliziertes Erbe übernommen. Das 7 Grad ist einer der größten Clubs in Stuttgarts bekannter Feiermeile, der Theo. Die Erwartungen sind entsprechend groß.
Das Problem sei, dass der Club in den letzten Jahren immer mehr verkommen sei. Die Bewertungen gingen in den Keller. Der Vorbesitzer habe in der Location in der Theodor-Heuss-Straße 17 Jahre lang betrieben. Vieles sei jedoch vernachlässigt worden. „Als ich hier reingekommen bin, tropfte Abwasser von der Decke und nur ein Urinal hat noch funktioniert. Das war der Wahnsinn“, sagt er. Die Toilette riecht inzwischen nach frischer Farbe und funktioniert einwandfrei. Doch überall sieht man noch Spuren der Vernachlässigung. Die Glasplatte der Bar in der Raucherlounge hat noch deutliche Schläge. In der Fensterfront ist noch eine Scheibe kaputt, die nie ausgewechselt wurde. Mit der Sanierung soll auch das Image des 7 Grad umgewandelt werden.
Denn hinter den kleinen Macken stecke ein großes Potenzial, sagt Fromm. 1000 Menschen passen in den Club, dessen 20 Meter lange Fensterfront einen freizügigen Blick in das Innere gewährt. Und ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen Clubs ist, dass es für knapp 200 Menschen Platz auf der Terrasse gibt. „Die Finca war im Sommer unbespielbar, weil es ein Kellerclub mit schlechter Lüftung war. Hier kann ich sowohl die Fensterfront ganz öffnen als auch die Außengastro bespielen“, sagt Fromm.
Stuttgart und das Clubsterben
Ein weiteres Thema, das den Gastronomen beschäftigt, ist das Clubsterben, von dem auch Stuttgart nicht verschont geblieben ist. Dass nach Corona und wegen der gestiegenen Kosten so viele Läden dicht machen mussten, biete auch neue Chancen für Gastronomen wie ihn. „Ich bin der Meinung, dass es vor einigen Jahren noch ein Überangebot an Clubs in Stuttgart gab, die zu ähnliche Konzepte verfolgt haben“, sagt er. Man habe nun mehr Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben.
Nach und nach soll nun der Name geändert werden. Der neue Name ist zunächst „7 Grad X“, irgendwann soll er nur noch „X“ lauten. Die Musik in dem Club soll auf ein breites Publikum ausgelegt werden. „Ich will, dass jeder, der hier reinkommt, eine gute Zeit hat. Daher wird die Musik jetzt keine Nischen bedienen“, sagt Raphael Fromm. Bisher seien viele Studenten unter den Besuchern gewesen. Dieses Publikum will er noch immer ansprechen, doch seine Hoffnung ist auch, dass sich mehr Gäste einfinden, die teure Flaschen bestellen und den VIP-Bereich in Anspruch nehmen.
In Zukunft will sich der Unternehmer darum bemühen, jemanden zu finden, der den Club für ihn verwalten kann. „Ich habe zwei Kinder, da kann ich nicht einfach bei jeder Party bis sechs Uhr morgens in dem Laden sein“, sagt Raphael. Die kurzen Nächte, die er aktuell hat, sollen also nicht so kurz bleiben. Doch zunächst muss sich herumsprechen, dass das 7 Grad dabei ist, seinen Weg zu neuem Glanz zu finden.