Der Schauinsland Muddy Angels Run lockt 6500 unerschrockene Damen auf den Fünf-Kilometer-Parcours am Messegelände mit herausfordernden Hindernissen – für den Spaß und einen guten Zweck.
Die Engel fliegen aus allen Himmelsrichtungen ein. In hellen Scharen. In Freundinnen-Teams, die sich „Muddy Meermaids“, „Muddy Cats“, „Trinkabell Sisters“, aber auch „Vino Jumper“ oder „Pferdestärken“ nennen. Aufgekratzt, voll im Action- und Fun-Modus. Und so hübsch herausgeputzt. Vorzugsweise in Pink. In Tüll-Tütüs mit Glitzersteinen, mit Schmetterlingsflügeln, Blumenkränzen im Haar, Bananen als Kopfputz, Katzenöhrchen oder frechen Teufelshörnchen. Auch Luzifer war ja mal ein Engel, der nicht ganz sauber geblieben ist. Passt doch. Denn es lockt der Schauinsland Muddy Angels Run, den das Event-Unternehmen XLETIX GmbH am Samstag zum fünften Mal in Stuttgart veranstaltet hat. Und dafür das Gelände der Messe Stuttgart in einen sportlichen Fünf-Kilometer-Parcours mit perfekter Infrastruktur verwandelte. Vor allem aber mit Hindernissen, die man als echte Herausforderung bezeichnen kann und vor denen sich 6500 Engel nicht scheuten.
„Mich kann Schlamm nicht mehr schockieren“
Denn das englische Wort muddy klingt eindeutig nach Modder und Schlamm und lässt ahnen, dass auch diese Engel nicht sauber bleiben. „Macht doch Spaß“, lacht Monica aus Schorndorf. Sie ist Wiederholungstäterin und hat ihre Freundinnen Paula, Nicole und Magda zu diesem besonderen Mädels-Tag überreden können. „Mich kann Schlamm nicht mehr schockieren“, sagt Nicole, den sei sie seit dem Hochwasser am 8. Juni schon gewohnt ist: „Das ganze Erdgeschoss im Haus war voller Schlamm.“ Petra aus Steinfurt hat sich diesen Tag zum 50. Geburtstag gewünscht, „einfach mal nur Spaß haben, sonst an nix denken müssen“. Die Freundinnen Alyssa, Sabrina, Lara und Kathrin vom Team „Vino Jumper“ haben ihr das Geschenk gemacht. Und was haben sie mit Vino, also Wein, zu tun? „Weil bei uns ein guter Müller-Thurgau auf der Lage ‚Hoher Herrgott’ wächst“, erfährt man nebenbei. Ihre Fitness, beteuern sie noch, sei davon nicht beeinträchtigt.
Die Ersten sind schon seit kurz nach 9 Uhr morgens auf dem Parcours, da bilden sich an den 20 Ticketschaltern immer noch lange Schlangen. Tagespreis 69 Euro. Im Vorverkauf, verraten die Cleveren, kostete es fast nur die Hälfte. Aber es ist ja auch für einen guten Zweck. Die ebenfalls pinkfarbenen Schleifen an vielen T-Shirts, Symbol für den Kampf gegen Brustkrebs, und ein einschlägiger Infostand weisen darauf hin, dass der Muddy Angels Run zwar kein Benefizlauf ist, aber „ein Euro pro Ticket und ein Euro pro verkauftem Merchandising-Artikel dem Kampf gegen den Brustkrebs zugutekommt“, wie Cedric Habbe vom Veranstalter erklärt. Zusammengearbeitet werde mit vielen Sponsoren, an der Spitze Schauinsland-Reisen.
Die Frisur ist nicht zu retten
Los geht es auf dem Parcours ganz harmlos in leichtem Trab, denn hier wird kein Wettbewerb um schneller, höher, stärker ausgetragen. Toll, wie die Tütüs wippend zur Geltung kommen, wenn die Mädels graziös wie Ballerinas eine Balance-Konstruktion meistern. Und noch elegant eine Brücke überwinden. Aber dann kommt schon das erste Wasserbecken, dem sie zwar tropfnass, aber sauber entsteigen. Ein bisschen muddiger gewissermaßen wird es ein paar Stationen weiter, wo das Wasser schon ziemlich braun ist und obendrein unter Autoreifen durchgetaucht werden muss. „Die haben den Sinn nicht verstanden“, kritisiert Eric die Damen, die verzweifelt versuchen, dabei noch ihre Frisur zu retten. „Jetzt kommt meine Frau, die ist nicht so etepetete“, deutet er stolz auf eine sehr sportliche Blondine: „Ich habe ihr den Tag zum 23. Hochzeitstag gestern geschenkt.“
Mit der Rutsche unter die Dusche
Das dicke Ende ist unausweichlich. Auf der Krabbelstrecke wird es richtig schlammig. Da hat die spezielle Erde, sauber und gesund, wie Cedric versichert, satt mit Wasser emulgiert, ein weiches Bett zum wohligen Wälzen bereitet. Wenn man’s mag. Wie offenbar all die Damen, die nach dem tapferen Durchrobben aussehen wie frisch getöpfert. Lehmfarben, aber fröhlich. Pink hat ausgedient. Nicht nur Ehemann Eric applaudiert begeistert. Ein Glück, dass die Rutsche im Zieleinlauf direkt in die Dusche führt. Damit die Engel wieder blütenrein nach Hause fliegen können.