Simone Heid bindet Sträuße individuell und kennt die Wünsche vieler ihrer Kunden. Foto: Gottfried Stoppel

Simone Heid hat sich mitten in der Coronazeit mit ihrer Naturwerkstatt und Blumenbinderei selbstständig gemacht und sich in fünf Jahren erfolgreich etabliert. Wie ist ihr das gelungen?

Eine Kundin hat einen speziellen Wunsch an diesem Freitagnachmittag: Sie wünscht sich einen Strauß in Grün, Weiß und Rot. Der Strauß ist für den Abend gedacht, an dem gemeinsam italienisch gekocht wird, sagt die Fellbacherin. Simone Heid hat einige Varianten für die Blumen, die die italienische Nationalflagge, die Trikolore mit drei senkrechten Streifen in Grün, Weiß und Rot symbolisch aufgreifen sollen. Es passt, die Kundin ist zufrieden und freut sich über die schnelle und schöne Lösung.

 

Die Kunden geben sich an dem Nachmittag die Klinke in die Hand in dem kleinen Blumenladen im Fellbacher Rathaus-Carrée. Ein Mann holt „den Monatsstrauß für seine Liebste“, wie er sagt. Er komme regelmäßig vorbei, erzählt er, „es sind fantastische Sträuße und so individuell“. Er lobt den großen Service und dass auch besondere Wünsche erfüllt werden.

Manche Exoten sind in ihrem Laden zu entdecken, wie die Protea. Foto: Gottfried Stoppel

Die Inhaberin hat sich in den fünf Jahren, seitdem sie die Naturwerkstatt und Blumenbinderei in der Hinteren Straße 22 führt, etabliert und einen festen Kundenstamm aufgebaut. Und das, obwohl sie in schwierigen Zeiten neu gestartet ist: Mitten in der Coronazeit hat sie sich als Quereinsteigerin in dem Beruf selbstständig gemacht. Die Fellbacherin ist keine gelernte Floristin, sagt aber von sich, dass „Blumen schon immer ihre Leidenschaft“ seien.

Exotische Blumen und tägliche Frische im Fellbacher Blumenladen

Für sie sei es entscheidend, hohe Qualität zu bieten. Das bedeute natürlich auch Frische bei den Blumen. So fahre sie an jedem Tag, an dem sie geöffnet hat, auf den Großmarkt. Außerdem gehöre es für sie dazu, Ungewöhnliches zu bieten. Manche Exoten sind in ihrem Laden zu entdecken, wie die Protea, die zur Familie der Silberbaumgewächse gehört und bekannt für ihr exotisches, fast artischockenartiges Aussehen ist.

Blumengrüße für verschiedenste Anlässe werden geboten. Foto: Eva Schäfer

Katja Rex kauft bewusst im stationären Handel ein

Katja Rex freut sich an den extravagant aussehenden französischen Papageientulpen. „Ich komme jede Woche vorbei“, sagt die Fellbacherin. Die Ladeninhaberin wisse einfach, was man mag. Katja Rex kaufe bewusst im stationären Handel ein, sagt sie. Sie schätze den persönlichen Kontakt und den besonderen Service.

Simone Heid beliefert unter anderem auch die Lutherkirche und St. Johanneskirche mit Blumenschmuck, das Trauer-Tischle im Philipp-Paulus-Heim und manches mehr. Auch für die verschiedensten Anlässe wie Hochzeiten, Geburtstage, Trauerfeiern gestaltet sie den Blumenschmuck. Doch da sie derzeit ohne Mitarbeiterin sei, habe sie die Öffnungszeiten seit Februar reduziert. Montags und mittwochs ist nun nicht mehr offen, sondern nur noch donnerstags und freitags von 9.30 bis 18.30 Uhr und samstags von 8 bis 14 Uhr. Alleine sei das anders nicht zu bewältigen, und sie sei auf der Suche nach einer Mitarbeiterin, die floristische Kenntnisse mitbringt.

Der Blumenladen war 2024 Ziel von Vandalismus

Simone Heid hat manchen Rückschlag eingesteckt – so war ihr Laden Ziel von Vandalismus im Frühjahr 2024. Damals war in einer Nacht eine Dekoration des Blumenladens in Brand gesetzt worden – mit erheblichen Folgen. Das Feuer, das durch die brennende Deko entstand, zerstörte das Schaufenster und beschädigte die Hausfassade und die Tür des Geschäftes.

Und im Herbst 2022 hatte ein 88-Jähriger beim Einparken das Gas- mit dem Bremspedal in seinem Auto verwechselt und war in die Schaufensterscheibe des Geschäftes Ullis Confiserie direkt nebenan gekracht – da war die Aufregung groß.

Dass Blumen durch die steigenden Energiepreise teurer geworden sind, sei nachvollziehbar, sagt Simone Heid. Umso mehr freue sie sich über die Treue ihrer Kundschaft. Beispielsweise bestelle ein Paar aus den USA immer Blumen für seine Mutter, die hier in Fellbach lebe. Auch in der Schweiz hätte sie Kunden, die das genauso machten. Die Wertschätzung der Kunden genieße sie sehr. Mit ihren 64 Jahren könne sie eigentlich bald in den Ruhestand. Das würden viele Kunden schon fürchten. Doch diese könne sie beruhigen. „Meine Arbeit macht große Freude und ich bleibe natürlich mit Leidenschaft dabei“, sagt Simone Heid.