Am Sonntag offen: das Gelände des DWD auf dem Schnarrenberg. Foto: LG/Kovalenko

Vor 60 Jahren ist zum ersten Mal vom Schnarrenberg ein Wetterballon aufgestiegen. Die Stuttgarter Wetterstation veranstaltet am 10. Juni einen Tag der offenen Tür.

Stuttgart - Dieser Tage wird wieder mal klar, wie wichtig eine gute Wetterprognose ist. Kommt es nun zum Starkregen oder gar Hagel oder bleibt es am Ende komplett trocken? Wann gehen die Gewitter los? Eine hundertprozentige Vorhersage wird es nie geben, aber im kurzfristigen Bereich von einem Tag ist die Prognosequalität sehr hoch. „Dabei hilft uns auch die Aerologie“, erklärt Uwe Schickedanz, der Leiter der Station des Deutschen Wetterdienst (DWD) auf dem Schnarrenberg. Hinter Aerologie verbirgt sich die vertikale Analyse der Atmosphäre mittels sogenannter Radiosonden.

Sonde sendet unentwegt Daten

Vor 60 Jahren stieg zum ersten Mal vom Schnarrenberg ein Wetterballon mit Sonde auf, um die Temperatur, die Feuchtigkeit und den Luftdruck in verschiedenen Höhen zu messen. Damals brauchte man vier Mann, um den Ballon mit der Sonde an den Start zu bringen, heute geschieht das teilautomatisch. Zweimal täglich steigt ein mit Helium gefüllter Ballon mit einem Durchmesser von 1,20 Meter mit der Einweg-Sonde auf. Immer um null und um zwölf Uhr Weltzeit. Das gleiche geschieht an neun weiteren Orten in Deutschland und an etwa 1000 Stellen auf der Welt. Die Ballons erreichen eine Höhe bis zu 35 Kilometern, ehe sie platzen. Danach schwebt die 250 Gramm leichte Plastiksonde von der Größe zweier Zigarettenschachteln an einem Fallschirm zurück auf den Boden. Die Sonde sendet auf ihrer kurzen Reise unentwegt Daten, die sowohl in die kurzfristige Vorhersage, als auch in die Klimaforschung fließen und die auch von der Flugsicherung in Echterdingen aufgefangnen werden. Dort hält man den Luftraum über und unter der mit 300 Meter pro Minute steigenden Sonde frei.

300 Euro kostet so ein biologisch abbaubares Messgerät, viele davon landen im Ostalb-Kreis, eine davon schwebte einst am Fallschirm in den Rhabarberkuchen einer Familie, die in Laichingen auf der Terrasse saß. „Schäden sind aber selten“, sagt dazu Jochen Dibbern, der Technikvorstand des DWD. Wer sehen will, wie so ein Wetterballon startet – am Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr ist Tag der Offenen Tür auf dem Schnarrenberg, der Wetterballon geht exakt um 12.45 Uhr auf die Reise.

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