Sprachrohr einer Generation: Bob Dylan Foto: AFP/MANDEL NGAN

Über den Preis wurde Stillschweigen gewahrt. Experten schätzen aber, dass Hunderte Millionen Dollar für den Erwerb der Rechte an Bob Dylans Musik geflossen sein könnten.

New York - Bob Dylan hat die Rechte an mehr als 600 Liedern aus sechs Jahrzehnten an den Musikverlag von Universal verkauft. Was den 79-jährigen Singer-Songwriter, der 2016 als erster Musiker den Literaturnobelpreis erhielt, dazu bewog, wurde nicht öffentlich gemacht. Über die finanziellen Einzelheiten des Deals wurde nichts mitgeteilt. Experten vermuten aber, dass der Verkauf eine Größenordnung zwischen 300 und 500 Millionen Dollar haben könnte.

Songrechte sind wertvoll, insbesondere bei einem Künstler wie Dylan, der zum Sprachrohr einer Generation wurde und dessen Lieder mehr als 6000 Mal von anderen Musikern unterschiedlichster Kulturen und Stilrichtungen aufgenommen wurden. Jimi Hendrix’ Version von „All Along The Watchtower“ wurde zum Rock-Klassiker. Allein von „Blowin’ In The Wind“ gibt es eine unüberschaubare Zahl von Coverversionen.

Der Chef der Universal Music Publishing Group, Lucian Grainge, stimmte ein Loblied auf Dylans Stücke an. „Brillant und bewegend, inspirierend und schön, einfühlsam und provokant - seine Songs sind zeitlos, ob sie nun vor einem halben Jahrhundert geschrieben worden sind oder gestern“, erklärte Grainge.

Nichts an Kraft eingebüßt

Aus einer kulturellen Perspektive habe Dylans Lebenswerk kein Preisschild, erklärte der Musikjournalist Anthony DeCurtis: es sei im Grunde unbezahlbar und habe auch in 60 Jahren seine Kraft nicht eingebüßt.

Einen Anhaltspunkt für den veranschlagten Wert des Song-Katalogs gibt vielleicht auch der Erlös der Musikrechtesammlung Michael Jacksons, deren Hälfte von den Erben 2016 für 750 Millionen Dollar (heute 620 Millionen Euro) verkauft wurde. Darunter waren etwa Beatles-Songrechte; den Beatles-Katalog hatte der King of Pop 1985 für 47,5 Millionen Dollar gekauft - nachdem er Berichten zufolge von Paul McCartney den Tipp bekommen hatte, wie wertvoll Songrechte sein können.

Universal erwirbt mit dem Kauf das Recht, vorübergehende Nutzungsrechte an Dylans Kompositionen etwa an Werbetreibende, Film-, Fernseh- oder Computerspielproduzenten zu veräußern - kurz: an jeden, der glaubt, dass die Melodien und Texte des legendären Songwriters sein Produkt voranbringen könnten.

Kein Zeichen für einen Rückzug

Der 1941 geborene Dylan war Anfang der 60er Jahre erstmals in der Folk-Musikszene bekannt geworden, 1965 griff er zur E-Gitarre und wandte sich - unter scharfem Protest einiger Fans - der Rockmusik zu. Mittlerweile hat er mehr als 125 Millionen Musikalben weltweit verkauft.

Erst vor wenigen Wochen waren Erwägungen Dylans zu Antisemitismus und unveröffentlichte Songs des Meisters auf einer Auktion für insgesamt 495 000 Dollar (gut 408 000 Euro) versteigert worden.

Aus Dylans Umfeld heiß es, der Verkauf ‚der Musikrechte sei kein Zeichen für einen bevorstehenden Rückzug des Musikers. Es scheint eher, als habe 79-Jährige ein günstiges Geschäftsklima genutzt, um sein Lebenswerk für die Zukunft zu sichern.

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