Inn vielen Orten tobt die Kontroverse um den 5G-Standard. Foto: dpa-tmn/Soeren Stache

Über „Pro und Contra 5G-Netz“ haben Gemeinderäte und Experten im Bürgerhaus in Rommelshausen debattiert. Dabei gab es durchaus Tipps für Strahlenvermeidung in Heim Arbeit der Schule

Mobilfunk - Gewollt kontrovers war das Motto gewählt: „Pro und Contra Mobilfunk 5G-Netz“ lautete der Titel einer am Mittwochabend im Bürgerhaus in Rommelshausen und über Youtube live gestreamten interkommunalen Informationsveranstaltung zum Mobilfunkstandard 5G, der sich gerade im Aufbau befindet. Zu der Veranstaltung hatten Kernen, Weinstadt und Rudersberg eingeladen. In Kernen fordern die 5G-Skeptiker ein Ausbaumoratorium und eine Beschränkung auf geringere, aber für den Mobilfunk ausreichende Leistungen, solange nicht sichergestellt sei, dass keine gesundheitlichen Schäden drohten.

60 Fragen aus der Bürgerschaft

Moderiert wurde die Runde von dem Fernsehmann Michael Antwerpes, dabei waren der Mobilfunkkritiker Jörn Gutbier von der Verbraucherschutzorganisation „Diagnose: Funk“, der Tüv-Sachverständige Thomas Gritsch sowie Lothar Gillé vom Landesministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration. Der Abend mündete in eine Art Podiumsdiskussion über die rund 60 Fragen aus der Bürgerschaft, die im Vorfeld der Veranstaltung eingegangen waren. Danach hatten die im Bürgerhaus physisch anwesenden Räte Gelegenheit beizusteuern, was ihnen beim Mobilfunk auf den Nägeln brennt.

Einfach stoppen könnten die Kommunen den Aufbau nicht, darin bestand Einigkeit unter allen Experten. Denn rechtlich verpflichtend sei zwar die Anhörung der Kommunen und die Berücksichtigung von Standortvorschlägen, Genehmigungsbehörde ist aber das Landratsamt. Deshalb sei der Dialog über die einzelnen Standorte das einzig sinnvolle Instrument, sagen die Experten unisono. Die früheren Formen starr festgeschriebener kommunaler Vorsorgekonzepte, das sagte auch Kritiker Gutbier, seien veraltet, auch von den Techniken und deren Erfordernissen überholt. Empfohlen sei in der aktuellen Lage das Dialogverfahren mit Blick auf Strahlungsminimierung und Wirkungsoptimierung im Einzelfall und im örtlichen Zusammenhang. Der Immissionsschutz, so ein Tipp von Jörn Gutbier, könne als städtebauliches Ziel in kommunale Regelungen aufgenommen werden.

Tipp: Der WLAN-Router sollte nicht im Dauerbetrieb sein

Eine weitaus größere Rolle als die von außen eindringende Strahlung durch Sendeanlagen spielt nach Ansicht der Experten die in der direkten häuslichen Umgebung, am Arbeitsplatz oder in der Schule. Im privaten Umfeld gilt: Ungemach droht vor allem durch daueraktive WLAN-Router, vom Handy am Ohr und auf dem Nachttisch und durch die Dauerstrahlung schnurloser Telefone. Bewusster Umgang sei hier gefragt. Das WLAN abzuschalten, wenn es nicht gebraucht wird, sei auch eine wichtige Option für den Schutz vor Strahlung in den Schulen. Dort könne alternativ auch weitgehend auf LAN-Verbindungen gesetzt werden – auf verkabelte Verbindungen also, die eben dauerhaft nicht in die Umgebung strahlen. Eine komplette Trennung von äußerem und hausinternem Netz, wie Gutbier sie ins Spiel brachte, halten die beiden anderen Experten für technisch kaum machbar, ebenso wenig wie die massive Reduzierung der Leistung einzelner Sendeanlagen. „Da brauchen nur drei Häuser dazwischen zu stehen und ich habe keine Chance mit der Abdeckung den Ortsrand zu erreichen“, sagte Gritsch zum Vorschlag, Leistungen von nur 0,5 anstelle der angestrebten 20 bis 40 Watt zu verwenden.

Der G5-Kritiker Gutbier konstatierte mit Verweis auf einschlägige Studien, dass Mobilfunk zumindest in der Langzeitwirkung nachweislich schädlich sei. Es gebe Beweise, dass „Mobilfunkstrahlung auch unterhalb der Grenzwerte Krebs auslösen kann“. Bekannt seien auch Zusammenhänge zwischen Kopfschmerzen bei Kindern und vermehrter Strahlung im Umfeld oder auch zumindest zeitliche Zusammenhänge von Mobilfunkausbaustufen mit dem Ausmaß des Insektensterbens.

Jene Studien, die Mobilfunk mit Krebs in Verbindung brächten, bezögen sich vor allem auf die Handynutzung über viele Jahre und Aufheizwirkung direkt am Ohr, relativierte der Tüv-Experte Gritsch. Er mahnte eine eher „neutrale Risikoabschätzung“ an. Mobilfunk vor allem im wenig genutzten, hochfrequenten Bereich könne gesundheitliche Auswirkungen haben, „die vielleicht einfach noch nicht genügend erforscht sind“. Ähnlich sieht das Lothar Gillé, der sein Ministerium aber eher dafür zuständig sieht, die technischen Voraussetzungen für eine möglichst sichere Infrastruktur zu schaffen. Doch auch im Ministerium sei man sich der Tatsache bewusst, dass es einen gewissen Anteil an strahlungssensiblen Menschen gebe – „wir können gewisse Bedenken nachvollziehen.“

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