Am Tatort vor der Bildungsstätte im Obersulmer Stadtteil Eichelberg wird nach Spuren gesucht. Foto: dpa

Eine 59-jährige Mitarbeiterin der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein im Kreis Heilbronn wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Die Sonderkommission „Löwe“ ermittelt.

Obersulm - Die Aufregung ist Pfarrer Albrecht Fischer-Braun anzuhören. „Ich bin bestürzt darüber, was passiert ist“, sagt der Leiter der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein im Kreis Heilbronn. Mitten in der Nacht ist er angerufen und über eine schreckliche Entdeckung informiert worden: Eine 59-jährige Mitarbeiterin der Tagungsstätte war neben dem Gebäude im Obersulmer Ortsteil Eichelberg tot aufgefunden worden. Die Polizei geht davon aus, dass sie umgebracht wurde. „Ich habe die Frau sehr geschätzt, sie war auch bei unseren Gästen äußerst beliebt“, sagt der Pfarrer Fischer-Braun. Seines Wissens habe es keinen Ärger im Haus gegeben, ihm sei nichts zu Ohren gekommen über größere Konflikte. Darüber, wie die Frau ums Leben kam, will der Pfarrer nichts sagen. „Es gibt unterschiedliche Aussagen“, da müsse jetzt gründlich ermittelt werden.

Nach Angaben der Polizei ist die Leiche der Frau am Mittwochabend gegen 21.45 Uhr entdeckt worden. Die Beamten erhielten einen Notruf. Um den Fall aufzuklären, hat das Polizeipräsidium Heilbronn die 45-köpfige Sonderkommission „Löwe“ gebildet. Die Ermittler haben ihre Arbeit noch in der Nacht aufgenommen. Ein Hubschrauber und mehrere Streifenwagen waren im Einsatz. Der Tatort auf einer gepflasterten Zufahrt ist abgesperrt und wird von einer Streife gesichert. Die Beamten haben mit kleinen durchnummerierten gelben Schildern die Orte auf dem Gelände markiert, wo sie Spuren gefunden haben.

„Ob es eine Beziehungstat war, wissen wir momentan noch nicht“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Heilbronn. Aus ermittlungstaktischen Gründen sage sie über die Todesursache nichts: „Das ist Täterwissen, das wollen wir nicht preisgeben.“ Zeugenaussagen zufolge wurde unmittelbar nach der Tat eine Person beobachtet, die sich vom Tatort zu Fuß entfernte. Die Ermittler suchen dringend weitere Zeugen, denn eine heiße Spur gebe es bisher noch nicht, teilt die Polizei mit. Das Opfer wird am Freitag durch die Rechtsmedizin obduziert werden.

Trauer über den Tod der langjährigen Kollegin

In der Tagungsstätte sind die Mitarbeiter schockiert vom Tod ihrer langjährigen Kollegin. Die Frau war mit einer halben Stelle in der Einrichtung beschäftigt und arbeitete im Servicebereich. Gemeinsam haben die Mitarbeiter am Vormittag in der hauseigenen Kapelle der toten Kollegin gedacht und Kerzen angezündet. „Eine unserer Gästegruppen wünscht sich ein liturgisches Ritual“, sagt der Pfarrer Fischer-Braun, der nach Kräften bei der Trauerbewältigung hilft.

Aus Pietätsgründen sei eine für den Donnerstagabend geplante Veranstaltung abgesagt worden, berichtet der Tagungsstättenleiter. Vorgesehen war ein Podiumsgespräch zum Thema „Europa im Umbruch“ mit der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Evelyne Gebhard. „Wir konnten uns, nachdem dies geschehen war, nicht vorstellen, die Veranstaltung stattfinden zu lassen“, sagt Fischer-Braun.

Die auf einem Hügel inmitten von Weinbergen gelegene Tagungsstätte mit 80 Zimmern, einem Sportplatz und vielen Freizeitmöglichkeiten ist bei Besuchern ausgesprochen beliebt. Mit rund 18 000 Übernachtungen rechnet die Geschäftsführung für das laufende Jahr. Genutzt wird die von sechs Kirchenbezirken getragene und spirituell geprägte Einrichtung bei Weitem nicht nur von kirchlichen Gruppen. Sie wird für Tagungen und Seminare von Unternehmen sowie für private Veranstaltungen gebucht. Den Mitarbeitern sei an diesem schwierigen Tag freigestellt, ob sie arbeiten oder nach Hause gehen wollen, sagt der Fischer-Braun und hofft auf eine schnelle Aufklärung des Tötungsdelikts.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: