Die Brendle-Kreuzung könnte für die Lastwagen, die den Aushub vom Tunnelbau in Wangen abtransportieren, zum Nadelöhr werden. Foto: Jürgen Brand

Im Stadtbezirk Wangen ist beim Aldi-Markt mit den Vorbereitungen für den S 21-Tunnelbau dort begonnen worden. Der Erdaushub wird über die Ulmer Straße zur Talstraße und von dort über die Bundesstraße 10 abtransportiert. Im Planfeststellungsbeschluss sind dafür bis zu 588 Lastwagenfahrten pro Tag genehmigt.

S-Ost - Der Stuttgarter Osten ist vom Bahnprojekt Stuttgart 21 in vielerlei Hinsicht betroffen. Der Fildertunnel führt unter dem Stadtteil Gänsheide in Richtung Flughafen, der Tunnel nach Obertürkheim unterquert Gablenberg und Teile Gaisburgs. Da die Tunnel aber bergmännisch viele Meter unter der Erdoberfläche gegraben werden, wird man im Alltag obendrüber nur wenig davon mitbekommen. Direkte Auswirkungen vor allem auf die Verkehrssituation in Teilen des Ostens könnte allerdings der Zwischenangriff genannte Schacht für den Tunnelbau im benachbarten Stadtbezirk Wangen haben.

Dort haben auf einem Grundstück an der Ulmer Straße neben dem Aldi-Markt bereits die Vorarbeiten für die Einrichtung einer Großbaustelle begonnen. Um den Tunnel bauen zu können, wird auf dem Grundstück Ulmer Straße 261-265 ein 37 Meter tiefer Schacht mit einem Durchmesser von 22 Metern ausgehoben. Von diesem Schacht aus wird der Tunnel sowohl in Richtung Hauptbahnhof als auch in Richtung Obertürkheim vorangetrieben. Dies wird in bergmännischer Bauweise geschehen, also durch Baggern, Fräsen und bei Bedarf auch Sprengen. Der Erd- und Felsaushub wird durch den Schacht mit Hilfe eines Portalkrans und durch Förderbänder an die Erdoberfläche gebracht, auf Lastwagen geladen und über die Ulmer Straße in Richtung Talstraße und Bundesstraße 10 abtransportiert. Die Fahrstrecken der Lastwagen sind im Planfeststellungsbeschluss für diesen Bauabschnitt, der inzwischen auch schon einige Jahre alt ist, fest- und vorgeschrieben.

Größte Belastung von Ende 2013 bis 2016

Nach diesen Vorgaben fahren die beladenen Lastwagen von Wangen kommend über die Brendle-Kreuzung auf der Ulmer Straße weiter durch das Gewerbegebiet Gaisburg bis zur Talstraße und von dort auf die B 10. Die leeren Lastwagen nehmen dieselbe Strecke, nur in umgekehrter Richtung. In der intensivsten Bauphase, die mit dem Aushub des Tunnels Ende 2013 beginnen und bis etwa 2016 dauern soll, werden bis zu 588 Lastwagen pro Tag auf der Ulmer Straße verkehren. Gemessen an der Gesamtzahl von 15 000 Fahrzeugen pro Tag auf der Straße ist das vergleichsweise wenig. Allerdings sind bisher nur etwa 800 davon Lastwagen. Das heißt umgerechnet, der Schwerlastverkehr auf der Strecke würde durch den Zwischenangriff dort um bis zu 70 Prozent zunehmen.

Dadurch rückt die Verkehrsführung an der Brendle-Kreuzung und an der Einmündung der Ulmer Straße in die Talstraße in den Blickpunkt. An der Brendle-Kreuzung ist die Hauptfahrrichtung bisher durch zwei Geradeausspuren in Richtung Stuttgart-Ost festgelegt. Entsprechend fahren jeden Tag viele Pendler von dort über die Wangener Straße zur Kreuzung Talstraße oder sie biegen ab, um sich durch Gaisburg und Gablenberg schnelle Wege in Richtung Filder zu suchen. Wer an der Brendle-Kreuzung weiter auf der Ulmer Straße fahren will, muss von Wangen kommend rechts in Richtung Gewerbegebiet abbiegen. Dafür gibt es lediglich eine kurze Rechtsabbiegerspur. An der Einmündung in die Talstraße hat der dortige Verkehr Vorfahrt, eine Ampel gibt es nicht. Schon jetzt bilden sich zu den Hauptverkehrszeiten oder bei Veranstaltungen im Stadion oder auf dem Wasen lange Staus in alle Richtungen.

Umbau ist Begleitmaßnahme zum Bau des Rosensteintunnels

Pläne für eine Umgestaltung der Brendle-Kreuzung mit einer Stärkung der Ulmer Straße und einer Ampelregelung an der Einmündung in die Talstraße gibt es. Sie gehören zum Katalog der Begleitmaßnahmen zum Bau des Rosensteintunnels. Allerdings ist die Finanzierung dieser Maßnahme – im Gegensatz zu den meisten anderen – noch nicht gesichert. Deswegen ist eine Umgestaltung der Kreuzung vor Beginn der S 21-Arbeiten unwahrscheinlich. Und deswegen befürchten Anwohner in Wangen und in Stuttgart-Ost durch die zusätzlichen Lastwagen mehr Staus und mehr Schleichverkehr durch die Wohngebiete.

DATEN UND FAKTEN ZUM TUNNELBAU IN WANGEN

Ulmer Straße
Auf der Ulmer Straße, die von der Talstraße/Gaisburger Brücke in Stuttgart-Ost bis ins Zentrum von Wangen führt, sind nach einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2010 jeden Tag rund 15 000 Fahrzeuge unterwegs, 800 davon sind Lastwagen. Durch die S 21-Baustelle kommen bis zu 588 Lastwagen pro Tag dazu. Im Planfeststellungsbeschluss sind bis zu 570 Lastwagen pro Tag und bis zu 18 Fahrten pro Nacht (20 bis 6 Uhr) genehmigt.

Zeitplan
Die Vorarbeiten für die Baustelle an der Ulmer Straße laufen bereits. Imzweiten Quartal 2013 soll mit dem Aushub des Schachtes begonnen werden, der Aushub des Tunnels beginnt gegen Ende 2013. Von diesem Zeitpunkt an bis ins Jahr 2018 wird rund um die Uhr gearbeitet. Der Tunnelvortrieb in Richtung Hauptbahnhof soll Mitte 2015 beendet sein, in Richtung Obertürkheim bis Mitte 2016. Danach erfolgt der Innenausbau.

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