Michael Kröner (linkes Bild, Mitte) ist mit dem Mountainbike zum Gipfel des Kilimandscharo aufgebrochen und hat dabei unvergessliche Erfahrungen gemacht. Foto: Michael Kröner

Michael Kröner war schon immer begeisterter Mountainbiker. Seinen Wunsch, einmal mit dem Rad den Kilimandscharo zu erklimmen, musste er für lange Zeit auf Eis legen – bis jetzt.

Der Kilimandscharo in Tansania ist das höchste Bergmassiv Afrikas, sein höchster Punkt liegt fast 6000 Meter über dem Meeresspiegel. Ihn zu besteigen, ist für sich genommen schon eine Herausforderung. Aber fast den kompletten Weg mit dem Mountainbike zurückzulegen? Das ist schon etwas ganz Spezielles.

 

Für den 57-jährigen Michael Kröner aus Remseck am Neckar war genau das ein seit 35 Jahren gehegter Wunschtraum. Warum er ihn sich erst so spät erfüllen konnte – und warum der erste gescheiterte Anlauf seinem Leben trotzdem eine wunderbare Wendung gab.

„Das wollte ich auch schaffen“

Mit Tansania verband den begeisterten Hobby-Mountainbiker ursprünglich nicht viel. Bis ihm mit Anfang 20 das Buch „Bicycles up Kilimanjaro“ der Brüder Crane in die Hände fiel, die das Bergmassiv mit dem Rad erklommen haben. Was ihn daran so begeistert hat: Ab einer bestimmten Höhe geht die Auswahl der Gipfel, die man überhaupt mit dem Fahrrad erreichen kann, gegen Null. Dass auf dem Kibo, dem höchsten Berg des Kilimandscharo, so etwas überhaupt möglich sein sollte, „das hat mich einfach fasziniert, ich wollte das auch schaffen“.

Bananenstauden und üppige Vegetation prägen den Beginn von Michael Kröners Reise. Foto: Michael Kröner/ 

23 Jahre ist es inzwischen her, dass Michael Kröner sich nach einem intensiven Training mit Gewöhnung an immer größere Höhen zum ersten Mal bereit für den Aufstieg fühlte und sich vor Ort über Touren informierte. Doch dann die Enttäuschung: „Der Kilimandscharo ist ein Nationalpark, mittlerweile galten dort sehr strenge Regeln, was die Nutzung der Wege angeht.“ Und Mountainbikes waren strikt verboten.

Aber wie sagt ein altes Sprichwort so schön? Pech am Berg, Glück in der Liebe? So ähnlich zumindest. „Genau zu der Zeit habe ich meine Frau Devotha kennengelernt“, erzählt Kröner schmunzelnd. „Sie kommt aus Tansania und arbeitete beim Tanzania Tourist Board, wo ich mich nach den Touren erkundigt habe.“ Nach ersten Dates und gegenseitigen Besuchen dauerte es nur etwa ein Jahr, bis die beiden heirateten.

Der Branche ist Devotha Kröner auch in Remseck am Neckar treu geblieben, wo sie in ihrem eigenen Reisebüro Real Africa Reisen nach Tansania organisiert. Ihren guten Beziehungen zu ihrer alten Heimat ist es zu verdanken, dass sich Michael Kröner seinen Wunsch doch noch erfüllen konnte. „Durch sie habe ich erfahren, dass die Regeln mittlerweile gelockert wurden und man nun doch ganz offiziell mit dem Mountainbike auf den Kilimandscharo darf.“

Trotz der beginnenden Regenzeit klart es immer wieder auf, und es offenbaren sich schöne Ausblicke. Foto: Michael Kröner/ 

Was offenbar nicht heißt, dass es auch viele tun. Vor Ort konnte Michael Kröner einen Blick auf das Register werfen, in das sich alle eintragen müssen, die mit dem Mountainbike auf der vorgegebenen Route starten. „In den vergangenen zwölf Monaten waren das nur um die 50 Leute.“ Zum Vergleich: Die Zahl an Touristen, die den 5895 Meter hohen Berg zu Fuß besteigen oder es zumindest versuchen, liegt jährlich im mittleren fünfstelligen Bereich.

„Mit dem Rad ist es aber auch etwas ganz anderes als zu Fuß“, sagt Kröner. Je höher man kommt, desto dünner wird die Luft. „Das ist eine unglaubliche Belastung für den Körper, man ist sofort außer Atem. Wenn du da so schnell bist wie unten deine Oma, bist du gut.“

Zu Fuß könne man immer noch sagen: Ein Schritt und dann Pause. „Mit dem Fahrrad geht das nicht, man muss ständig in Bewegung sein.“ Und selbst das Schieben werde ab einer bestimmten Höhe zum absoluten Kraftakt – erst recht, wenn das 14-Kilo-Rad auf den letzten 1000 Höhenmetern sogar auf den Rücken geschnallt werden muss, weil es keine radgeeigneten Wege mehr gibt.

Dabei zumindest hatte er auf den letzten paar 100 Höhenmetern Hilfe von einem Träger. Denn wer den Kilimandscharo besteigen will, ob mit dem Rad oder zu Fuß, muss mindestens einen Bergführer und mehrere Helfer und Gepäckträger dabeihaben, erklärt Kröner.

Zwischen dem dampfenden Gestein fühlt man sich fast wie auf einem anderen Planeten, findet Michael Kröner. Foto: Michael Kröner

Eine Tour dauert mehrere Tage, sechs mindestens, schätzt er, „weil man nicht zu schnell zu viele Höhenmeter machen darf, der Körper macht das sonst nicht mit“. Da braucht es Zelte, Nahrung, Kleidung und mehr, denn die Temperaturen am Berg schwanken massiv, die Hütten sind zudem nicht bewirtet. Eine Gruppe von sechs weiteren Personen machte sich daher zusammen mit Michael Kröner auf den Weg.

Aus dichter Vegetation wird schnell eine „Marslandschaft“

Und hat es sich gelohnt? „Absolut, es war ein tolles Erlebnis.“ Fasziniert erzählt der 57-Jährige, „wie rasant sich die Vegetation da oben verändert. Eben steht noch alles voll mit Bananenstauden, kurz darauf gibt es nur noch Buschwerk. Und ganz oben ist dann plötzlich diese ,Marslandschaft‘, wenn der Regen auf das warme Geröll trifft und alles zu dampfen beginnt. Dann der Blick durch die Wolkenreihen hinab auf die Orte, das ist schon irre.“

Das Gefühl, es bis nach ganz oben geschafft zu haben, übertrifft jedoch alles andere. „Da fühlt man sich in die Lausbubenzeit zurückversetzt. Wenn man etwas ausprobiert und sich am Ende so richtig freut, dass es geklappt hat.“