So hatt alles begonnen für Familie Bernhard: Klaus und Ute im Jahr 2008 mit Sohn Moritz im Sport-Buggy vor ihrem ersten Start. Foto: privat

Familie Bernhard ist seit 2008 eng mit der Laufveranstaltung verbandelt – Vater Klaus hat als Orga-Mitglied schon allerhand erlebt, Mutter Ute lässt ihre Kreativität einfließen.

Der Waldmeisterlauf kann eine Woge sein. Eine Welle, die einen mitreißt – ob man will oder nicht. Ute und Klaus Bernhard haben das erlebt. „Wir waren 2008 in Warmbronn und haben ein Haus besichtigt, das wir eventuell kaufen wollten“, erzählt Ute Bernhard, „da haben wir die Plakate gesehen.“ Und damit war die Leidenschaft der Bernhards für das Lauf-Spektakel geboren.

 

Sohn Moritz war damals knapp ein Jahr alt, er sollte im Sport-Buggy mit auf die Zehn-Kilometer-Reise des Ehepaares gehen, das aus Trier stammt. Eine Auflage gab’s für die jungen Eltern und Premierenstarter: Sie mussten mit ihrem Gefährt von ganz hinten loslaufen. „Wir waren wohl die Ersten, die mit Kinderwagen gelaufen sind“, berichtet Klaus Bernhard, „da wusste man nicht, ob man uns überhaupt laufen lassen sollte.“

Diplomatie im Disput mit einer Hochzeits-Gesellschaft

Familie Bernhard joggte zehn Kilometer, kaufte das Haus in Warmbronn und zählte fortan zum festen Bestandteil des Waldmeisterlaufes. Klaus meldete sich 2009 zum Orga-Team und fand seine Aufgaben als Streckenplaner und Scout: Am Lauftag checken, ob die Strecke passierbar ist, Kilometer-Schilder aufstellen, Absperrbänder ziehen – und Ortsunkundige informieren, dass ihr an dieser Stelle geparktes Auto zwischen 14 und 20 Uhr nicht bewegt werden kann. Man weiß: Immobile Autofahrer sind oft gefährlich. Eine Hochzeitsgesellschaft musste mal dazu bewegt werden, die Fahrzeuge wegen des Waldmeisterlaufes nicht auf dem Weg zum Schützenhaus abzustellen. „Man brauchte hie und da diplomatisches Geschick, um Leute zu überzeugen“, erzählt der 54-Jährige, „es kam nie zu einer echten Eskalation.“

Klaus Bernhard (li.) bei einer Besprechung rund um den lauf. Foto: privat

Ehefrau Ute ist seit 2011 ebenfalls Mitglied im Orga-Team. Aufgrund ihres kreativen Berufs ist sie für Pokale, Preise und Medaillen verantwortlich, zudem gestaltet sie die Werbung, die Hallendekoration und die T-Shirts. „Wenn ich Zeit gefunden habe, bin ich auch mitgelaufen“, sagt die 54-Jährige, die seitdem viermal im Läuferpulk mitmischte. Auch die Holzmedaille, die erstmals zum 50. Waldmeisterlauf vergeben wird, geht auf ihre Initiative zurück. „Als die Kinder in der Grundschule waren“, erzählt Ute Bernhard, „habe ich dort natürlich kräftig Werbung für den Lauf gemacht.“

Dass die Söhne Moritz (18) und Linus (16) sich alldem nicht entziehen werden können (und wollen), stand daher früh fest. Beide sind mehrfach über verschiedene Distanzen mitgelaufen, beide standen in ihren Altersklassen auf dem Podest. „Moritz war sechs, als er erstmals am Start war“, sagt seine Mutter, und Vater Klaus ergänzt: „Oft waren beide Söhne nach dem Lauf mit mir unterwegs, wenn wir die Schilder eingesammelt haben.“ Eine Familie im Bann des Waldmeisterlaufs.

Wenn Zeit genug jenseits der Organisation ist, läuft Ute Bernhard gerne auch mit. Foto: privat

Beim 50er-Jubiläum haben die Bernhards etwas ganz Besonderes vor: Klaus, Moritz und Linus starten erstmals gemeinsam beim Halbmarathon, „das war zuvor nicht möglich, weil Linus erst mit 16 startberechtigt ist“, erklärt Ute Bernhard. Eine weitere Neuerung: Erstmals besteht die 21,1-km-Strecke aus einer Runde, zuvor musste eine Schleife zweimal durchlaufen werden. Klaus, der seinen Orga-Job 2019 niedergelegt hat, weil er unbedingt wieder mitlaufen wollte, ahnt: „Ich werde Gas geben müssen, um in der Familie nicht Letzter zu werden.“ Immerhin besitzt er Marathon- und Halbmarathon-Routine, seine Bestzeit über die Halbdistanz steht bei 1:23:19 Stunden.

Moritz Bernhard (Mi.) in jüngeren Jahren auf dem Siegerpodest. Foto: privat

Dass am Samstag (Beginn 17 Uhr) der 50. Waldmeisterlauf stattfindet, ist allen freiwilligen Helfern wie den Bernhards zu verdanken – in den Annalen wäre kein Jahr zu finden, in dem nicht in Warmbronn gelaufen worden wäre. Selbst Corona konnte die Veranstaltung nicht besiegen. 2020 lief jeder für sich und übermittelte seine Zeit, 2021 liefen die Leute eine Strecke mit Tracker, 2022 ging jeder alleine auf eine vorgegebene Route. „Corona war ein Schnitt“, erzählt Klaus Bernhard, „danach haben wir alle Strecken überarbeitet und nach Rückmeldungen der Teilnehmer angepasst.“

Linus Bernhard läuft in diesem Jahr zum ersten Mal beim Halbmarathon mit – gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder. Foto: privat

Die Laufveranstaltung besitzt Tradition, wobei Tradition manchmal Patina ansetzt – nicht so der Waldmeisterlauf. Bis Mittwochnachmittag haben sich 1528 Sportbegeisterte angemeldet. „Bei 1600 müssen wir stoppen, sonst reichen die Holzmedaillen nicht“, sagt Ute Bernhard und weist darauf hin, dass auch ein fünftes Familienmitglied schon Waldmeisterlauf-Erfahrung besitzt: Ihre Schwiegermutter Eva Bernhard (83) absolvierte einst die fünf Kilometer sowie die Walking-Strecke. Und die Seniorin hat vor, zum Jubiläum im Orga-Team anzupacken.