Die „Perle im Schönbuch“: Bebenhausen war Austragungsort der Jubiläumsfeierlichkeiten zu 50 Jahre Naturpark. Foto: Käthe Ruess Foto:  

Seit 50 Jahren ist der Schönbuch als Naturpark klassifiziert. Am Wochenende wurde das mit einem Bürgerfest in Bebenhausen groß gefeiert. Die Besucher konnten an vielen Stationen selbst Hand anlegen und sich rundum informieren zu Nutzungsformen und Regionalerzeugnissen.

Der Naturpark Schönbuch ist 156 Quadratkilometer groß, erstreckt sich über die Landkreise Böblingen, Esslingen, Reutlingen sowie Tübingen, zählt 18 angrenzende Städte und Gemeinden – und wurde vor 50 Jahren aus der Taufe gehoben. Der letzte Fakt stand am vergangenen Wochenende im Mittelpunkt im und rund um das Kloster Bebenhausen: Dort wurde der runde Geburtstag des ältesten und zugleich kleinsten Naturparks in Baden-Württemberg mit einem Bürgerfest groß gefeiert.

 

Waldnutzungsarten

In der Halle informierten große Aufsteller darüber, welche historischen Waldnutzungsarten es gab im Schönbuch – von der Jagd und der Brenn- und Bauholzgewinnung über die Nutzung als Waldweide und zur Schweinemast bis hin zu Glashütten, Köhlereien und Steinbrüchen für Stubensandstein reichte das Spektrum. Ein kleiner, aber feinen Regionalmarkt bot die ganze Palette der Produkte aus der Schönbuchregion: Wildfleischprodukte, Apfelsaft und -essig, hochprozentige Brände und vieles mehr.

Waldparcours

Wer mehr über Waldökologie und Forstwirtschaft erfahren wollte, für den ging es auf einem rund 3,5 Kilometer langen Rundweg hoch an den Schönbuchtrauf und wieder zurück zum Klostergelände. Dort informierten die Forstleute aus mehreren Ämtern zu ihrer Arbeit: So zeigten sie anhand zweier mit Jungpflanzen errichteter Waldbilder, wie sich die aktuelle Baumartenzusammensetzung vom zukünftigen klimaresilienten Wald unterscheiden könnte. Wie mit Unterführungen oder Brücken den Wildtieren geholfen werden kann, wenn Straßen, Schienen und Wasserwege die historischen Wildwechsel zerschnitten haben, war ein weiteres Thema. Natürlich ging es auch um die Bewirtschaftung des Waldes mit modernem Gerät. So zeigte das Team um Siegmar Lelek vom forstlichen Maschinenbetrieb Schrofel des Forst BW, welche Entwicklungen es bei den Maschinen es in den letzten 20 Jahren gegeben hat, um den Druck auf die Waldböden zu verringern: Breitere Reifen und Verringerung des Fülldrucks, Doppelachsen mit Raupenbändern oder ferngesteuerten Rückeraupen gehören dazu. Wer wollte, konnte zum Vergleich zwei Schubkarren mit unterschiedlichem Reifendruck durch ein loses Splittbett fahren, um selbst zu erleben, dass der geringere Druck erheblich weniger Schäden hinterlässt.

Mitmachstationen und Infopunkte

Außerhalb der Klostermauern lag bei Krimi-Autorenlesungen an der Schutzhütte „Mörike-Ruhe“ Spannung in der Luft. Hundeführer der Kreisjägervereinigung Tübingen zeigten, wie wichtig ihre vierbeinigen Partner bei der Jagd sind und welche unterschiedlichen Rassen es gibt. Mit einer überdimensionalen Schleuder konnten Groß und Klein Zapfen auf Blechbüchsen abfeuern. Ein echtes Highlight auch die zweiteilige Seilbahn, mit der es hin und zurück über einen Taleinschnitt am Schönbuchhang ging. Tiere an ihren Stimmen zu erkennen oder die Bewohner des Waldes in Form von lebensgroßen Aufstellern bei einem Pirschgang zu entdecken, waren weitere Herausforderungen. Im Klosterhof durften kleine Gäste große Holzblumen bemalen oder selbst zu Akkubohrern greifen, um das eigene Insektenhotel herzustellen.

Regen als Geschenk

Bei den zahlreichen Forstleuten und den weiteren beteiligten Akteuren schlugen angesichts des eher unwirtlichen Wetters, das wohl ein paar Gäste vom Besuch abhielt, zwei Herzen in der Brust. Mit Blick auf die letzten, viel zu heißen und trockenen Monate bezeichnete Waldenbuchs Bürgermeister Michael Lutz, der zugleich Vorsitzender des Fördervereins Naturpark Schönbuch ist, den Niederschlag, der den Festakt im Sommerrefektorium des Klosters gleich zu Beginn der Feierlichkeiten am Samstagmittag begleitete, als „Petrus’ größtes Geschenk für den Wald“.

Naturpark statt Flughafen

Bei der rund zweistündigen Feierstunde blickte die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer darauf zurück, dass die Menschen in der Region seit über 2000 Jahren von den Produkten des landschaftsprägenden Waldgebiets leben. Dass der Schönbuch heute eine „grüne Oase in der stark besiedelten Neckarregion ist“, sei dem Protest aus der Bevölkerung zu verdanken, der sich Ende der 1960er Jahre gegen die Neubaupläne des Stuttgarter Flughafens am östlichen Rand des Schönbuchs gerichtet hatten. Letztendlich hat damals der Schutzgedanke gesiegt. Die Landesregierung beschloss am 21. März 1972, den Schönbuch zum ersten Naturpark Baden-Württembergs zu machen.

Bedeutung der Naturparke

„Naturparke sind kraftvolle Akteure in der nachhaltigen Regionalentwicklung. Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden“, betonte Sabine Kurtz, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, in ihrer Festansprache die Bedeutung der insgesamt sieben Naturparks in Baden-Württemberg, die rund 36 Prozent der Landesfläche einnehmen. Im Anschluss an die Redebeiträge diskutierten Vertreter aus Politik, Forst und Tourismus über Herausforderungen der Naturparke. Mit Blick auf den Schönbuch stand dabei insbesondere der zunehmende Druck durch rund vier Millionen Besucherinnen und Besucher im Mittelpunkt. Denn auch die Erholungsfunktion spielt neben der hohen ökologischen Bedeutung und der Waldwirtschaft eine entscheidende Rolle.