Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Gerlinger Hallenbades zieht Ex-Weltmeisterin Christina Ziegler ein paar Bahnen und erzählt, wie man ohne Arme schnell schwimmt.
Die eifrigsten Wasserratten konnten es kaum aushalten: Kaum waren die letzten Begrüßungsworte gesprochen, sprangen die ersten Schwimmer vom Beckenrand ins Wasser, viele in den leuchtend blauen Badeanzügen der DLRG.
Ein Zehn-Stunden-Schwimmen war einer der Programmpunkte, den sich die Organisatoren des Rahmenprogramms zum 50-Jahr-Jubiläum des Gerlinger Hallenbades hatten einfallen lassen, das am vergangenen Wochenende groß gefeiert worden war. Darüber hinaus gab es unter anderem noch ein Moonlight Swimming und eine Schwimmbad-Disco.
50 Jahre Hallenbad Gerlingen: Para-Schwimmerin Christina Ziegler zu Gast
Als ganz besonderer Ehrengast zog auch Christina Ziegler aus Anlass des Jubiläums ein paar Bahnen im Gerlinger Hallenbad. Die 39-Jährige ist ehemalige Weltmeisterin im Para-Schwimmen und nahm an den Paralympics 2004 in Athen teil. Geboren wurde sie mit zwei Armstümpfen und einem verkürzten Bein – Dysmelie heißt diese Krankheit im Fachjargon.
Dennoch wurde das Talent von Christina Ziegler schnell erkannt: Bereits mit 18 Jahren wurde sie für die Paralympics in Athen nominiert. „Ich hatte damit gar nicht gerechnet, weil meine Spezialdisziplin Brust mangels ausreichender Teilnehmerzahl gar nicht angeboten wurde“, erinnert sie sich. Daher startete sie auf der Freistilstrecke und wurde über 50 Meter Sechste.
Christina Ziegler wurde 2006 Weltmeisterin über 50 Meter Brust
Ihren größten Erfolg feierte sie zwei Jahre später bei den Weltmeisterschaften der Para-Schwimmer im südafrikanischen Durban. „Es herrschten sommerliche Temperaturen, aber in der Stadt war alles weihnachtlich geschmückt“, weiß die studierte Wirtschaftsinformatikerin noch gut. Völlig überraschend schwamm sie über 50 Meter Brust zum Weltmeistertitel. „Favorit war eigentlich eine Norwegerin, die hatte im Vorfeld die deutlich besseren Zeiten als ich“, erklärte Christina Ziegler, die zudem in der Staffel schwamm und über 50 Meter Freistil am Start war. Die Kraft kommt bei den Para-Schwimmern aus dem Rumpf.
Wenige Tage nach dem kleinen Abstecher nach Gerlingen steht für die Abteilungsleiterin der Para-Schwimmer des SV Cannstatt im Übrigen schon wieder die nächste Reise an: Mit drei anderen Sportlern aus ihrem Verein startet sie an diesem Wochenende bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Nürnberg.
Als weitere Ehrengäste neben Christina Ziegler konnte Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer unter anderem seinen Vor-Vorgänger Albrecht Sellner begrüßen, der die Entstehung der Schwimmhalle maßgeblich mit verantwortet hatte, sowie den Sohn und die Ehefrau von Architekt Otmar Müller, der das Hallenbad einst geplant hatte, und einige Schwimmerinnen und Schwimmer aus Gerlingens französischer Partnerstadt Vesoul, die extra zu einem kleinen freundschaftlichen Wettkampf angereist waren.
Oestringer betonte in seiner Eröffnungsrede, dass das Hallenbad nicht nur eine Sportstätte sei, sondern auch ein Ort der Gemeinschaft und der Begegnung. „Unzählige Kinder haben hier ihre ersten Schwimmzüge gemacht, Sportvereine haben trainiert und Menschen aller Generationen haben sich hier fit gehalten oder einfach einen Moment der Erholung gefunden“, sagte der Bürgermeister.
Oestringer erklärte auch, warum das Hallenbad (auf knapp sieben Millionen Mark beliefen sich 1975 die Baukosten) mitten in der Gerlinger Ortsmitte erbaut wurde und nicht weiter außerhalb oder neben einem Sportzentrum wie in vielen anderen Gemeinden. Zum einen aus historischen Gründen: Am Ort der Schwimmhalle, im „Badgässle“, gebe es eine 600 Jahre alte Tradition des Badens mit Bädern und Badstuben, wo sich Menschen waschen und medizinische Hilfe in Anspruch nehmen konnten. Zum anderen wurde beschlossen, dass das Hallenbad Teil der neuen Gerlinger Stadtmitte werden sollte, um diese zu beleben. Der Plan ist offenbar gut aufgegangen.