50 Jahre Gartenstadtkirche Luginsland Eine feste Burg als Gotteshaus

Von Mathias Kuhn 

Die denkmalgeschützte Gartenstadtkirche ist aus dem Stadtbild Foto:  
Die denkmalgeschützte Gartenstadtkirche ist aus dem Stadtbild Foto:  

Sie ist aus dem Ortsbild von Luginsland nicht mehr wegzudenken: die neue Gartenstadtkirche. Dabei war der Baustil vor 50 Jahren umstritten, Heute feiert die Gemeinde das 50-jährige Bestehen des Baudenkmals.

Untertürkheim - Heute fällt sie nicht mehr so stark ins Auge wie Ende der 60er-Jahre: die neue Gartenstadtkirche. Umgeben von Bäumen und Gärten steht sie am Anfang von Luginsland wie eine stabile Burg mit Zinnen – heute weithin weiß strahlend, zu Beginn als graues Betonbauwerk. „Ein Betonklotz“, wie manche Kritiker Ende der 60er-Jahre spotteten. Ein halbes Jahrhundert später ist die Kirche aus dem Ortsbild von Luginsland nicht mehr wegzudenken, das Bauwerk von Architekt Heinz Rall steht unter Denkmalschutz. „Sie ist ein zentraler Ort, an dem ein befreiender und menschenfreundlicher Glaube in ökumenischer Offenheit gefeiert wird“, sagt Pfarrer Reinhard Mayr. Am Wochenende feiert die Kirchengemeinde das 50-jährige Bestehen des markanten Kirchengebäudes mit einem Programm voller Konzerte, einem Festgottesdienst, gemütlichem Beisammensein sowie mit Aktionen, Sport und Spaß für alle Generationen.

Kirchengemeinde gewann Mitglieder

Das neue Kirchengebäude steht nach dem verlorenen, menschenverachtenden Weltkrieg auch als ein Zeichen des Auf- und Umbruchs in der Gesellschaft. Klar, einfach, direkt und ohne Firlefanz sollte die Architektur sein. Mitte der 50er-Jahre hatte sich gezeigt, dass die alte, nur für 300 Besucher ausgerichtete Gartenstadtkirche zu klein ist. Die Bevölkerung nahm zu und mit dem Baugebiet Flohberg und anderen Neubauprojekten deutete sich an, dass die Kirchengemeinde weitere Mitglieder gewinnen wird. Es bestand zudem Mangel an Kindergartenplätzen. 1956 erwarb die Gemeinde erste Grundstücke, eine erste Ausschreibung brachte nicht das gewünschte Ergebnis, weshalb der Gutachterausschuss des Oberkirchenrats 1961 Architekt Heinz Rall aus Möhringen mit der Erstellung des Entwurfs beauftragte.

Im September 1964 stellte dieser seinen Entwurf den Gemeindemitgliedern vor, im April 1967 erfolgte der Spatenstich und am 19. September 1967 die Grundsteinlegung. Die Untertürkheimer Firma Prinzing hatte den Auftrag für die Rohbauarbeiten erhalten. Die Baustelle wurde Anlaufpunkt für viele Kiebitze, die die Arbeiten und die Verschalung für den Betonbau bestaunen wollten. Bereits am 19. Juli 1968 feierte die Gemeinde Richtfest, vier Tage später wurden die Glocken angeliefert und am 1. Oktober 1968 die ersten Kinder im Kindergarten aufgenommen. Am Palmsonntag, 30. März 1969, wurde das Kirchengebäude mit einem Festgottesdienst am Vormittag und einer Nachfeier am Nachmittag eingeweiht. Die Kosten für Bau und Erwerb der Grundstücke lagen bei über zwei Millionen Mark.

22 Meter hoher Glockenturm

Zum Kirchengebäude mit seinem 22 Meter hohen Glockenturm umfasst das Raumprogramm einen zweigruppigen Kindergarten, mehrere Jugend- und Hobbyräume, einen Klubraum, ein Pfarrhaus und zwei Wohnungen für kirchliche Mitarbeiter. Der Eingang in die Kirche ist niedrig und unauffällig neben dem Turm. Künstler Emil Kiess gestaltete die farbigen Betonreliefs entlang des Eingangs bis zum Glasfenster am Taufbecken. Markant sticht das Metallkreuz ins Auge. Seit 1986 sind sieben Bildtafeln an der Altarwand angebracht. Bei der Kirchensanierung im Mai 2013 wurde mit der Ausbesserung der Betonfassade begonnen sowie die Oberfläche mit einem hellen Schutzanstrich versiegelt. https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.baugenossenschaft-stuttgart-luginsland-sanierungsoffensive-fuer-mietwohnungen.072bf13d-aa71-4293-9f61-a162a9b45370.html

Redaktion Bad Cannstatt

Ansprechpartner
Torsten Ströbele
untertuerkheim@stz.zgs.de

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