Bis auf 75 Meter hoch geht es im Eurotower. Foto: Europa-Park/oh

In 50 Jahren Europa-Park hat sich auch allerhand Kurioses zugetragen. Zum Jubiläum hat die Eigentümerfamilie Mack aus dem Nähkästchen geplaudert. Wir haben die neun schönsten Anekdoten aufgeschrieben.

Der Europa-Park wird 50 Jahre alt. Mehr als 130 Millionen Menschen haben Deutschlands größten Freizeitpark seither besucht und gewiss einiges erlebt. Manch Kurioses ereignete sich aber auch hinter den Kulissen. Zum Auftakt der Jubiläumssaison haben Europapark-Chef Roland Mack und seine Familie davon berichtet.

 

1. Die skurrile Entstehungsgeschichte

Genau genommen steht schon am Anfang eine Anekdote. Denn Roland Mack und sein Vater Franz Mack haben, so berichteten sie es später, an einer Hotelbar in den USA den endgültigen Entschluss zum Bau des Europa-Parks gefasst. Die erste Skizze mit Karussell und Achterbahn entstand demnach auf einem Bierdeckel, der noch im Firmenarchiv verwahrt wird. Anfangs gab es noch keinen Bebauungsplan für das Gelände in Rust. Der Park musste sich nach den Vorgaben für die so genannte Innenentwicklung an der Umgebungsbebauung orientieren, bei Fahrgeschäften in einem Dorfgebiet planerisch kein leichtes Unterfangen. Die dörfliche Struktur zeigte sich auch beim Grundstückserwerb. Er habe gewiss fast 1000 Kaufverträge unterzeichnet und sich, um handelseinig zu werden, so manchen Rausch eingehandelt, berichtet Roland Mack.

2. Verfolgungsjagd im Europa-Park

Wie ist es eigentlich, im Europa-Park aufzuwachsen? Michael und Thomas Mack können ein Lied davon singen. Die beiden 1978 und 1981 geborenen Söhne von Roland Mack und seiner Frau Marianne bezeichnen sich selbst als „erste Ureinwohner eines Freizeitparks“. Vor allem während der Schließzeit, die früher noch lange sechs Monate dauerte, wurde der Park zu ihrem riesigen Abenteuerspielplatz. Er erinnere sich daran, wie sie mit zwei Elektroautos Verfolgungsjagd gespielt hätten, erzählt Michael Mack. Ein Freund sei auch dabei gewesen, der unbedingt ans Steuer wollte. Das war aber streng verboten. Schließlich gab Michael nach. Prompt fuhr der Kumpel im italienischen Themenbereich in das Schaufenster eines Einkaufladens. „Wir haben uns zwei Stunden lang unter einer Brücke versteckt.“ Schließlich habe man es aber doch gebeichtet.

3. Waghalsiges an der Bobbahn

Man mag es kaum glauben, „aber das war eine der harmloseren Geschichten“, gibt Thomas Mack zu. Vieles dürfe er gar nicht erzählen – weniger aus Furcht vor einer späten Bestrafung als vielmehr, weil er selbst inzwischen Papa ist und seine Kinder nicht auf dumme Ideen bringen will. „Dass wir mit dem Skateboard die Schweizer Bobbahn runtergefahren sind, haben sie aber schon mitgekriegt.“ Mal sehen, was die nächste Generation der Macks einmal zu erzählen haben wird.

4. Die Furcht des Rennrodlers

Andere hatten da deutlich mehr Respekt. Als Deutschlands Rennrodler Nummer eins, Georg Hackl, 1999 zusammen mit Roland Mack, Bruder Jürgen Mack und der Euromaus in den Matterhorn-Blitz einsteigen sollte, zeigte er den Gastgebern erst einmal den Vogel. Gerade erst wurde das Fahrzeug auf die Strecke gehoben. „Habt Ihr das überhaupt schon ausprobiert? Ihr glaubts doch net, dass ich da einsteig?“, sagte der Bayer, der sich sonst jeden Eiskanal in Rekordtempo hinunterstürzte. Schließlich habe er sich dann doch hineingesetzt, die Fahrt ist Jürgen Mack dennoch in eher schlechter Erinnerung geblieben. „Eigentlich lief alles schief. Und die Euromaus hat unterwegs noch ihren Kopf verloren.“

5. Roland Mack macht sie alle nass

Wasser spielt im Europa-Park schon immer eine Rolle. Die Tiroler Wildwasserbahn wurde schon 1978 eröffnet und zählt damit zu den ältesten Attraktionen. Wer da hineinsteigt, weiß, dass er nass wird. Anders war es bei der Weltmeisterschaft 2010. Im Viertelfinale schlug die deutsche Mannschaft Argentinien mit 4:0. Hunderte saßen im Hotel Colosseo und verfolgten das Spiel auf einer Großleinwand. Teilweise saßen die Gäste auf dem abgeschalteten Springbrunnen. Als das Spiel vorbei war, schlich Roland Mack höchst persönlich in die Katakomben und drehte die Fontänen heimlich wieder auf. Alle waren nass – aber wegen des Siegs und der Affenhitze auch glücklich.

6. Im Bett erwischt

Auf die Hotels ist Roland Mack besonders stolz. Bei der Eröffnung sei er so begeistert gewesen, dass er noch tief in der Nacht mit Eröffnungsgästen von der Hotelbar loszog, um sich die Zimmer anzuschauen. Als er das erste Zimmer aufschloss, sah er, dass dort schon Zwei im Bett lagen. Doch es war zu spät. Schon drängten seine zehn Begleiter hinein zur unfreiwilligen Zimmerkontrolle.

7. Einbrecherin im Märchenhaus

Auch Ann-Kathrin Mack, die jüngste Tochter von Roland, hat ihre Kindheit im Park verbracht. Ihre Brüder seien elf und neun Jahre älter, dennoch habe sie immer wieder versucht, ihnen bei ihren waghalsigen Ausflügen zu folgen. „Auf allen Vieren bin ich die Euromir hochgeklettert.“ Am liebsten aber habe sie in den ruhigeren Monaten im Europa-Park mit Freundinnen Hütten gebaut. „Wenn ich dafür Möbel brauchte, haben ich die Häuser in Wichtelhausen aufgebrochen.“

8. Plüsch über Plüsch

Ihr Cousin Frederik entwickelte ein besonderes Geschäftsmodell. In den Sommerferien sei immer ein weiterer Cousin zu Besuch gekommen. Die meiste Zeit hätten die beiden Buben in der Spielhalle beim Pferdederby verbracht. „Die Tagesbesucher hatten gegen uns natürlich irgendwann keine Chance mehr.“ Frederik brachten seine Siege eine Vielzahl an Plüschtieren ein. Am Ende der Sommerferien sei sein ganzes Zimmer voll damit gewesen. „Meine Mutter hat das ganze Plüsch dann wieder zurückgebracht.“

9. Unfreiwillig lange Himmelfahrt

Auch Gottesmänner haben ihren Spaß am Europa-Park. Jürgen Mack erinnert sich an den Besuch des vormaligen Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch. Mit seinem kompletten Domkapitel war er in dem Vergnügungspark und durfte auch am Abend nach Schließung der Tore noch etwas bleiben. Zusammen mit Jürgen Mack stiegen die Geistlichen in den Euro-Tower. Es ging hinauf und hinauf, bis fast auf 75 Metern. Dann blieb die Gondel plötzlich stehen und rührte sich nicht mehr. Und wie sich herausstellte, war auch sonst niemand mehr im Park, der sie hätte herunterlassen können. „So richtig Angst hatten wir nicht, schließlich hatten wir geistlichen Beistand“, meint Jürgen Mack, dessen Mutter übrigens gerne gesehen hätte, dass ihr Sohn selbst Pfarrer wird. Aber peinlich war es eben doch. Insofern war er froh, dass ein Mitarbeiter, der schon zu Hause war, von seinem Wohnhaus in Rust den Euro-Tower knapp unterhalb der Spitze verharren sah. Schnell kam der Techniker zurück und befreite Bischof und Domkapitel von ihrer unfreiwillig langen Himmelfahrt. Gott sei Dank.