In dieser 630 PS starken S-Klasse darf Damian Dąbrowski mitfahren. Foto: Lichtgut/Willikonsky

Zum Abschluss von „50 Jahre AMG“ öffnet Daimler seine Einfahrbahn in Untertürkheim. Das heißt 630 Pferdstärken. Ohne Dompteur geht bei der „Raubkatze“ nichts.

Stuttgart - Auf der Einbahnfahrt wirkt die S-Klasse 65 mit AMG-Motor wie eine Raubkatze, die aus ihrem Käfig gelassen wird. Reinhard Hanke ist ihr Dompteur. Der Daimler-Fahrer biegt ein auf die Schnellstrecke und beschleunigt. 210 Stundenkilometer drücken die Mitfahrer in die Sitze. Die sonst so stille S-Klasse beginnt zu fauchen und die Mitfahrer spüren ihren Magen. Arg viel schneller dürfe man nicht fahren, kommentiert Hanke nüchtern, die G-Kräfte wirken zu stark, bevor er schließlich abbremst. Damian Dąbrowski atmet auf.

Beschleunig auf 360 Kilometer pro Stunde

Am Sonntag machte das Mercedes-Museum die Teststrecke in Untertürkheim zugänglich. Die Sonderausstellung „50 Jahre AMG“ haben seit Oktober 2017 knapp 200 000 Menschen besucht. Zum Abschluss konnten wenige eine Mitfahrt gewinnen, Dąbrowski war einer darunter. Die Teststrecke wurde 1967 eröffnet und ist etwa 15 460 Meter lang, davon sind drei Kilometer Schnellfahrstrecke. „Jährlich kosten die Instandhaltungskosten eine Million Euro“, erklärt Hanke. Mit 60 Modulen können die Fahrzeuge getestet werden. Wegen Bauarbeiten ist die Steilkurve mit 90 Grad Winkel leider gesperrt. Dafür schütteln Waschbrett- und Rüttelstrecken die Limousine durch, Winde pressen sie zur Seite und bei einer Starkkurve mit 20-prozentiger Neigung droht sie zu kippen.

Ausgestattet mit AMG-Motoren hat die S-Klasse 630 PS und kann laut Tacho bis auf 360 Stundenkilometer beschleunigen. „Übrigens keine Sardinenbüchse“, wie Dąbrowski auf der Rückbank bestätigt. Als Hanke das ESP ausschaltet, fordert er auf, sich festzuhalten. Dann fährt er auf ein Rondel mit Pflastersteinen, dreht wie wild am Lenkrad und beißt die Zähne zusammen. Beim Drift wirft es die Mitfahrer im Auto hin und her. Trotz Klimaanlage fangen die Hände an zu schwitzen. Bis die S-Klasse ihre Krallen wieder einfährt. Nach der Fahrt freut sich Dąbrowski: „Auf der Strecke konnte sich das Auto richtig austoben“, sagt er, „ich wusste gar nicht, dass man in Untertürkheim so schnell fahren kann, ohne die Gesetze zu brechen.“

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