Unterirdische Kathedralen, verwunschene Tropfsteingebilde, abenteuerliche Wege durch die Unterwelt und Weltkulturerbe: Baden-Württembergs Höhlenwelt ist überaus vielfältig. Wir haben fünf besondere Höhlen besucht.
Sie sind die perfekten Ausflugsziele – für heiße Sommertage zum Abkühlen oder für verregnete Wochenenden, an denen Draußensein nur mit Schirm und Regenhose möglich sind: Höhlen. Die Auswahl ist so groß, dass jeder seinen Favoriten findet, ob Abenteurer, Familie, Kulturfan oder Forschernatur.
Der Hohle Fels: Welterbe mit Venus
Ein schmaler Tunnel führt in eine der größten Hallenhöhlen der Schwäbischen Alb. Wie eine Kathedrale wirkt die 30 Meter hohe Höhle, die schon den Neandertalern als Wohnung diente. Ihre berühmteste Bewohnerin ist die „Venus vom Hohle Fels“, eine rund 40000 Jahre alte Elfenbeinfigur, die als älteste figürliche Darstellung einer Frau gilt. Der Fund der Venus und weiterer Figuren, von gut 300 Schmuckstücken und mehr als 80000 Steinwerkzeugen aus der Eiszeit bescherte der Höhle den Titel Weltkulturerbe.
In der fledermausfreien Zeit von Anfang Mai bis Ende Oktober hat die Höhle am Wochenende, an Feiertagen und in den Ferien geöffnet, Führungen gibt es samstags, in den Ferien und auf Anfrage. Mit etwas Glück können Besucher den Archäologen beim Graben zugucken. www.schwaebischealb.de/attraktionen/hohle-fels
Falkensteiner Höhle: Das Abenteuer ruft
Nichts für schwache Nerven ist eine Tour durch die Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten – eine aktive Wasserhöhle. Eingepackt in wärmendes Neopren geht es erst am Ufer der unterirdischen Elsach entlang und dann mittendurch, teilweise hüfttief im 6 Grad kalten Wasser. Doch zum Frieren bleibt keine Zeit, denn man muss durch Felsentunnel balancieren und über Steinformationen klettern und es gibt viel zu sehen. Ein Schluckloch zum Beispiel, in dem ein Teil der Elsach abläuft, oder ein Geröllberg, den erfolglose Goldsucher hinterließen.
Nur fortgeschrittene Abenteurer schaffen nach einem halben Kilometer in völliger Dunkelheit und Kälte auch noch den ersten Siphon, wo die Höhlendecke bis wenige Zentimeter aufs Wasser herunterreicht und man an einem Seil durchtauchen kann. Von dort geht es noch weiter zu einer Halle, in der vor Jahren Höhlenbesucher nach heftigem Regen eingeschlossen waren und von Höhlenrettern befreit werden mussten. Die Falkensteiner Höhle kann nur geführt besucht werden.
https://cojote-outdoor.de/tour-falkensteiner-hoehle/
Charlottenhöhle: Wo die Bären wohnten
Mit mehr als 500 Metern ist die Charlottenhöhle bei Giengen an der Brenz die längste begehbare Schauhöhle in Süddeutschland. Das Tropfsteinparadies lässt sich auf den Spuren der Höhlenbären erkunden: Die Bären muss ihr Pelz schwer gejuckt haben, denn blank gescheuerte Stellen am Fels künden bis heute von den einstigen Bewohnern der Charlottenhöhle. „Die Tiere haben sich gerieben, um Ungeziefer und Schmutz aus dem Fell zu entfernen – so ist dieser Bärenschliff entstanden“, erklärt der Höhlenführer. Daneben fanden sich in der 1893 entdeckten Höhle mit Schädelteilen und Knochen aber auch handfeste Beweise für die Existenz der bis zu vier Meter großen Höhlenbären.
Heute gehört die Höhle ganz der Pracht der Unterwelt mit übermannshohen Stalagmiten und mächtigen Stalaktiten. Berggeist, Seehund, Schatzkammer und Königsthron heißen die seltsamen Tropfsteinformationen, zu denen es jede Menge Geschichten gibt. Über die Entstehungsgeschichte der Charlottenhöhle informiert – wieder zurück am Tageslicht – das Höhlenhaus.
Tschamberhöhle: Quelle unbekannt
Abkühlung an heißen Tagen garantiert der Besuch in der Tschamberhöhle bei Riedmatt. Bei konstant 14 Grad und bester Luft atmen nicht nur Asthmatiker auf. So sicher wie gute Luft sind auch Stabilität und die Wasserqualität des Höhlenbachs, denn alle werden regelmäßig untersucht. Nur das größte Rätsel ist bisher ungelöst: Niemand weiß, welche Quelle den unterirdischen Bach samt Wasserfall speist, der die Höhle aus dem Gestein herausgespült hat.
Große Tropfsteine findet man in der Karsthöhle nicht, nur der Eingangsbereich ist dekoriert von kleinen Steintröpfchen und zerfließenden Sintergebilden. Durch einen Gang gelangt man zum Höhlenbach, der bis heute als „Bauherr“ der Höhle fungiert. Im Bauch des Berges warten bizarre Gesteinsformationen. Mal muss man den Kopf einziehen, mal eröffnen sich kathedralenartige Hallen, bis zum Schluss der große Wasserfall alle Sinne in Beschlag nimmt.
www.tourismus-rheinfelden.de/tschamberhoehle
Eberstadter Höhlenwelt: Beim Geist der weißen Frau
Tiefe Einblicke in die Geologie garantiert die Höhlenwelt in Eberstadt, die einst bei einer Sprengung im benachbarten Steinbruch entdeckt wurde. Einen Teil erschloss man 1971 als Schauhöhle. Zu den Besuchern zählen auch Patienten, die mit der reinen Luft therapiert werden. Dass die Höhle einmal ein Urmeer war, zeigt der Blick zur Decke, die 230 Millionen Jahre alte Seesterne, Seelilien und Muscheln schmücken.
Zu den vielgestaltigen Tropfsteinen zählt auch die „Weiße Frau“. Sie spukte der Sage nach in der Stadt, nachdem Apfeldiebe ihr einen tödlichen Schrecken eingejagt hatten. Eines Nachts lauerte man ihr auf und vertrieb sie. In der Höhle fand man sie dann versteinert wieder.