Grenzkontrolle am Tunnel bei Calais Foto: imago/Depositphotos/ xgaryperkinx

Labour muss befürchten, trotz der Brexit-Frustration Wähler an die Rechtspopulisten zu verlieren, kommentiert London-Korrespondent Peter Nonnenmacher.

Als Keir Starmer nach dem Wahlsieg Labours im vorigen Sommer Premierminister in London wurde, versprach er einen „Neustart“ in den Beziehungen seines Landes mit der Europäischen Union. Er selbst war schließlich früher einer der leidenschaftlichsten Verfechter britischen Verbleibs in der EU gewesen. Und nach all dem Schaden, den der „harte Brexit“ in den vergangenen Jahren im Vereinigten Königreich angerichtet hat, akzeptiert offenbar auch die Mehrheit der Briten heute die Notwendigkeit einer Wiederannäherung an die alten Partner.

 

Freilich kommt der verheißene Neustart nur sehr zögernd voran. Die Brexit-Begeisterung mag sich gelegt haben, aber wie anderswo in Europa neigt auch in Großbritannien eine Minderheit der Bevölkerung neuerdings immer härteren Positionen auf der politischen Rechten zu. Labour muss fürchten, im Zuge genereller Frustration mit der Regierung mehr und mehr Wähler an Nigel Farages Rechtspopulisten zu verlieren. Diese Angst hält die Starmer-Regierung von entschlosseneren Schritten ab, wie sie sie eigentlich für nötig erachtet im Verhältnis zur EU.

Starmer spürt den Druck aus Washington

Dazu kommt Donald Trump, dessen Team den Briten ja schon nahe gelegt hat, sie müssten in Fragen neuer Handelsverträge zwischen den USA und Europa wählen. Diese Wahl will Starmer gar nicht. Aber den Druck Washingtons spürt er durchaus. Dem erhofften Neustart in Europa post Brexit ist das natürlich wenig dienlich. Schwierige Entscheidungen müssen gefällt werden. Den Nachbarn Großbritanniens, denen ebenfalls an einem Brückenschlag liegt, ist Geduld anzuraten in dieser Situation.