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Gegen mauernde Griechen ebnet Lahm den Weg zum deutlichen Erfolg des deutschen Teams.

Danzig - Mit dem Weltrekord von 15 Pflichtspielsiegen in Serie ist die deutsche Nationalmannschaft zum siebten Mal ins Halbfinale einer Fußball-Europameisterschaft eingezogen. Beim 4:2 (1:0) im Viertelfinale gegen Griechenland am Freitag in Danzig erzielten Philipp Lahm (39. Minute), Sami Khedira (61.), Miroslav Klose (68.), dem in seinem 120. Länderspiel das 64. Tor gelang, und Marco Reus (74.) die Treffer zum Einzug in die Runde der letzten Vier. Auf dem Weg ins siebte EM-Endspiel stehen der deutschen Mannschaft am kommenden Donnerstag in Warschau nun noch Italien oder England im Weg.

„Wir haben es wieder mal ein bisschen spannend gemacht nach der Halbzeit, dann haben wir das Tempo aber wieder hochgefahren. Trotzdem hätten wir es ein bisschen einfacher haben können“, sagte Khedira, der erst sein zweites Länderspieltor erzielt hatte, und blickte voraus auf das Halbfinale: „Wenn wir unser Potenzial abrufen, wird es sehr schwer, uns zu schlagen.“

„Wir haben es uns unnötig schwer gemacht“, urteilte der kritische Kapitän Lahm. „Phasenweise haben wir zu leichtsinnig gespielt und zu langsam. Das müssen wir abstellen im Halbfinale.“ Seit der WM 2006 hat es die deutsche Mannschaft bei großen Turnieren stets in die Runde der besten Vier geschafft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel saß auf der Tribüne, eingerahmt von UEFA-Präsident Michel Platini und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, und jubelte mit. Die Regierungschefin saß wie alle deutschen Fans eine Stunde lang auf heißen Kohlen, bis sich die Entscheidung abzeichnete, nachdem Giorgios Samaras vor 39.000 Zuschauern der 1:1-Ausgleich gelungen war (55.). Den zweiten griechischen Treffer erzielte Dimitrios Salpingidis mit einem Handelfmeter kurz vor Schluss (89.).

Löw überraschte mit seiner Aufstellung, die bereits am Nachmittag bekannt wurde. Er setzte auf Miroslav Klose im Sturm, ließ den dreifachen Torschützen Mario Gomez draußen und verzichtete außerdem auf Lukas Podolski und Thomas Müller. Für sie brachte er Marco Reus und André Schürrle. Damit gab es vier Änderungen gegenüber dem Sieg gegen Dänemark, denn Jerome Boateng verteidigte nach abgesessener Sperre wieder auf der rechten Seite anstelle von Lars Bender. Ob der Bundestrainer seine A2-Offensive brachte, um die bisherigen Stammspieler für das mögliche Halbfinale zu schonen, war nicht zu erkennen. Speziell dem Noch-Gladbacher Reus das Vertrauen zu schenken, erwies sich als taktisch geschickter Schachzug, denn der künftige Dortmunder stellte die Abwehr der Griechen mit seiner schnellen, wendigen und trickreichen Spielweise vor große Probleme.

Szenen wie im Handball

Auch Philipp Lahm gehörte wieder einmal zu den besten deutschen Spielern auf dem Platz. Der 28-Jährige hatte auf der rechten Seite viel Platz und erzielte das wichtige Führungstor. Die Aktion erinnerte ein wenig an seinen Treffer bei der WM 2006 zum 1:0 gegen Costa Rica. Wie damals beim 4:2-Auftakterfolg schloss der Linksverteidiger, parallel zur Strafraumgrenze nach innen laufend, mit seinem stärkerem rechten Fuß aus 18 Metern mit einem tollen Schuss ab. Der Ball flatterte leicht, drehte sich von Torwart Michalis Sifakis fort und schlug im langen Eck ein.

Vorher hatten sich Szenen wie im Handball abgespielt. Die deutsche Mannschaft war dem Hellas-Team sehr klar überlegen und schnürte den tief stehenden Gegner minutenlang im eigenen Strafraum ein. Trainer Fernando Santos hatte gegenüber dem 1:0 gegen Russland zwei Änderungen vorgenommen. Im Mittelfeld ersetzte Grigoris Makos den gelb-gesperrten Kapitän Georgios Karagounis. Sotirios Ninis kam für den früheren Bundesliga-Torschützenkönig Theofanis Gekas in die Startelf. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entfachte sofort großen Druck, agierte aber zunächst ohne den letzten Zug zum Tor. Der Rasen war sehr tief geworden nach intensiven Regenfällen, die 16 Stunden bis zum Mittag angehalten hatten.

Schon in der vierten Minute zappelte der Ball im Netz des griechischen Kastens. Aber Klose stand vor seinem Torschuss im Abseits. Torwart Sifakis verletzte sich dabei leicht und blutete aus der Nase. Reus hatte in der ersten Halbzeit drei gute Torchancen (12., 24., 25.) und setzte Klose oder Mesut Özil selbst gut in Szene. Die beste Möglichkeit bis zur Führung vergab aber Özil, der sich verbessert zeigte zu den Gruppenspielen, aber das 1:0 vergab, als er einen Ball flach schlenzte, statt einen kräftigen halbhohen Abschluss zu wählen (23.). Und auch Schürrle, der nicht so gut in die Partie fand wie Reus, ließ einmal seine Gefährlichkeit mit zwei Schüssen aufblitzen (33./45.+2). Sami Khedira war im Mittelfeld der aktivere Mann mit einer Torchance (36.) als Bastian Schweinsteiger, der zunächst große Probleme hatte.

Die Griechen setzten nur kleine Nadelstiche. Manuel Neuer eilte einmal Dimitrios Salpingidis entgegen und klärte (27.), außerdem hielt er einen Schuss von Sotiris Ninis (32.). In der zweiten Halbzeit befreiten sich die Griechen zunächst vom großen Druck, aber dann drehte die Löw-Mannschaft auf und legte noch drei Tore drauf. Kurz vor Schluss nahm Boateng dann im Strafraum die Hand zu Hilfe. Der verwandelte Elfmeter von Salpingidis war aber nur noch Ergebniskosmetik.

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