Gerhard Polt (2. von links) und die Well-Brüder Foto: Another Dimension

Gerhard Polt und die Well-Brüder feiern ihr 40-Jahr-Bühnenjubiläum mit einem Livealbum, das vor bayrischem Mutterwitz strotzt.

Stuttgart - Vor 40 Jahren begann die wunderbare bayerische Freundschaft zwischen dem Satiriker Gerhard Polt und den Volksmusik-Kabarettisten Biermösl Blosn (die Blase aus dem Biermoos). Nun hält ein Jubiläums-Livealbum fest, was den Reiz dieser Kombination ausmacht: Der sprachmächtige Spötter Polt und die frotzelnden Musiker, die seit 2012 auf den leichter vermittelbaren Namen Well-Brüder umgeschwenkt sind, ergänzen einander mit ihrem Mundart-Humor.

„Was ist das eigentlich, der Mensch?“, fragt Gerhard Polt. „Er ist ein Biotop, er ist ein Paradies für Schädlinge aller Art. Die Bazillen lieben ihn, die Viren, die Bakterien, außerdem die Waffenhändler, die Immobilienmakler, die Autotandler, die Religionen. Wenn eine Religion einen Menschen erschnuffelt, san’s scho da. Auch der Fußpilz liebt den Menschen.“ So geht das seit 1975, Polt hat es zum Spiegelvorhalter der Nation gebracht mit Bühnenprogrammen, der Sketch-Sendung „Fast wie im richtigen Leben“ und Spielfilmen wie „Man spricht deutsh“. Nun ist er 78 und hat nach wie vor Biss.

Paradiese aller Art

Die Wells, drei von 15 Geschwistern, bei denen 2012 Karl für den nachdenklichen Politgrantler Hans nachgerückt ist, jodeln „Vom Bayerischen Paradies“, wo „jede Minderheit das Recht hat, sich der Mehrheit anzuschließen“. In „Feuerwehrmusik“ begleiten sie ein lokales Event, zu dem der „Kreisbrandmeister“ mit seiner „neuen Q8-Dienstlimousine“ vorfährt, mit barock anmutendem Bierzelt-Gedudel.

Manches wirkt etwas aus der Zeit gefallen, konstruierte Missverständnisse zwischen einem entsprechend akzentuierten Inder und einem Bayern zum Beispiel, die Rap-Persiflage „40 Cent“ oder ein Früher-war-alles-besser-Monolog, der sich unter anderem gegen „Helikopter-Schnepfen“ richtet.

Deppen spielen eine wichtige Rolle

Anderes auf diesem Tondokument wieder ist schlicht brillant wie der konstant beschleunigende Mittelalter-Sound von „Drehleier con turbo“ sowie Polts Ausführungen zu „Deppen“ oder zum „wir“, seinem „Unwort des Jahres“: „Wir sind aufgerufen, wir müssen jetzt endlich – wer ist denn dieses Wir? Bin ich wir? Nein, ich war noch nie wir! Aber ich weiß, wer wir ist: Das sind nämlich die anderen.“

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