40 Jahre Galerie Schlichtenmaier Panorama der Qualitäten

Von Nikolai B. Forstbauer 

Sich Jahrzehnt für Jahrzehnt durch das 20. Jahrhundert zu arbeiten – geht das in einer Galeriearbeit? Die Galerie Schlichtenmaier in Grafenau und Stuttgart hat es geschafft – und richtet den Blick weiter nach vorne.

Stuttgart - Seit 1979 verbindet sich die Vermittlungsarbeit der Brüder Harry, Kuno und Bert Schlichtenmaier mit dem vormaligen Malteserschloss in Dätzingen, seit 2003 zudem mit dem Standort Stuttgart. Beginnend im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert machen sich die promovierten Kunstwissenschaftler auf zu einer Durchquerung der Jahrzehnte.

Früher Tod des Vordenkers Harry Schlichtenmaier

Feste Größen bleiben – Adolf Hölzel sowie Willi Baumeister und dessen Schüler auf Stuttgarter Seite sowie HAP Grieshaber und dessen Ende der 1950er Jahre die Neue ­Figuration begründende Klasse in Karlsruhe. Und eine grundlegende Position, die bis zu seinem überraschenden Tod im Dezember 2016 Harry Schlichtenmaier gerade auch in den Schritten in die jüngste Kunstgegenwart immer wieder formuliert: „Man muss von einer Sache überzeugt sein.“

Schritte in die Zukunft

In der Galerie Schlichtenmaier scheint man zudem überzeugt von der eigenen ­Zukunft. Neben Kuno und Bert Schlichtenmaier sind nun auch die Kunstwissenschaftler Günter Baumann und Kay Kromeier ­Gesellschafter.

Hohe Qualität in kleinem Format

Drückt sich die bewusst gesuchte Souveränität auch in der aktuellen Schau zu 40 Jahren Galeriearbeit in Grafenau (besser: von Grafenau aus) aus? Unbedingt. In den Räumen auf Schloss Dätzingen ist ein Panorama der Qualitäten zu sehen. Von Max Ackermann bis Lambert Maria Wintersberger reicht das Alphabet der Künstlerinnen und Künstler. Fast übt man hinsichtlich der Formate zu viel Zurückhaltung – doch umso mehr gewinnen Arbeiten von Peter Brüning und Ralph Fleck an Gewicht, rückt die Kraft von Max Ackermann, Willi Baumeister, Adolf Hölzel oder Ida Kerkovius gerade auch im kleinen Format in den Blick.

Aufbauarbeit endet nie

Dass die Aufbauarbeit einer Galerie im Grunde nie endet, zeigt für Schlichtenmaier das Werk von Paul Reich (1925–2009). Im sächsischen Aue als Holzbildhauer beginnend, wird Reich, nach seiner Flucht in den Westen und inspiriert nicht zuletzt durch das Erleben von Willi Baumeister an der Stuttgarter Akademie, zu einem Objektkünstler, der seinem Material alle eigentlich gültigen Eigenschaften nimmt. Reichs Schaffen bleibt – eine Entdeckung.

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