Noch wissen Forscher nicht, ob 3D-Filme Kinder überfordern Foto: fotolia

Filme in 3D werden immer beliebter. Dabei gibt es Menschen, die 3D-Effekte nicht sehen können, oder denen schlecht dabei wird. Und bei Kindern ist die Wirkung noch nicht hinreichend untersucht.

Filme in 3D werden immer beliebter. Dabei gibt es Menschen, die 3D-Effekte nicht sehen können, oder denen schlecht dabei wird. Und bei Kindern ist die Wirkung noch nicht hinreichend untersucht.

Stuttgart - Mit flauem Magen und schwindeligen Kopf torkeln einige ­Besucher aus dem Kino. Gesehen haben sie weder einen Horrorfilm noch haben sie zu viel Popcorn gegessen oder zu viel Bier getrunken. Das Problem waren die dreidimensionalen ­Bilder, mit denen Besucher mitten in den Film eintauchen sollen. Aber nicht jeder verträgt das. Andere wiederum lässt ein 3D-Film völlig kalt, weil sie die plastischen Effekte erst gar nicht wahrnehmen können. Ein Überblick über die ­gesundheitlichen Probleme, die es mit ­3D-Filmen gibt.

Kein 3-D-Effekt sichtbar

Mindestens fünf Prozent der Deutschen – also vier Millionen – können 3D-Effekte überhaupt nicht wahrnehmen. „Räumliches Sehen lernt man im Kindesalter“, sagt Wolfgang Wesemann, Direktor der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln. Wer beispielsweise unter Schielen oder Schwachsichtigkeit leidet, wird nie räumlich sehen können – auch als Erwachsener nicht.

„Ein Sehtest beim Optiker oder Augenarzt zeigt, ob man räumlich sehen kann“, sagt Wesemann. Für Menschen, die dazu nicht in der Lage sind, lohne sich weder der Besuch eines 3D-Filmes noch der Kauf eines 3D-Fernsehers.

Brillenträger hingegen brauchen sich keine Sorgen zu machen. „Eine Fehlsichtigkeit ist keine Krankheit, Brillenträger können 3D-Effekte deshalb problemlos sehen“, sagt Wolfgang Wesemann.

Übelkeit beim Filmschauen

Nicht wenigen Kinobesuchern wird einfach nur schwindlig und schlecht, sobald sie sich einen 3D-Film anschauen. „Unsere Augen fixieren das nahe Objekt, also den 3D-Effekt“, sagt Augenexperte Wesemann. Gleichzeitig müsse das Auge auf die weiter hinten liegende Leinwand scharfstellen. Hinzu kommt, dass beide Augen unterschiedliche Bilder zugespielt bekommen, damit ein 3D-Effekt überhaupt möglich ist. „Das entspricht nicht unserem natürlichen Sehen, kann vom Gehirn aber erlernt und verarbeitet werden.“

Diese Anpassung ist für das Gehirn aber besonders anstrengend und kann deshalb Kopfschmerzen, Sehstörungen und ­Schwindel auslösen. Ein besonderes ­Problem mit der Anpassung haben Menschen, die schielen, selbst wenn es nur leicht ist. Davon sind 15 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Ganz verhindern lassen sich die unangenehmen Nebenwirkungen nicht. Laut den Experten vom 3D Innovation Center des Fraunhofer-Instituts werden sie aber geringer, wenn man einen Platz in der Mitte des Kinosaals wählt. Außerdem sollte man vor und während des Films keinen Alkohol ­trinken. Dieser erschwert die Reaktion des Gehirns zusätzlich. Wer dennoch während es Films Kopfschmerzen bekommt, kann zwischendurch einfach ein Auge zumachen. Dadurch geht zwar die 3D-Wirkung verloren, das Gehirn aber wird entlastet.

Beim 3D-Schauen auf dem Fernseher kommen noch weitere Probleme hinzu, die Übelkeit und Kopfweh verursachen ­können. So sitzen Zuschauer häufig zu nah vor dem Gerät. Das strengt die Augen ­unnötig an. Als Faustregel für den richtigen Abstand ­nennen die Wissenschaftler vom ­Fraunhofer-Institut mindestens dreimal die Höhe des Fernsehers. „Am besten wäre es, wenn die Hersteller die ideale ­Betrachtungsentfernung angeben würden“, sagt ­Wesemann. Dafür fehlten aber noch einheitliche Standards in der 3D-Technik.

Kinder und 3D-Effekte

Kauft man einen Fernseher mit 3D-Effekten, wird in der Bedienungsanleitung davor gewarnt, Kinder Filme in 3D schauen zu lassen. Eindeutige wissenschaftliche Beweise, dass 3D-Konsum für Kinder schädlich ist, fehlen bislang, sagt Augenexperten Wolfgang Wesemann.

Fest steht jedoch: Kinder brauchen die ersten 12 Lebensjahre, bis Auge und Gehirn so zusammenspielen, das räumliches Sehen komplett möglich ist. Bei 3D-Filmen hat selbst das Gehirn eines Erwachsenen größere Schwierigkeiten die dreidimensionalen Informationen zu verarbeiten, weil sie nicht ganz dem natürlichen räumlichen Sehen entsprechen.

Die Medieninitiative „Schau hin!“ des Bundesfamilienministeriums weist noch auf ein weiteres Problem von 3D-Filmen bei Kindern hin: Die Reizüberflutung. Viele Kinder hätten schon genug damit zu tun, die Eindrücke von der großen Kinoleinwand, der lauten Musik und den vielen Zuschauern zu verarbeiten. Dreidimensionale Effekte könnten da zusätzlich belastend wirken und bei aufregenden Szenen die Furch verstärken.

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