Mit 3D-Brille lässt sich der Tunnelbau fast real erleben Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Mit neuester Technik das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm in einem virtuellen Rundgang besichtigen – das ist „die Attraktion in den Sommerferien“. Das kündigt Georg Brunnhuber, Vorstandsvorsitzender des Vereins Bahnprojekt Stuttgart–Ulm, für das Turmforum an.

Stuttgart - Mit einem etwa siebenminütigen Realfilm in 3D und mit 360°-Optik kann der Besucher virtuell die Tunnelbauarbeiten besichtigen. „Es ist eine Besonderheit und passiert in Deutschland zum ersten Mal, dass man solche Einblicke in ein laufendes Bauprojekt geben kann“, sagt Brunnhuber. Die Technik ist in Deutschland noch gar nicht auf dem Markt, Teile der verwendeten Software wurden im Rahmen der Produktion erst entwickelt. „Virtual Reality“ (=virtuelle Realität oder kurz „VR“) ist ein neues Medium, das den Betrachter in eine künstliche Umgebung hineinversetzt und mitten in eine Szene stellt.

Am Beispiel des Turmforums: Der Betrachter trägt eine VR-Brille (hier die Oculus Rift), die mit einem Computer verbunden ist, welcher den 3D-360°-Film abspielt. Der Betrachter sieht nicht auf eine Leinwand, sondern steht mitten im Tunnel, sieht vor sich den Bagger mit den langen Armen, hört hinter sich den Betonmischer. Wenn er sich dreht, steht rechts neben ihm der Vermesser. Es werden Rundumszenen geschaffen. Malte Hombergs vom Verein hat das Projekt initiiert und betreut. „Es ist ein einmaliges Erlebnis, das man nicht beschreiben kann. Man muss es selbst erleben.“

Im Stehen ist das Erlebnis realer

Gäste aus Verein und Politik wie die Bundestagsabgeordneten Karin Maag (CDU/CSU) und Annette Sawade (SPD); Claus Schmiedel (Landtagsfraktionsvorsitzender SPD; und Vertreter aus den Ministerien wie der Herr Ministerialdirigent Elmar Steinbacher haben das neue Exponat getestet. „Am Anfang ist es besser, man sitzt“, lautet ein Fazit. Wenn man aufsteht ist das Erlebnis realer, weil man keine Bodenhaftung mehr hat.

„Es gibt wahrscheinlich niemanden in ganz Europa, der in der Lage ist so einen 360°-Film in 3D zu drehen – außer Maximilian Schmierer hier in Baden-Württemberg, in Stuttgart“, sagt Brunnhuber. Aus vierzehn GoPros (Action-Kameras) ist die 360°-Kamera zusammengesetzt. Dementsprechend liefert sie vierzehn Bilder, die zu einem Film zusammengefügt werden müssen. Die ebenfalls aufgezeichnete Tiefeninformation für den 3D-Effekt verkompliziert das zusätzlich.

Die Firma Mixio hat einen Weg gefunden. „Wir sind hier vielleicht nicht im Silicon Valley, aber wir sind im ‚Neckar Valley‘. Wir können auch Dinge machen, die noch keiner kann“, sagt Maximilian Schmierer von der Firma Mixio stolz. Der Film zeigt den Schacht „Zwischenangriff Nord“ und den Planfeststellungsabschnitt 1.5 – den Ver-bindungstunnel nach Bad Cannstatt. Zwischen 10 000 und 15 000 Euro habe der Film gekostet, sagt der Leiter der Pressestelle, David Bösinger. Ab sofort ist das Exponat auf der Ebene 3 im Turmforum zu besichtigen.

Mit einem Prototyp kann bereits der zweistöckige Bonatz-Bau besichtigt werden

Ein weiteres Exponat erschafft einen virtuellen Rundgang durch den zukünftigen Bahnhof. Mit einem Prototyp kann bereits der zweistöckige Bonatz-Bau besichtigt werden; im September soll das Exponat in die Ausstellung im Turmforum kommen. Dann werden der gesamte Bereich von der B 27 bis zur B 14 und alle Ebenen im Bahnhof zu sehen sein.

Das zweite neue Exponat, das ab sofort die Ausstellung ergänzt, ist ein Stadtplanungs-spiel. Der Besucher kann auf der Ebene 7 im Turmforum selbst als Städteplaner das ­Rosensteinviertel gestalten. Der Besucher wählt aus, welche Grundform das Stadtviertel haben soll – Wasserstadt, grüne Stadt oder kompakte Stadt – und passt anschließend die Parameter an: Wie wichtig sind zum Beispiel Grünflächen, Kultur, Einkaufsmöglichkeiten oder Bildungsstätten?

Mit diesen Werten bastelt der Besucher nun „sein eigenes Rosensteinviertel“, indem er die Gebäude in einem beispielhaften Viertel verteilt. Ist das Rosensteinviertel fertig, kann der „Stadtplaner“ reinzoomen, sich den Entwurf per E-mail zuschicken lassen sowie die Entwürfe anderer Turmforum- ­Besucher anschauen. Es sei ein spielerischer Ansatz, dem Besucher die stadtplanerischen Möglichkeiten und Grenzen näherzubringen, sagt David Bösinger, Pressesprecher des Bahnprojekts. „Wir werden mit unseren neuen Exponaten sicher auch auf Tour gehen.“

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