Nicht mehr viel zu retten: Ein BMW brennt lichterloh. Foto: Feuerwehr Bietigheim-Bissingen

Ist es Langeweile, oder ist Hass auf vermögende Autobesitzer das Motiv? Binnen kurzer Zeit sind im Kreis Ludwigsburg vier hochwertige Fahrzeuge in Flammen aufgegangen. Die Brände erinnern an ähnliche Serien in und um Stuttgart.

Ludwigsburg - Gesucht wird ein Mann mit einer weißen Mütze, bekleidet mit einer dunklen Hose und einer Jacke mit weißen Streifen. Eine Überwachungskamera hatte den Unbekannten gefilmt, als er in der Nacht zum Montag den ersten Brandanschlag startete. Zwischen 1.15 und 1.49 Uhr gerieten zwei Autohäuser in Tamm und Bietigheim-Bissingen ins Visier, zwei Mercedes und zwei BMW gingen dabei in Flammen auf. Der Schaden wird von der Polizei auf 350.000 Euro geschätzt.

Der erste Fall spielte sich auf dem Hof eines Mercedes-Autohändlers an der Frankfurter Straße in Tamm ab. Der Mann mit der weißen Mütze zündete auf dem Vorplatz der Werkstatt zwei Fahrzeuge des Typs B- und C-Klasse an und verschwand. Als die Tammer Feuerwehr wenig später eintraf, brannte ein Fahrzeug in voller Ausdehnung, beim anderen stand der Motorraum in hellen Flammen. Die Wehrmänner konnten eine weitere Ausbreitung des Feuers verhindern, von den Fahrzeugen blieben aber nur Wracks übrig. Schaden: 100.000 Euro.

Während die Feuerwehr in Tamm noch im Einsatz war, ging gut sechs Kilometer entfernt der nächste Alarm ein. Auf dem Gelände eines BMW-Autohändlers an der Alexander-Fleming-Straße in Bietigheim-Bissingen standen erneut zwei Fahrzeuge in Flammen. Ein BMW M 5 und ein M 6 brannten an unterschiedlichen Stellen des Firmenareals. Dabei wurden nicht nur die Autos, eines davon ein Kundenfahrzeug, völlig zerstört. Die Hitze sorgte auch für erhebliche Schäden am Gebäude, wo eine Glasscheibe zersprang und ein Rolltor in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Feuerwehr Bietigheim-Bissingen konnte aber verhindern, dass die Flammen auf das Gebäude übergreifen konnten. Der Schaden wird von der Polizei auf 250.000 Euro geschätzt.

Arbeitslose, die „aus Langeweile“ und aus „Hass auf die Gesellschaft“ gehandelt hatten

Die Autos seien „vermutlich mit Brandbeschleuniger“ angezündet worden, sagt der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn. Nach ersten Erkenntnissen der Brandermittler ist nicht ausgeschlossen, dass dabei Grillanzünder verwendet worden sind. Übrigens nicht zum ersten Mal: Als Mitte Januar in Freiberg am Neckar zwei Autos angezündet wurden, waren ebenfalls Grillanzünder im Spiel. Der Fall, bei dem der Schaden dank aufmerksamer Anwohner auf 6000 Euro begrenzt werden konnte, ist noch immer ungeklärt.

Über die Motive kann bisher nur spekuliert werden. Im Oktober vergangenen Jahres waren vier hochwertige Fahrzeuge auf dem Stuttgarter Killesberg in Brand gesetzt worden. Damals war 170.000 Euro Schaden entstanden. Die Täter konnten ermittelt werden: Es handelte sich um zwei 19 und 21 Jahre alte Arbeitslose, die „aus Langeweile“ und aus „Hass auf die Gesellschaft“ gehandelt hatten. Ein 21-Jähriger aus Berlin war wegen Drogendelikten und Diebstahls bereits polizeibekannt.

Bei einer weiteren Serie von Autobränden im Stuttgarter Osten wurden drei 20- bis 21-Jährige ermittelt. Sie hatten sich offenbar von Bildern brennender Autos in London und Berlin zu Nachahmer-Taten animieren lassen. Eher wahllos hatten im Mai 2011 zwei 26 und 31 Jahre alte Männern in Bietigheim-Bissingen zugeschlagen. Mit Grillanzündern hatten sie nicht nur Autos in Brand zu setzen versucht, sondern auch Mülleimer, Kleidercontainer und Briefkästen.

Kriminalpolizei könnte noch ein paar Hinweise brauchen

Ungeklärt sind dagegen drei Brandstiftungen in diesem Jahr im Kreis Göppingen, bei denen knapp 80.000 Euro Schaden entstand. Der oder die Täter hatten zwischen März und Juli zugeschlagen.

Die jüngsten Brandstiftungen dürften wohl nicht in Zusammenhang mit einer weiteren Serie an der Landkreisgrenze zwischen Ludwigsburg und Stuttgart stehen. In Weilimdorf waren zwischen Anfang Juli und Ende September viermal Brandstifter unterwegs. Zuletzt war ein Lastwagen komplett ausgebrannt. „Hier könnten andere Motive eine Rolle spielen“, heißt es bei Stuttgarter Brandermittlern. Die Kriminalpolizei in Ludwigsburg könnte freilich noch ein paar Hinweise brauchen. Die werden über Telefon 0 71 41 / 18 - 9 entgegengenommen.

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