„Mein erster Pferdemarkt“ könnte der Titel dieser Reportage lauten. Wie erlebt jemand eine Tour durch die Altstadtkeller beim Pferdemarkt in Leonberg, der das noch nie mitgemacht hat?
Inspiriert vom Artikel meines Kollegen über die Party-Locations starte ich auf meine allererste Keller-Tour beim Pferdemarkt in Leonberg. Die Route ist wohl geplant, ich will jeden der angepriesenen Keller bei der Party des Jahres der Stadt besuchen. Den Anfang soll das mexikanische Restaurant Scating Tacos machen. Doch hier ist gegen 22.30 Uhr schon Ruhe eingekehrt. Leise Hintergrundmusik untermalt die Atmosphäre im kleinen Lokal. An den wenigen Tischen haben ebenso wenige Gäste Platz genommen. Ich vermute: Will ich Leonbergs Party-Potenzial entdecken, muss ich weiterziehen. Das tue ich auch. Auf zu Arda’s Grand Cru.
Die Vinothek hält, was sie verspricht. Inmitten wohlig lächelnder Weinflaschen samt und sonders hält sich das Publikum an den passenden Gläsern fest. Stilvoll statt einfach nur voll. Untermalt wird die Szenerie von Musik, die nur live gespielt sein kann. Folgt man dem Klang ins Untergeschoss, offenbart sich auch deren Herkunft. Ein Triumvirat von Herren, die an irgendetwas zwischen Santiano und The Dubliners erinnern, hockt vor einer an langen Tischen versammelten weinseligen Meute, die lustig schwankend die Lieder der ebenso unverständlich klingenden Herren kraftvoll mitsingt.
Doch weiter geht’s. Draußen trifft man unter anderem etliche Fußballer des SV Leonberg/Eltingen. „Wir sind mittlerweile in einem Alter, wo wir Niveau haben und Wein trinken wollen“, scherzt Mittelfeld-Akteur Johnath Chandran aus der zweiten Mannschaft. Auch sonst macht das Publikum einen entspannten Eindruck.
Einige Stufen später finde ich mich im Ruff-Keller wieder. Der Engländer würde es vermutlich wie „rough“ aussprechen, so rau wirkt die Atmosphäre hier aber gar nicht. In dem hellen Raum sitzen die Gäste an starken Tischen und genießen neben Getränken die feinen Metzgerspezialitäten. Dazu wandert ein Mann mit Akkordeon durch die Reihen, zum Glück beherrscht er das Instrument. Einige der Gäste fühlen sich zum Tanzen und Mitsingen verleitet. Leider erstirbt die Musik schon bald – ich schaue mal weiter.
Pferdemarkt in Leonberg: Es geht von Keller zu Keller – viele sind brechend voll
Gleich nebenan, bei Inge & Hansi im Adler, lädt direkt der Würstchenstand vor dem Eingang zur Stärkung ein. Drinnen zeigt die liebevoll dekorierte Fußballkneipe das feierwütigste Gesicht, das mir bislang präsentiert wird. Aus den Boxen schallt vor allem Schlager. Der Laden ist brechend gefüllt, Raucher wie Nichtraucher reizen den Platz innerhalb der ihnen zugewiesenen Bereiche großzügig aus. In der tabakschwangeren Luft ist nach dann auch irgendwann Sense für mich, es wollen noch weitere Keller entdeckt werden.
Zum Beispiel der Kleinfelder Keller. Vor dem Eingang weist mich der Türsteher darauf hin, dass die Kapazität der Räumlichkeiten bereits umfassend erschöpft seien, auch eine ganze Stange anderer Gäste steht vor verschlossenen Türen. Nach ein bisschen Wartezeit komme trotzdem rein. Nach 20 teils rustikalen Steinstufen offenbart sich, dass der Torwächter offenbar nicht zu viel geflunkert hat.
In dem steinernen Gewölbe stehen die Besucher gedrängt wie die Haare eines Fischotters (also bis zu 80 000 pro Quadratzentimeter, Bildungsauftrag erfüllt) und versuchen, den spärlichen Platz zum Tanzen zu nutzen. Dies gelingt erstaunlich gut, dafür sorgt auch DJ Alex Wolff, der Hits von Michael Jackson oder ABBA zu schmissigem Techno verbackt und dabei dieselbe Miene wie das Gemälde einer Schwarzwälderin an der Wand neben ihm feilbietet. Wirklich stimmungsvoll, doch Atmen wäre auch ganz angenehm. Ich ziehe also weiter.
Pferdemarkt in Leonberg: Immer wieder große Schlagen vor den Partykellern
Nachdem ich unerwartet in eine Hausparty der Fußballmannschaft der SKV Rutesheim stolpere, erreiche ich alsbald mein nächstes Ziel: den ZWO Partykeller in den Kellergewölben der Zweitwohnung. Das dunkle Steingemäuer erinnert an den vorherigen Besuch, auch hier erklingt elektronische Musik, jedoch bedeutend ruhiger. Ganz angenehm, wäre da nicht wieder diese Luft, die man wiegen könnte. Nach einem kurzen Gespräch mit Robert Gitschier, dem Trainer der SV-Landesligafußballer, verlasse ich die Zweitwohnung durch das Erdgeschoss. Der Raum mit dem Charme eines Wiener Kaffeehauses ist mit Mixed Music untermalt.
Einen weiteren Stopp nehme ich noch mit. Meine Reise endet in der Alten Amtei. Auch vor dieser Kultkneipe bildet sich bereits eine Schlange, dennoch überzeuge ich den Türsteher, mir Einlass zu gewähren. Die Gäste stehen im gesamten Laden dicht gedrängt, die Luft ist von Schlager erfüllt. Da ich jedoch nicht weit vordringen kann, mache ich mich nach einer langen Nacht auf den Heimweg.