Der Tatort im Industrie- und Gewerbegebiet Eisental wurde weiträumig abgesperrt. Foto: dpa/Sven Kohls

Ein 33 Jahre alter Mann wird am Dienstag in Waiblingen angeschossen und schwer verletzt. Der oder die Täter flüchten vom Tatort. Die Polizei reagiert mit einem Großeinsatz.

Waiblingen - Rot-weiße Absperrbänder riegeln am Dienstagnachmittag den unteren Bereich der Gewerbestraße im Industrie- und Gewerbegebiet Eisental in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) großräumig ab: Durchfahrt gesperrt – nur Polizeifahrzeuge dürfen passieren. Im rechten Teil des Gebäudes mit der Nummer 21 gehen Menschen in weißen Schutzanzügen ein und aus. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen den Tatort, eine Halle, in der ein 33 Jahre alter Mann am späten Vormittag durch einen oder mehrere Schüsse schwer verletzt worden ist. Ob der Mann in Lebensgefahr schwebt, ist unklar.

„Um 11.40 Uhr ist der Einsatz angelaufen“, sagt der Polizeipressesprecher Rudolf Biehlmaier, „es wurde eine schwer verletzte Person gemeldet und ein Zeuge berichtete, er habe Schüsse gehört.“ Der bei dem Vorfall verletzte Mann, über dessen Gesundheitszustand es zunächst keine näheren Informationen gab, sei am Tatort von einem Notarzt versorgt und anschließend mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen worden, berichtet der Polizeisprecher weiter.

Großeinsatz mit Polizeistreifen und Hubschrauber

Ob es sich bei dem Verletzten um den Inhaber einer dort ansässigen Gebrauchtwagenfirma handelt – auch dazu macht die Polizei zunächst keine Angaben. Etliche ältere Fahrzeuge stehen auf dem Hof vor dem Gebäude, in dem auch ein Fitnessstudio untergebracht ist. Ein großes Plakat am Hoftor verspricht: „Gebrauchtwagen und Unfallwagen alle Marken“ sowie „Bargeld sofort“.

Hinweise zu dem oder den geflüchteten Tätern lägen noch keine vor, erläutert Rudolf Biehlmaier. Alle Streifen, die im Umkreis des Tatorts verfügbar seien, hielten aber nach verdächtigen Personen Ausschau. Zeugen in der Nachbarschaft des Tatorts wollen gesehen haben, dass vier Männer am späten Vormittag, unmittelbar vor der Tat, mit einem Auto in der Gewerbestraße vorgefahren seien und das Gebäude betreten hatten. Danach seien Schüsse gefallen – und die Männer kurz darauf aus dem Gebäude gekommen und mit dem Auto davongefahren. Diese Aussage will die Polizei weder bestätigen, noch dementiert sie diese.

Tatsächlich sind an diesem Dienstagnachmittag in der ganzen Stadt und im angrenzenden Landschaftspark Talaue auffällig viele Polizeiautos unterwegs. Auch ein Polizeihubschrauber kreist bei dem Großeinsatz über den Köpfen der Waiblinger – auf der Suche nach dem oder den Tätern. Die Polizei sei mit starken Kräften im Einsatz, bestätigt der Polizeisprecher: „Wir gehen aber davon aus, dass für Dritte keine Gefahr besteht.“ Denn bei der Tat handle es sich wohl um eine Einzeltat. Darauf deuteten Wahrnehmungen von Zeugen hin, die unmittelbar vor der Tat ein lautes Streitgespräch, danach dann Schüsse gehört hätten: „Wir denken daher, dass es zwischen den Parteien eine Beziehung oder eine Vorgeschichte gab.“ Aussagen zur Identität des oder der Täter wären im Moment aber noch reine Spekulation, betont Biehlmaier.

Täter und Opfer kannten sich offenbar

Kurz nach 14 Uhr fährt plötzlich ein weißer Kastenwagen vor, bremst abrupt am Absperrband. Zwei aufgeregte Männer und eine Frau springen aus dem Auto – es sind Angehörige des Verletzten. Polizeibeamte halten sie davon ab, direkt zum Tatort zu stürmen, an dem die Kollegen von der Spurensicherung noch zugange sind. Die Polizisten reden auf den Vater und Bruder des Verletzten ein, bieten psychologische Unterstützung durch einen Kollegen an. Nach einem kurzen Wortwechsel steigen die Angehörigen aber wieder ins Auto und fahren davon.

Die Kriminalpolizei Waiblingen habe inzwischen die Ermittlungen übernommen, erklärt Rudolf Biehlmaier. Man sei zuversichtlich, dass man binnen „weniger Tage mehr Licht in das Geschehen bringen“ werde.

Schüsse auf Geschäftsleute

Verpatzter Coup:
Am 21. November 2009 lauern vier Täter einem 40-jährigen Geschäftsmann auf, als der in sein Wohn- und Geschäftsdomizil in Feuerbach zurückkehrt. Die Maskierten wollen ihn zwingen, die Tresore im Haus zu öffnen. Doch das Opfer wehrt sich. Schüsse fallen, der 40-Jährige wird lebensgefährlich verletzt. Ein verlorenes Flugticket entlarvt die Täter. Sie werden bis zu elf Jahren Haft verurteilt.

Gekränkter Mörder: Ein 52-jähriger Gastronom wird von seinem 46-jährigen Ex-Mitarbeiter am 15. März 2010 in Stuttgart-Süd auf offener Straße erschossen. Als Motiv nennt der Täter eine tiefe persönliche Kränkung.

Gezielter Anschlag
: Ein 47-Jähriger verlässt am 11. Februar 2017 ein Lokal im Stuttgarter Westen und wird von einem Mann niedergeschossen. Der Attentäter mit roter Jacke entkommt unerkannt. Der türkische Geschäftsmann überlebt. Offenbar ein Fall im Milieu der organisierten Kriminalität. Das Opfer soll später in seinem Heimatland in Haft gekommen sein.

Streit um Drogen:
Am 22. April 2019 kommt es in Schönaich (Kreis Böblingen) zu einer Auseinandersetzung vor einem Lokal. Im Zentrum stehen zwei 29 und 33 Jahre alte Brüder, die mehrere Gaststätten und eine Baufirma betreiben. Einer wird niedergeschossen und schwer verletzt. Hintergründe sind Streitereien im Drogenmilieu. Im November werden die Brüder als Köpfe einer Drogenbande verhaftet.

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