Ohne ein G geht gar nichts: Kontrollen beim Modegeschäft Oberpaur Foto: Simon Granville

Wer shoppen gehen möchte, muss seit Mittwoch genesen, geimpft oder getestet sein. In den Ludwigsburger Läden wird kontrolliert. Nicht jeder Kunde hat dafür Verständnis.

Ludwigsburg - In Baden-Württemberg gilt jetzt die Corona-Alarmstufe. Das heißt unter anderem, dass der Einzelhandel – von Läden für den Grundbedarf abgesehen – seit Mittwoch nur noch Kunden einlassen darf, die nachweislich geimpft, genesen oder getestet sind. Wie reagieren die Ludwigsburger Einzelhändler darauf?

 

„Verordnung ist nicht richtig durchdacht“

Markus Fischer, Citymanager beim Ludwigsburger Innenstadtverein Luis, hat „das Gefühl, dass die Verordnung nicht richtig durchdacht ist“. Um die 3-G-Regel durchzusetzen, müsse man mindestens eine Person abstellen, die an der Tür die entsprechenden Nachweise kontrolliert. „Dem Einzelhandel wird so etwas aufgebürdet, das er gar nicht leisten kann. Das ist sehr viel verlangt.“ Denn es herrsche sowieso Personalknappheit, und wenn dann auch noch das Weihnachtsgeschäft komme, brauche man eigentlich noch mehr Mitarbeiter. „Und wie soll das bei kleineren Geschäften funktionieren, wenn gerade Kundschaft beraten wird, aber neue Kundschaft in den Laden kommen möchte?“, fragt er sich. Ein weiteres Thema sei der gerade für die Innenstadt so wichtige Aspekt des Bummelns: „Viele möchten nur mal kurz schauen, was es gibt; manche davon finden nichts und gehen wieder, andere kaufen etwas ein. Das wird mit der 3-G-Regel auch schwierig.“

Herber Schlag für Innenstadtbetriebe

Insgesamt, so sagt er, sei das Ganze „ein herber Schlag für alle Innenstadtbetriebe“. Es bleibe nur, auf das Verständnis der Kunden zu hoffen, damit diese trotzdem ihre Einkäufe und Weihnachtseinkäufe in der Innenstadt erledigten und nicht ins Internet verlagerten. „Da haben wir aber in der Vergangenheit einen großen Rückhalt erlebt“, sagt Fischer.

Lesen Sie aus unserem Angebot: So lief der erste Tag in der Alarmstufe

Beim Haushaltswarengeschäft der Firma Lotter an der Oberen Marktstraße wird eine Person am Eingang abgestellt, die während der Öffnungszeiten kontrolliert – und der zweite Eingang vom Parkhaus her werde geschlossen, erklärt der Abteilungsleiter Gerald Pritz. Auch er sagt, dass es vor allem in der Weihnachtszeit schwierig werde. Normalerweise habe man da Aushilfen, „aber es gibt kaum welche, der Markt ist leergefegt“. Wenn dann noch jemand nur für die Eingangskontrolle zuständig wäre, mache das die Sache nicht leichter. Um das Ganze überhaupt stemmen zu können, habe man, anders als sonst in der Adventszeit, nicht mehr jeden Werktag bis 20 Uhr geöffnet, sondern nur an den Samstagen. Sonst schließt der Laden bereits um 19 Uhr. „Aber es gibt ja keine Alternative. Wenigstens müssen wir nicht wie in der Gastronomie die Kontaktdaten erfassen.“ Er befürchtet im Übrigen, dass es nicht bei 3 G bleiben wird. Er rechnet schon bald mit 2 G – das heißt, nur noch Geimpfte und Genesene haben Zutritt. „Aber alles ist besser als ein erneuter Lockdown.“

Manche der Eingänge werden geschlossen

Auch im Modehaus Oberpaur wird eigens jemand für die Eingangskontrolle abgestellt. Hier werden ebenfalls zwei der drei Eingänge geschlossen, nur der an der Asperger Straße bleibt offen. „Es ist sowieso schon ein Problem, Mitarbeiter zu finden, da tut uns natürlich jede Stunde weh, die damit verbracht wird, solche Aufgaben zu erledigen“, sagt der Geschäftsleiter Christoph Sprenger. Doch auch ihm ist klar: „Wir müssen es irgendwie hinbekommen.“

Die meisten Kunden haben Verständnis

Artig stellen sich denn auch die Kundinnen und Kunden am Mittwoch in die Schlange vor dem Modehaus, um der Mitarbeiterin, die an einem Stehtisch am Eingang die Hereinkommenden überprüft, ihre gezückten Handys oder gelben Impfausweise hinzuhalten. „Ein paar Kunden sind ohne einen Nachweis gekommen und waren teils verärgert“, berichtet die Mitarbeiterin. Sie habe dann darauf verwiesen, dass man sich ja in der Innenstadt testen lassen könne. Bei Lotter wollte bis Mittag nur eine Handvoll Menschen ohne Nachweis einkaufen gehen. Bis auf eine Person, die ungehalten auf den verwehrten Eintritt reagiert habe, seien die Kunden verständnisvoll gewesen und hätten die Tatsachen hingenommen, erzählt der Mitarbeiter, der am Eingang die Nachweise überprüft.

Keine zentralen Einlasskontrollen in Shoppingcentern

Die Managerin des Marstall Centers, Nadine Fensterer, nimmt die neuen Vorgaben der Alarmstufe recht gelassen. Zentrale Einlasskontrollen wird es im Shoppingcenter in der Ludwigsburger Innenstadt nicht geben. „Wir haben Geschäfte der Grundversorgung, für die es keine Zugangskontrollen geben darf, deshalb machen wir es so wie bei Click and Meet während des Lockdowns: Jeder Händler kontrolliert vor Ort in seinem Geschäft.“ Ein Prozedere, in dem man schon geübt sei, so Fensterer. „Mir ist bislang auch noch kein Unmut der Ladeninhaber zu Ohren gekommen. Es wusste ja auch jeder, was in der jeweiligen Stufe auf ihn zukommt.“

Ob die Selbstständigen aufgrund der 3-G -Regelung mit Umsatzeinbußen rechnen müssen, sei schwer einzuschätzen, findet Nadine Fensterer. „Da muss man jetzt erst einmal ein paar Wochen abwarten.“ Auch im Breuningerland ist jeder Ladenbesitzer selbst für die Einhaltung von 3  G verantwortlich. Auch hier sind zentrale Kontrollen, wegen der Geschäfte, die die Grundversorgung abdecken, nicht möglich, erklärt Marketingmanagerin Valeriia Grufhetfka. Der Handelsverband Baden-Württemberg habe in einem Newsletter den Mitgliedern die Möglichkeiten der Kontrolle dargelegt. So müsse nicht direkt am Eingang kontrolliert werden, sondern spätestens an der Kasse. „Das haben wir so an unsere Mieter weitergegeben, und was ich mitbekommen habe, funktioniert es auch ganz gut.“