Ein 41-Jähriger steht zum dritten Mal vor Gericht, weil er eine Bank erpresst haben soll. Foto: dpa

Dieser Mann ist entweder besonders dreist oder ein Fall für die Psychiatrie: Bereits zum dritten Mal soll der 41-Jährige versucht haben, das selbe Unternehmen zu erpressen.

Stuttgart - „Bei 10 000 Euro oder so fangen Sie wohl gar nicht erst an“, sagte die Richterin des Landgerichts Stuttgart im Februar 2012, als ihre Strafkammer den heute 41-Jährigen wegen versuchter Erpressung zu drei Jahren Gefängnis verurteilte. Am kommenden Donnerstag wird der Mann erneut auf der Anklagebank Platz nehmen – zum dritten Mal. Der Informatiker soll 2014 versucht haben, sage und schreibe 29 Millionen Euro von der Muttergesellschaft einer Bank zu erpressen. Der Fall hat eine mehr als ungewöhnliche Vorgeschichte.

Der Kerl hatte zwei Jahre lang in der Bank eines Stuttgarter Unternehmens als externer Software-Entwickler gearbeitet. Kurz vor seinem Ausscheiden im Jahr 2009 kopierte er vier Millionen Kundendaten auf einen USB-Stick. Später kontaktierte er das Unternehmen von Zürich aus. Er sei Beauftragter einer internationalen Firma. Für 200 Millionen Euro könne die Bank die Daten zurückkaufen. Im August 2009 fand dieser Größenwahn ein jähes Ende. Die Kripo nahm den Mann fest, er wanderte in Untersuchungshaft.

Der Informatiker auf Abwegen muss seine Idee hinter Gittern immer noch für eine gute gehalten haben. Vom Gefängnis aus trat der Mann mit einem Anwalt in Kontakt und machte ihm das illegale Geschäft schmackhaft. Also wurde der Jurist bei der Bank vorstellig und bot die Daten erneut an – dieses Mal für bescheidene 20 Millionen Euro. Für den ersten Erpressungsversuch wurde der Informatiker zu vier, für den zweiten zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Anwalt kam damals vor der 5. Strafkammer mit einer Bewährungsstrafe davon, weil er ein frühes Geständnis abgelegt hatte. „Gipfel der Dreistigkeit“ nannte der Staatsanwalt das Tun des Informatikers im zweiten Prozess. Aus der Haft heraus eine Erpressung zu versuchen, sei unglaublich. Man darf gespannt sein, was für Worte der Staatsanwalt im anstehenden Prozess findet. Denn die Geschichte geht weiter.

Der heute 41 Jahre alte Angeklagte soll erneut an die Muttergesellschaft der Bank herangetreten sein. Dieses Mal soll er 29 Millionen Euro gefordert haben. Falls das Unternehmen nicht zahle, werde er „seine Geschichte“ vermarkten, soll der 41-Jährige gedroht haben. Das hätte einen „Skandal und einen erheblichen Imageschaden“ für das Unternehmen zur Folge. Das könne leicht abgewendet werden – wenn 29 Millionen Euro in die Taschen des Angeklagten fließen würden. Wie in den beiden vorigen Fällen floss aber kein Geld in die Taschen des mutmaßlichen Erpressers. Vielmehr legte die Polizei Handschließen um seine Handgelenke.

Der Mann wird wie im vorigen Verfahren von Strafverteidiger Markus Bessler vertreten. Dieses Mal ist jedoch auch der psychiatrische Gutachter Hermann Ebel aus Ludwigsburg geladen. Er soll über die Schuldfähigkeit des Angeklagten referieren. Der Prozess vor der 16. Strafkammer ist bis 11. Dezember terminiert.

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