Das Landgericht Heilbronn muss entscheiden: Ist Dennis P. eine Gefahr für die Allgemeinheit? Foto: dpa

Die Strafkammer in Heilbronn verhandelt über die Unterbringung eines 29-Jährigen in der Psychiatrie. Er hat unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen und einer psychische Störung Menschen in Gefahr gebracht.

Löchgau/Freudental - Kurz vor seinem 28. Geburtstag im Juni 2014 droht Dennis P. (Name geändert) seiner Mutter, er werde seinen Stiefvater umbringen. Das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt. Der Stiefvater, sagt Dennis P., habe getrunken und auch ihn zum Trinken animiert. Drei Tage später ruft Dennis P. seine Mutter an. Es ist sein Geburtstag. Doch die Mutter geht nicht ans Telefon und schickt ihm stattdessen eine Nachricht. Sie wolle erst einmal Abstand von ihm halten.

Dennis P.s Antwort auf den Entzug der mütterlichen Fürsorge drückt sich in einer Gewaltkaskade aus, die sich über ein halbes Jahr erstreckt und von Psychiatrieaufenthalten, Obdachlosigkeit und dem Leben im Betreuten Wohnen begleitet wird. Die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Heilbronn muss nun in fünf Verhandlungstagen darüber entscheiden, ob der Mann, der zuletzt in Freudental und Heilbronn wohnte und derzeit in der Psychiatrie Weinberg untergebracht ist, für längere Zeit in die Einrichtung eingewiesen werden soll. Die Richter müssen eine Antwort auf die Frage finden, ob Dennis P. eine Gefahr für die Allgemeinheit ist. Denn in den insgesamt zwölf Punkten, die ihm die Anklageschrift für den Zeitraum zwischen Juni 2014 und Februar 2015 zur Last legt, zeigt sich der gelernte Lagerarbeiter stets gewalttätig. Mit Enttäuschungen oder Zurückweisungen habe er nicht umgehen können, sagt er jetzt, als er vor Gericht zu seinen Therapieerfolgen befragt wird.

Gefährliche Körperverletzung und Bedrohung

Von gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung, Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt ist in der Anklageschrift die Rede. Die Taten soll Dennis P. laut der Staatsanwaltschaft möglicherweise in schuldunfähigem Zustand begangen haben, da er nach der Einschätzung seiner Ärzte an einer schizoaffektiven Störung leidet. Mal geht es ihm gut, mal ist er im tiefen Tal. Er durchlebt Phasen religiösen Wahns, bezieht Beobachtungen nur auf sich, fühlt sich beobachtet. Tanzend war er auf den Feldwegen um Löchgau unterwegs, weil er, wie er es ausdrückt, „jemand Wichtiges sein wollte“. Zudem ist er alkohol- und drogenabhängig, konsumiert unter anderem LSD, Ecstasy, Kokain und Crystal Meth. Die Medikamente, die ihm gegen seine Psychose helfen sollen, nimmt er erst jetzt regelmäßig.

An seinem 28. Geburtstag fährt er dann doch zur gemeinsamen Wohnung von Mutter und Stiefvater. Er will mit seiner Mutter sprechen. Aber in der Erdgeschosswohnung sind – außer im Badezimmer – alle Rollläden heruntergelassen. Um auf sich aufmerksam zu machen, schleudert Dennis P. erst eine Papiermülltonne auf das Auto seiner Mutter. Danach wirft er eine Waschbetonplatte durch das Badezimmerfenster.

Der Beschuldigte gibt Wut als Grund für sein Tun an

Der Polizeibeamtin, die kurz darauf vor Ort eintrifft, sagt er: „Das Leben hat keinen Sinn mehr.“ In Heilbronn schildert die Polizistin, der 28-Jährige sei damals zwar aufgebracht von der Situation, aber friedlich gegenüber den Beamten gewesen. „Ich will nach Hause“, habe er geschrien. Dennis P. sagt, Wut sei der Grund für sein Handeln gewesen – und drei Wochen später entlädt sich diese Wut erneut.

Seiner Nachbarin in Freudental, mit der er eine kurze sexuelle Beziehung hat, zerkratzt er das Auto, als sie die Liaison beendet und ihm nicht mehr die Tür öffnet. Nach Polizeibeamten, die ihn wegen eines anderen Zwischenfalls in seiner Wohnung verhaften wollen, wirft er zwei Weinflaschen, nachdem die freiwillige Feuerwehr die Wohnungstür gewaltsam geöffnet hat. Außerdem wirft er noch ein Kantholz nach den Ordnungshütern. Gegen seine Verhaftung wehrt sich Dennis P. heftig. Dabei verletzt und beleidigt er die Polizisten.

Justizvollzugsbeamte bespuckt und beschimpft

Wieder hat er ein Frusterlebnis mit Folgen. In Löchgau verschafft sich Dennis P. fünf Monate später Zugang zur Wohnung eines Mannes. Dieser ist mit einer Frau liiert, von der Dennis P. vor einiger Zeit verlassen worden war. Dennis P. schüttet Bier auf das Fernsehgerät, zerstört eine Küchenmaschine und ein Kruzifix. Die Beamten in der Justizvollzugsanstalt Hohen­asperg beschimpft und bespuckt er, als er dort ankommt. Mit 2,3 Promille Alkohol springt er schließlich im Februar 2015 zwischen Löchgau und Bietigheim auf die Straße, um einen Autofahrer zu stoppen.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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