Deutschlands Breakdance-Gruppe Nummer 1 kommt aus Stuttgart: Tru Cru. Foto: Tru Cru

Heute (21. Oktober) findet in Essen die inoffizielle Weltmeisterschaft der Breakdancer statt. Was steckt hinter dieser immens populären Tanzrichtung? Terence Ruß von der Gruppe Tru Cru aus Stuttgart erklärt wichtige Stile und Elemente.

Essen/Stuttgart - Breakdance (auch B-Boying und B-Girling genannt) wurde ursprünglich auf der Straße getanzt. Aus der HipHop-Bewegung afroamerikanischer Jugendlicher im New York der 1970er Jahre entstanden, ist dieser dynamische und akrobatische Tanz heute wieder enorm populär.

Breakdance-WM „Battle of the Year“

Musik

HipHop ist eine Musikrichtung mit den Wurzeln in der Funk- und Soul-Musik. Der Rap (Sprechgesang), das Samplen Mischen von Musikstücken) und Scratchen (Erzeugung von Tönen durch rhythmisches Hin- und Herbewegen einer laufenden Schallplatte auf einem Plattenspieler bei aufgelegter Nadel) sind weitere Merkmale dieser aus den Ghettos der USA stammenden Musik.

Subkultur

HipHop bezeichnet neben dem Musikstil auch eine Subkultur mit den Elementen DJing (Disc Jockey), Breakdance (auch B-Boying und B-Girling genannt), Graffiti-Writing und Beatboxing (dabei werden Schlagzeug- und Perkussionsrhythmen mit dem Mund, der Nase und dem Rachen imitiert).

Breakdance-WM

Mittlerweile umfasst HipHop noch weitere Disziplinen wie Producing und Street Fashion. Längst ist es auch keine reine Jugendkultur mehr. Ein Beispiel für die Professionalisierung und Kommerzialisierung des Breakdance ist die jährlich stattfindende „Battle of the Year“ (BOTY), der größte internationale Breakdance-Wettbewerb. In diesem Jahr findet er am heutigen Samstag (21. Oktober) in der Grugahalle in Essen (Nordrhein-Westfalen) statt.

Bei dem Tanzwettberwerb, das aus den Vorwettkämpfen und dem Finale besteht, treten Breakdance-Crews aus vielen Regionen der Erde gegeneinander an. Gegründet wurde die Veranstaltung im Jahr 1990 von dem Event-Manager Thomas Hergenröther, der heute Geschäftsführer der Agentur für Jugendkommunikation „Six Step“ in Hannover ist.

Interview mit Breakdancer Terence Ruß

„Breakdance wird immer populärer“

Wir sprachen mit Terence Ruß, Gründungsmitglied der Stuttgarter Top-Breakdance-Crew Tru Cru, über Wurzeln, Stile und Trends des Breakdance.

Herr Ruß, Breakdance ist in den 1970ern in New York in Manhattan und der South Bronx entstanden und wurde in 1980ern extrem populär. Ist das B-Boying und B-Girling wie Breakdance auch heißt heute out?
Im Gegenteil. Breakdance wird immer populärer. Man überlegt sich sogar Breakdance als olympische Disziplin zuzulassen.
Der Ursprung liegt in den Ghettos und Streetgangs. Breakdance hatte eine ganz starke soziale Komponente. Ist das immer noch so oder ist es mittlerweile ein Mainstream-Tanz-Stil?
Von beidem etwas – Mainstream und Soziales. Ich finde es gut, dass es ins Kommerzielle geht, weil das mehr Möglichkeiten für die Breakdance-Gruppen bietet. Auf der anderen Seite sind die Wurzeln immer noch präsent. Das spürt man im Training, wenn sich Teilnehmer aus verschiedenen Kulturen treffen. Man teilt eine gemeinsame Leidenschaft und freundet sich schnell an. Man macht Breakdance in erster Linie, um zu trainieren und sich auszuleben – und nicht um Wettbewerbe zu gewinnen.
Sie trainieren Breakdance mit Schülern aus sozialschwachen und Migranten-Familien. Sind Tanz und Training eine Hilfe zur Integration?
Ja, ganz klar. Ich mache das ehrenamtlich seit drei Jahren an der Jakobsschule in Stuttgart. Ich bekomme viele Rückmeldungen von Eltern. Die Kinder werden sehr viel disziplinierter. Viele von ihnen haben Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Ich nutze das Training dabei spielerisch, damit die Kinder und Jugendlichen Spaß am Lernen haben. Jedes Mal wenn sie einen Schritt üben, müssen sie ein Wort oder einen Satz lernen.
Was sind heute die wichtigsten Trends beim Breakdance?
Es ist sehr viel mehr Akrobatik und Athletik dazugekommen. Eigene Kreationen sind heute besonders wichtig. Breakdance ist in Sparten aufgeteilt. Es gibt die einen, die den Wurzeln treu bleiben. Auf der anderen Seite ist viel mehr im turnerischen Bereich getan worden.
Wie lange kann man Breakdance machen ohne seine Gesundheit zu ruinieren?
Das kommt auf den einzelnen Tänzer an. In unserer Gruppe Tru Cru haben wir Anfang Dreißigjährige, die voll aktiv und auf „Battles“ mit dabei sind. Man kann tanzen, solange der Körper es zulässt – im Schnitt bis 40. Dann sollte man es sich überlegen, ob es noch für Gelenke und Knie gut ist.

Zur Person: Terence Ruß

Er wurde 1990 in Stuttgart geboren. Von 1990 bis 1996 lebte er im US-Bundessstaat South Carolina. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland machte er den Realschulabschluss und das Fachabitur. 2006 trainierte er zum ersten Mal Breakdance, ein Jahr später gründete er mit zwei anderen Tanzbegeisterten die Gruppe Tru Cru. Seit 2106 studiert er Kommunikations- und Medien-Management an der Akademie der Medien.

Tru Cru

Die Stuttgarter Breakdance-Gruppe Tru Cru wurde 2007 von Terence Ruß (Künstlername Terence Ill), Jens Nonnemann (Mercedes-Jenz) und Michael Massa (Bad Mike) gegründet. Mittlerweile ist die Gruppe auf 14 Mitglieder aus Stuttgart, Villingen-Schwenningen und Rastatt angewachsen und tritt bei wichtigen Ausscheidungen und Events im In-und Ausland an.

Auf der internationalen HipHop-Internetseite „Bboyrankingz“ ist Tru Cru auf Platz 21 der Weltrangliste notiert. Auf der nationalen Rangliste belegt die Gruppe Platz 1.

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