Die regionalen Pläne für zukünftige Photovoltaikflächen im Kreis Böblingen wurden angepasst. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung, von Kommunen und Institutionen bleiben noch 26 Standorte übrig – eine Fläche entfällt, weitere werden in ihrer Größe reduziert.
Selten war das Interesse an der Regionalversammlung so groß wie zuletzt. Das Thema Windkraft erregt die Gemüter – die Planungen zu Vorranggebieten wurden von hitzigen Diskussionen begleitet. Fast 6500 Stellungnahmen gingen dazu beim Verband Region Stuttgart vor der Sitzung ein, die Versammlung beschloss einige Veränderungen.
Dagegen ist der Disput über die Flächen für Photovoltaik überschaubar. Hier waren nur 65 Stellungnahmen zum Regionalplan eingegangen. Doch auch hier gibt es Veränderungen. „Die eingegangen Rückmeldungen aus den Kommunen, von Trägern öffentlicher Belange und aus der Bevölkerung wurden geprüft und führten im aktuellen Entwurf zu Änderungen an insgesamt 14 Flächen im Landkreis Böblingen“, sagt Emely Bosawé, Pressesprecherin des Verbands Region Stuttgart.
Im Kreis Böblingen sind aktuell noch 26 Flächen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen vorgesehen.
Mehrere Solarflächen werden verkleinert Konkret soll eine Fläche vollständig entfallen, elf weitere sollen verkleinert werden. Gestrichen wurde das Gebiet in Jettingen, das im ursprünglichen Entwurf noch vorgesehen war. Grund dafür ist die bereits starke Inanspruchnahme des Areals durch ein entstehendes Umspannwerk und den geplanten Konverter. Die Gemeinde sieht sich seit Längerem übermäßig von den Auswirkungen der Energiewende betroffen.
So kritisierte Bürgermeister Hans Michael Burkhardt jüngst den hohen Flächenverbrauch – nicht nur durch das Umspannwerk, sondern auch durch die möglichen Windkraftanlagen auf Jettinger Gemarkung. „20 Prozent unserer Markung sind als Vorrangfläche ausgewiesen“, klagte Burkhardt.
Unklarheiten wegen Regionalem Grünzug Unter den elf Gebieten, die verkleinert werden sollen, liegt auch eine Fläche in der Gemeinde Nufringen. Während andere Reduzierungen vorrangig aus Naturschutzgründen erfolgen, soll in Nufringen verhindert werden, dass die geplante Solarnutzung die Entwicklung der Gemeinde einschränkt. Die betroffene Fläche gilt als letzte kommunale Option für eine gewerbliche Entwicklung vor Ort.
Zwei der geplanten Flächen – jeweils eine bei Nufringen und eine angrenzend in Gärtringen – sollen laut der Pressesprecherin des Verbands Region Stuttgart leicht vergrößert werden, weil es in der bisherigen Planung Unklarheiten gab. Die Grenzen waren nur innerhalb des sogenannten Regionalen Grünzugs gezogen worden, was zu Missverständnissen geführt hatte.
Um die Abgrenzung klarer und nachvollziehbarer zu machen, sollen die Flächen nun etwas angepasst werden – sie reichen dann bis zur angrenzenden Straße und schließen auch kleine Bereiche außerhalb des Grünzugs mit ein.
Während Windräder in der Region oft kontrovers diskutiert werden, weil sie in bewaldeten Höhenlagen geplant werden und das Landschaftsbild prägen, verlaufen die Planungen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen deutlich leiser. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Standorte oftmals an bereits bestehende Infrastrukturpunkte orientieren – wie etwa Autobahnen, Bundesstraßen und Bahnlinien.
Dort liegen die geplanten Solarflächen So sind an der A81 nahe Gäufelden, Herrenberg, Ehningen, Nufringen, Gärtringen, Magstadt sowie im Bereich Sindelfingen/Böblingen solche Photovoltaik-Anlagen vorgesehen. Entlang von Bundesstraßen sind Flächen in Holzgerlingen (B 464) und Gärtringen/Nufringen (B 14) geplant, in Magstadt zudem an der B 295. Im Grenzbereich zu Böblingen ist außerdem eine große Photovoltaikfläche an der Anschlussstelle Böblingen-Ost (B 464), nahe dem Daimler-Werk, vorgesehen.
In Sindelfingen ist eine bereits mit PV-Modulen bestückte Fläche auf der Deponie Dachsklinge ausgewiesen. Auch mehrere Flächen entlang der Bahngleise sind im Kreis Böblingen vorgesehen – wie etwa in Herrenberg oder Ehningen an der S-Bahn-Strecke oder in Holzgerlingen an der Schönbuchbahn.
Regionale Planungen für die Energiewende
Verband
Der Verband Region Stuttgart ist die politische Ebene der Region Stuttgart, bestehend aus den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr sowie der Landeshauptstadt Stuttgart. Wer in der Regionalversammlung vertreten ist, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger alle fünf Jahre bei der Regionalwahl.
Ziel
Das Ziel des Verbands Region Stuttgart ist es, den Ausbau der Solarenergie systematisch zu steuern und zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben des Landes Baden-Württemberg beizutragen. Das Klimaschutzgesetz des Landes schreibt vor, dass mindestens 0,2 Prozent der Fläche jeder Region für Freiflächen-Photovoltaik zur Verfügung stehen sollen.