Pianist für Kenner: der Schweizer Olivier Cavé Foto: Marco Borggreve

Der Pianist Olivier Cavé und die Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Patrick Hahn beglücken mit ihrer CD-Veröffentlichung der ersten beiden Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven.

Stuttgart - Im vergangenen Jahr waren wir kollektiv ziemlich taub für die Feierlichkeiten zu Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag. Die Corona-Pandemie hat das Gedenken an den Komponisten gehörig verhagelt. Weshalb die Jubel-GmbH, die die Festivitäten von Bonn aus koordiniert, das Jubiläum kurzerhand bis in dieses Jahr verlängert hat. So ist es kein Schönheitsfehler, wenn einige neue CD-Veröffentlichungen Beethoven’scher Werke erst ein paar Wochen nach Erscheinen den Weg in den Spieler finden. Im Falle der Produktion des Labels Alpha (Note 1 Musikvertrieb) mit dem 1. und 2. Klavierkonzert schlägt das womöglich zum Vorteil aus. So fällt nun voller Scheinwerferglanz auf diese Version mit dem Schweizer Pianisten Olivier Cavé und der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Patrick Hahn. Im Konzert C-Dur op. 15 – das ein Jahr nach dem heute als Nummer 2 firmierenden B-Dur-Konzert entstand – wird der Hörer von Beginn an von einem aus vier Tönen bestehenden fragenden Motiv der Streicher gefesselt. In jedem Takt der Orchestereinleitung sind die Lautstärkegrade penibel gesetzt, plastisch sind Melodie- und Nebenstimmen ausgearbeitet. Hier wird Klang zur Rede, alles unterliegt einer sich unmittelbar mitteilenden Rhetorik. Wo andere auf Akzente und schroffe Lichtwechsel bauen, setzt der bei der Aufnahme 23-jährige österreichische Dirigent, der seit wenigen Monaten als Generalmusikdirektor in Wuppertal amtiert, auf sprechende Artikulation und nimmt sein Publikum an die Hand, um freudig auf die Details dieses Geniestücks des 25-jährigen Beethoven hinzuweisen. Fabelhaft die Kammerakademie Potsdam, die ein historisch bewusstes Klangbild entstehen lässt. Der Pianist Oliver Cavé, 1977 im Schweizer Wallis geboren, liegt mit dezent-konturiertem Anschlag auf der Linie des Dirigenten. Wo andere die Bässe knallen lassen, gibt Cavé ihnen Gewicht: ihm geht es nicht um eine blendende Show, sondern eine überzeugende Erzählung. Bewegend das schwebende Largo mit großartigem Klarinettensolo, freudig das Rondo zum Kehraus. Das zweite Konzert erhält auf gleiche Weise prägnante Gestalt – alles in einer entspannt räumlichen Akustik aufgenommen. Beethovenspiel auf der Höhe der Zeit.