Polizisten sperren nach einer Unwetterwarnung im Regen das Festivalgelände ab. Foto: dpa

Zunächst war das Southside-Festival in Neuhausen ob Eck wegen der Unwetter nur unterbrochen, dann sagen die Veranstalter das Open-Air komplett ab. Sanitäter versorgen verletzte Festivalbesucher.

Stuttgart/Neuhausen on Eck - Nach heftigen Unwettern ist das Open-Air-Festival „Southside“ am frühen Samstagmorgen abgesagt worden. Das teilten die Veranstalter mit. „Sicherheit und Ordnung für eine Fortsetzung des Festivals“ seien nicht mehr gegeben, hieß es. Zudem würden am Samstag weitere Unwetter zu erwartet.

Die dreitägige Veranstaltung in Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen) war bereits am Freitagabend wenige Stunden nach ihrem Beginn unterbrochen worden, weil ein Gewitter mit starkem Regen, heftigen Winden und Hagel aufgezogen war. Das Festivalgelände wurde daraufhin geräumt. Die Besucher wurden dazu aufgerufen, in ihre Autos zu gehen. Etwa 3000 Gäste ohne Wagen seien in Notunterkünfte gebracht worden. Laut Veranstalter waren rund 60 000 Musikfans beim „Southside“.

Nacht im Auto verbracht

In der Nacht und am frühen Morgen hatten die Besucher noch auf eine Fortführung des Festivals gehofft. Unsere Mitarbeiterinnen Melanie Maier und Hanna Spanhel hat die Nacht im Auto verbracht. Eigentlich war da nur ein heftiger Donnerschlag, berichtet sie. Danach zehn oder zwanzig Minuten Regenschauer. Die Leute packten ihre Regencapes aus, gingen zurück zu den Zelten, setzten sich unter die Pavillons. Der Festivalbetrieb werde für unbestimmte Zeit unterbrochen, wegen eines nahenden Unwetters, schrieben die Veranstalter über die Southside-App und via Twitter.

Dann ließ der Regen nach, es wurde ein bisschen heller. Auf dem Zeltplatz wurde weitergemacht. Und dann: Ordnungskräfte, die über das Campinggelände liefen und die Leute dazu aufforderten, in die Autos zu gehen. Unsicherheit. Verwunderung. Es hatte doch beinahe schon wieder aufgehört.

Ein paar machten sich trotzdem auf in Richtung Autos, standen Schlange vor den Ausgängen. Unterdessen ließ der Regen ganz nach. Auf dem Parkplatz beginnen die Menschen Musik anzumachen, stehen um die Autos, trinken Bier, warten ab.

Verwirrung auf dem Parkplatz – geht es weiter?

60.000 Menschen strömen zu den Autos, von allen Campingplätzen aus, an den Eingängen gibt es Streit und Unmut, der Ton der Sicherheitskräfte wird schärfer, weil die Leute nicht verstehen, dass sie nicht zurück aufs Gelände kommen - auch nicht zu den Toiletten.

Auf den Parkplätzen herrscht noch immer Verwirrung. Die Veranstalter wüssten nicht, wie es weitergehe, wüssten nicht, was passiert, wird über das Festivalradio durchgesagt. Es sei die stärkste Unwetterwarnung, die sie jemals bekommen hätten. An den Autos ärgern sich die Leute. Vielleicht sei es Panikmache, wegen der Vorfälle bei Rock am Ring. Schließlich habe es beim Southside in der Vergangenheit schon deutlich mehr Matsch und Regen gegeben. Die Veranstalter sagen, das Programm solle auf jeden Fall wieder aufgenommen werden - nur wann wisse man noch nicht. Dann wird der Himmel wieder dunkler.

Ansage am frühen Morgen

Am frühen Samstagmorgen sorgen die Veranstalter dann endlich für Klarheit und sagen das Festival komplett ab. Die Sicherheit auf dem Gelände könne nicht mehr gewährleistet werden, teilten die Veranstalter mit. Die Besucher wurden aufgefordert, die Heimreise anzutreten. Nach Angaben der Organisatoren versorgten Sanitäter 25 Besuche. Die meisten hatten sich beim Verlassen des Areals verletzt. Fünf Gäste wurden mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Auf dem Gelände seien zudem 57 Menschen behandelt worden, hieß es.

Der Campingplatz des Festivals war am Samstagmorgen verwüstet. Pavillons waren durch die Luft gewirbelt worden, Klohäuschen umgekippt. Riesige Pfützen setzten Parkplätze unter Wasser. „Es tut jetzt einfach weh, wenn man das hier so sieht, wie alles zerstört ist“, sagte eine Besucherin dem SWR-Jugendsender DASDING. Das Gelände sehe „zermalmt“ aus, so als sei jemand „mit einem Bagger darin rum gefahren - fürchterlich“, sagte ein anderer Festivalgast.

Ein Polizeisprecher sagte, das Sicherheitskonzept sei „voll aufgegangen“. Es regnete und gewitterte bis circa 3 Uhr. Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald erklärte: „Das war nach meinem Kenntnisstand das bisher schwerste Unwetter in der Gemeinde Neuhausen ob Eck.“

Zu Beginn der dreitägigen Open-Air-Veranstaltung auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflugplatzes in Neuhausen Ob Eck herrschte noch schönstes Sommerwetter, dann kamen Blitz und Donner. Das „Southside Festival“ findet traditionell gleichzeitig mit dem „Hurricane Festival“ in Niedersachsen statt. Auch dort wurde die Veranstaltung am Freitagabend wegen eines Unwetters unterbrochen.

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