Am Wochenende fand der 25. Stuttgart-Lauf statt. Foto:  

Tausende Läufer sind am Wochenende bei der 25. Ausgabe des Stuttgart-Laufs an den Start gegangen. Der Sieger des Halbmarathons am Sonntag kommt aus Stuttgart.

Stuttgart - Bad Cannstatt am Sonntag, 20 Minuten vor neun: Rund um die Mercedes-Benz-Arena herrscht buntes Treiben. Aus der Stadtbahnlinie U11 steigen Läufer aus und suchen Freunde oder Kollegen. Grüppchen traben über die Mercedesstraße, unterhalten sich, lachen.

Die Stimmung vor dem Start des Kärcher Halbmarathons, der im Rahmen des vom Württembergischen Leichtathletik-Verband (WLV) organisierten 25. Stuttgart-Laufs stattfindet, ist ausgelassen. Der Juni-Sonntag beschert den Teilnehmern bestes Wetter bei Temperaturen um die 14 Grad und Sonnenschein. Knapp 16 000 Läuferinnen und Läufer haben sich für die verschiedenen Rennen angemeldet, die das Jubiläums-Wochenende bietet.

In der Nähe des Starts in der Benzstraße geht es noch hektischer zu als vor dem Stadion. Vor den Dixie-Klos hat sich eine Schlange gebildet. Ein paar Meter weiter wartet Andreas Hansen vor einer Treppe auf seine Laufpartnerin. Vom Trubel lässt sich der 49-Jährige nicht anstecken. „Das ist einfach eine super Veranstaltung. Heute bin ich zum dritten Mal dabei“, sagt Hansen. Für ihn stehe der Spaß im Vordergrund, ein bisschen ehrgeizig sei er aber schon. Dreimal die Woche dreht er daheim bei Göppingen eine Runde. „Eine Stunde 55 wäre gut“, so Hansen. Kurz bevor es los geht, werden noch Selfies gemacht.

Die Pacemaker, die Tempomacher also, gehen langsam in Richtung des Starts, wo gerade das Aufwärmprogramm mit Moderation zu Ende geht. Sibel Kioukioukali dehnt ihr Bein noch ein letztes Mal. Der 31-Jährigen ist ihre Zeit heute herzlich egal. Sie hat nur ein Ziel: durchhalten. „Im vergangenen Jahr habe ich mir das Knie kaputt gemacht. Nach dem Unfall habe ich mir das Ziel gesetzt, ein Jahr später einen Halbmarathon zu laufen“, sagt sie. Für dieses Unterfangen habe ihr Arzt ihr grünes Licht gegeben. Ein hartes Trainingsprogramm liegt hinter ihr, jetzt kann es losgehen: „Ich hoffe, dass alles so klappt wie geplant.“

Auf der Benzstraße sieht man mittlerweile nur noch ein Meer von Köpfen. Dann folgt der Countdown, schließlich der Startschuss. Zum donnernden Sound der deutschen Rockband Rammstein setzt sich der erste Block in Bewegung. Applaus brandet auf.

Auch das Rote Kreuz muss ausrücken

Eine Stunde nach dem Start füllt sich das Stadion langsam, der Zieleinlauf rückt näher. Nach einer Stunde und acht Minuten biegt das Führungsfahrzeug hupend um die Ecke und fährt ins Ziel. Wenig später läuft der Sieger Jonas Lehmann vom SG Stern Stuttgart unter Jubelstürmen ein. Er gewinnt den 25. Stuttgart-Lauf der Herren mit einer Zeit von 1:08:40. Bei den Damen läuft Claudia Wipfler vom Team Erdinger Alkoholfrei in 1:22:21 als Erste durchs Ziel.

Ächzend, stöhnend und schwankend laufen nun Tausende Teilnehmer nach und nach auf die Zielgerade. Viele stoßen Siegesschreie aus, andere nehmen sich an der Hand, wieder andere zücken erst einmal das Telefon und posieren erneut fürs Selfie. Danach suchen die Hobby-Läufer Halt am Zaun. Manche haben sich überschätzt: kurz hintereinander tragen Sanitäter des Roten Kreuzes zwei Läufer auf einer Trage ins unweit der Strecke gelegene Erste-Hilfe-Zelt. Ein Teilnehmer beugt sich über den Zaun und übergibt sich.

„Ich wollte einfach nur unter zwei Stunden kommen“

„Es war schön und anstrengend“, pustet ein Mitarbeiter der Firma Trumpf kurzatmig. Eine Stunde und 40 Minuten hat er gebraucht. Der 48-jährige Tom Matt ist hochzufrieden: „1:30, das ist meine Bestzeit bislang“, sagt der Ludwigsburger, für den es der vierte Stuttgart-Lauf war. Rafael Czempiel hat sich über den Zaun gebeugt, Schweißtropfen perlen von seiner Stirn. Auch er ist zufrieden. „Ich wollte 1:45 Stunden erreichen und habe es in 1:39 Stunden geschafft“, sagt er. Ganz leicht sei es nicht gewesen: „Nach 15 Kilometern sind meine Beine schwer geworden, nach 18 hatte ich einen Krampf in der rechten Wade“, sagt der 29-Jährige. Aber da müsse man eben die Zähne zusammenbeißen. Sein Lohn: Persönliche Bestzeit im dritten Stuttgart-Halbmarathon. Für den 55-jährigen Oliver Seidl geht mit der Zeit von einer Stunde und 50 Minuten ein Traum in Erfüllung. „Ich wollte einfach unter zwei Stunden kommen“, so Seidl.

Während sich die Läufer nach den Rennen noch an den rund ums Stadion platzierten Imbissbuden stärken, ziehen die Veranstalter des Laufs bereits Bilanz. Projektleiter Gerhard Müller berichtet von einem reibungslosen Ablauf, WLV-Präsident Jürgen Scholz spricht sogar vom schönsten Stuttgart-Lauf, den man jemals ausgerichtet habe.

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