Die Sternwarte Welzheim fängt faszinierende Eindrücke ein – auch vom Wetter. Foto: Sternwarte

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es die Sternwarte Welzheim. Faszinierende Sternenbilder sind jetzt im Museum Welzheim zu sehen – und in unserer Bildergalerie.

Welzheim - Man könnte die kniehohe Holzkonstruktion, die auf dem Boden des Welzheimer Museums steht, für ein Schaukelpferd halten. Doch weit gefehlt: Martin Gertz vom Team der Sternwarte Welzheim (Rems-Murr-Kreis) bringt das Gestell in Position – und schon leuchtet im Inneren des vermeintlichen Spielgeräts die Sonne auf, projiziert durch ein paar Linsen.

Schon mit diesem primitiven Gerät kann man unseren Stern ohne Augenschaden beobachten. Welche Einblicke mit High-Tech-Hilfe möglich sind, beweisen 30 großformatige Bilder, die an den Wänden des Museums hängen: Die Ausstellung „Von Welzheim ins All“ feiert von Sonntag an das 25. Jubiläum der Sternwarte.

Die Sternwarte ist eine Außenstelle des Planetariums Stuttgart

Der Besucher blickt in eine fremde Welt. Die Astrofotos zeigen die altbekannten Himmelskörper Sonne und Mond in neuer Form als detailreiche Großaufnahmen. Zudem bieten sie viele Anblicke, die mit bloßem Auge und in dieser Qualität auch mit einem Amateurteleskop nicht möglich sind: Der Sternhaufen der Plejaden etwa, der rund 120 Sonnen enthält und knapp 400 Lichtjahre entfernt ist, funkelt blau. Der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion, leuchtet in so prächtigem Rot, dass sie aussieht, als habe ein Airbrush-Künstler auf LSD sie sich ausgedacht.

Doch die Motive sind real – und, obwohl sie teils Milliarden Lichtjahre entfernt sind, wurden sie alle von Welzheim aus fotografiert. Der Standort ist kein Zufall: 1984 hatte sich Hermann Holzner, der damalige Bürgermeister des Luftkurorts Welzheim, beim Planetarium Stuttgart gemeldet. Dieses hatte nach einem Standort für eine Sternwarte gesucht, denn in der Landeshauptstadt trübten schon damals Smog und künstliche Beleuchtung den Blick ins All.

Das leistungsstärkste Teleskop in ganz Baden-Württemberg

Die Beobachtung der Sterne ist für den Leiter der Sternwarte und ehemaligen Astronomiedirektor von Stuttgart, den Astronomieprofessor Hans-Ulrich Keller, keine Nebensache: „Wir betrachten die Entwicklung des Universums. Es ist doch faszinierend, dass aus dem Chaos komplexe Sonnensysteme entstanden sind – und eigentlich auch wir Menschen“, schwärmt der Vollblut-Astronom.

Seit die Sternwarte im Jahr 1992 in Betrieb ging, hat sich einiges getan: Für die totale Sonnenfinsternis 1999 wurde eine zweite Kuppel mit einem Spezialteleskop für Sonnenbeobachtungen angeschafft, Kuppel Nummer drei folgte 2004. Zwei Jahre später folgte das 90-Zentimeter-Spiegelteleskop, bis heute das leistungsstärkste Teleskop in Baden-Württemberg.

Mit dem weltgrößten Teleskop mit 39 Metern Objektivduchmesser, das in Chile steht, kann sich das Gerät zwar nicht messen, aber dennoch ist Hans-Ulrich Keller stolz: „Es ist unser Schlachtschiff für sehr lichtschwache Objekte“, meint er augenzwinkernd. Erst im Juni dieses Jahres hat die Sternwarte ihre vierte Kuppel bekommen.

Das nächste Großereignis steht bevor

Im Gegensatz zum Planetarium können Forscher und Besucher in der Sternwarte nicht nur ein künstliches Abbild, sondern reale Himmelserscheinungen betrachten. Ermöglicht wird dies durch ein Team aus 16  ehrenamtlichen Enthusiasten, die in der Sternwarte Führungen geben, den Himmel und auch das Wetter im Blick behalten.

Dabei bekommen sie immer wieder seltene kosmische Ereignisse vor die Teleskoplinsen – etwa den Venustransit im Jahr 2004. Eine Fotografie davon zeigt die neue Ausstellung ebenso wie eine des Kometen Halle Bop oder des faszinierenden „Diamantrings“ kurz vor der totalen Sonnenfinsternis aus dem Jahr 1999. Solche Events werden den Sternbegeisterten nicht ausgehen: „Am 27. Juli 2018 ist der Mars in extremer Erdnähe – und gleichzeitig eine totale Mondfinsternis“, erzählt Hans-Ulrich Keller. Eine totale Sonnenfinsternis wie im Jahr 1999 werden hier allerdings die Wenigsten noch einmal zu Gesicht bekommen: Die nächste findet im Jahr 2081 statt.

Infos zur Ausstellung und zu Führungen

Ausstellung: Die neue Schau „Von Welzheim ins Weltall“ im Museum Welzheim, Pfarrstraße  8, wird am Sonntag, 3. September, um 11.30 Uhr eröffnet. Das Museum hat immer an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Führungen: Die Sternwarte Welzheim liegt beim Welzheimer Weiler Langenberg, die Adresse ist Lettenstich 10. Im September finden – klarer Himmel vorausgesetzt – Führungen durch die Warte immer am Montag, Mittwoch und Samstag um 21 Uhr statt.

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