Der Mann mit dem breiten Grinsen: Thomas Hermanns, 54, gilt als Urvater der deutschen Comedy. Zu Beginn der Neunzigerjahre gründete er den Quatsch Comedy Club in Hamburg. Foto: dpa

Mit dem Spaß ist es ihm völlig Ernst: Thomas Hermanns hat vor 25 Jahren den Quatsch Comedy Club erfunden, von dem nicht einmal er geglaubt hätte, dass er sich so lange hält. Ein Gespräch über echtes und falsches Lachen, die gleichgeschlechtliche Ehe und den falschen Ryan Gosling.

Stuttgart - Thomas Hermanns, 54, hat Anfang der Neunzigerjahre die leichte Unterhaltung auf Kleinkunstbühnen und im Fernsehen etabliert. Viele rümpften damals die Nase über Comedy, heute ist sie fest etabliert. Komiker wie Michael Mittermeier, Mario Barth oder Bülent Ceylan sind so etwas wie Ziehkinder von Thomas Hermanns. Der schräge Vogel mit dem breiten Grinsen hat ein Faible für Discomusik und Musicals hält nichts von Genregrenzen. Schubladen soll man öffnen, sagt er im Interview.

Herr Hermanns, Ihr Quatsch Comedy Club feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Wie konnte es soweit kommen?
Das ist die richtige Frage! Wir hätten das auch niemals gedacht. Das hat damals aus einer großen Naivität heraus angefangen. Ich hatte das Gefühl, Deutschland fehlt eine bestimmte Humorfarbe, eine bestimmte Form, nämlich die des Comedy-Clubs, wie ich sie beispielsweise in New York selbstverständlich vorgefunden habe. Es gab bis dato keine gemischte Platte, also Shows, in der mehrere Künstler kurze Auftritte haben.
Gefallen Sie sich in der Rolle des Urvaters der deutschen Comedy?
Die Unterhaltungsform hat ein ganzes Berufsbild geprägt. Heute kann man zu seinen Eltern gehen und sagen ‚Ich will Comedian werden‘ und sie wissen zumindest, was gemeint ist. Das macht mich schon sehr stolz.
Was haben Sie in all den Jahren ernsthafter Beschäftigung mit der Unterhaltung über guten und schlechten Humor heraus gefunden?
Eine gute Comedynummer hängt stark vom Fleiß und der Perfektion des Künstlers ab. Der gute Comedian ist extrem gut vorbereitet, hat das jahrelang bei Live-Auftritten trainiert und nimmt seine Sache ernst. Bülent Ceylan ist so ein Fall: der ist bestimmt zehn Jahre lang über die Kleinkunstbühnen getingelt bevor er seinen Durchbruch hatte. Das, was auf der Bühne spielerisch aussieht, ist – wie bei jeder darstellenden Kunstform – hart erarbeitet. Der schlechte Comedian denkt, das sieht so spielerisch aus, das kann ich auch! Er findet sich selbst lustig, hat vielleicht zwei, drei gute Gags und ist davon überzeugt, dass das schon für eine Karriere reichen wird.
Wie fanden Sie den Spaß, den sich die TV-Witzbolde Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bei der Verleihung der Goldenen Kamera erlaubt haben, bei der Sie als Creative Director engagiert waren? Die beiden haben von allen Beteiligten unbemerkt ein Double des Schauspielers Ryan Gosling eingeschleust.
Das hat sich an dem Abend natürlich gar nicht gut angefühlt. Das war wie ein Faustschlag in die Magengrube. Die Goldene Kamera ist das größte Schiff, das ich fahre, da arbeite ich mindestens ein halbes Jahr darauf hin. Im Nachhinein habe ich mir das Video angesehen und muss zugeben, dass der Prank (Anm. der Red.: der Streich) wirklich gut gemacht war und sie uns echt gut reingelegt haben. Auf einer professionellen Ebene balanciert sich das dann wieder aus. Aber in dem Moment hatte ich schon ein bisschen Angst, dass der Gag den ganzen Abend überschattet.
Erklären Sie uns das bitte: der berühmte Schauspieler steht hinter Ihnen – vermeintlich – und Sie drehen sich nicht einmal um. Warum nicht?
Im Nachhinein ärgere ich mich auch, dass ich nicht einfach auf ihn zu gegangen bin! Da bekommt man dann so Heldenfantasien, womöglich hätte ich das Ganze entlarven können! Aber ich wollte nicht so ein Hollywood-süchtiger Fan sein, er wirkte auch schlecht gelaunt und war total abgeschirmt. Außerdem war das ja mein Arbeitsplatz, an dem sie Gosling kurz geparkt hatten. Ich habe hinter der Bühne meinen Job als Creative Director gemacht, dazu gehört, auf dem Bildschirm das Geschehen auf der Bühne zu beobachten. Es ist tatsächlich so: die Produktions-Crew hat mit den Hollywood-Leuten, ob Jane Fonda oder Nicole Kidman, an dem Abend recht wenig zu tun. Die laufen auf ihren eigenen Schienen, die wollen auch nicht groß angequatscht werden.
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