Die Einheitsmännchen von Künstler Ottmar Hörl marschieren durch die Kastanienallee Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Rund 2000 kleine Männchen bevölkern seit Freitag die Kastanienallee am Schlossplatz. Eine Kunstinstallation, die alle Blicke auf sich zieht. Der Künstler will damit zum Nachdenken anregen.

Stuttgart - Es sieht aus wie ein riesiges grünes Chaos , wenn man derzeit an der Kastanienallee am Schlossplatz vorbeikommt. Nur wer genau hinsieht, entdeckt in der Menge noch kleine schwarz-rot-goldene Grüppchen. Scheinbar kreuz und quer marschieren die rund 2000 Männchen unter den Bäumen umher und lächeln die Besucher freundlich an. Kein Wunder, dass vor allem die Kinder gleich hinlaufen und die Kunststoffmänner mit einem Handschlag begrüßen. Und auch viele Erwachsene können nicht vorbeigehen, ohne ihr Handy zu zücken und ein Foto zu machen.

Ottmar Hörl freut das große Interesse an diesem besonderen Projekt mit dem Namen „Grenzen überwinden“. Der international renommierte Künstler und Präsident der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ist seit März mit den Männchen auf Deutschlandtour. Nach den Städten Berlin, Hofgeismar, Rüsselsheim, Schwerin und Rasdorf machen sie seit Freitag in Stuttgart halt. Trotz der niedlichen bunten Männchen hat die Kunstinstallation einen ernsten geschichtlichen Hintergrund.

Anlass des Projekts ist das Gedenken an die deutsche Einheit, die sich am 3. Oktober 2015 zum 25. Mal jährt. Vor allem den jungen Mitbürgern sei die Zusammenführung von Ost und West nicht mehr geläufig. „Für mich ist es wichtig, die Erinnerung an diesen Glücksfall der Geschichte zu erhalten“, sagt der Konzeptkünstler. Dieses noch recht aktuelle Beispiel zeige, dass der Kampf gegen Diktaturen gelingen kann.

Vorbild sind die Ost-Ampelmännchen der DDR

Vorbild für die kleinen Skulpturen waren die Ost-Ampelmännchen der DDR. „Deswegen auch die Farbe Grün, die uns zeigt, dass wir die Straße überqueren dürfen. Nach dem Mauerfall konnten die Menschen ebenfalls gefahrlos über die Grenze gehen“, erklärt Hörl. Ein Zeichen also, das für Freiheit stehe. Zuerst sollte der Trabbi als Symbol der Wiedervereinigung verwendet werden. Doch den fand der Künstler „zu hässlich“. Grundsätzlich sei es ihm wichtig gewesen, das Thema auf eine humorvolle Art zu verarbeiten, die Aufmerksamkeit schafft. Auch diese Aufgabe erfüllen die bunten Männchen, die aus hochwertigem Kunststoff von zwei Betrieben in Coburg hergestellt werden.

Natürlich sind die kultigen Figuren heiß begehrt. In den vorigen Städten kam es immer wieder zu Diebstählen, da die Männchen auch nachts im öffentlichen Raum zugänglich sind. Deswegen ist rund um die Uhr ein Wachmann vor Ort. Im Projekt-Zelt gibt es die Skulpturen allerdings auch zu kaufen. Für 50 Euro darf man sich sogar ein Männchen aus der Installation aussuchen und mitnehmen. Auch diese Verbreitung in den privaten Raum gehöre zum Konzept. „So trägt jeder die Idee in die Welt hinaus und beteiligt sich am Kunstwerk“, sagt die Sprecherin des Künstlers und Koordinatorin des Projekts Eva Schickler. Von dem Betrag gehen zehn Euro an eine gemeinnützige Organisation. Der Rest refinanziert das Projekt. Hörl bedankte sich für die gute Aufnahme in Stuttgart. Die kleinen „Botschafter der Einheit“ sind noch bis 30. August auf der rund 1000 Quadratmeter großen Fläche neben dem Schlossplatz zu sehen. Danach wird alles wieder auseinandergeschraubt und zur letzten Station nach Frankfurt gebracht. Dort sind die Einheitsmännchen beim großen Einheitsfest zwischen dem 2. und 4. Oktober dabei. Weitere Informationen gibt es online:

www.grenzen-ueberwinden.de

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