Kinder können sich auf dem Abenteuerspielplatz Mauga Nescht so richtig austoben. Hier messen sie mit einem Meterstab ihre selbst gemachte Kleiderkette. In der folgenden Bilderstrecke zeigen wir Besucher, Betreuer und Eindrücke vom Abenteuerspielplatz Foto:  

Zwischen 12 und 15 Uhr strömen die Kinder in den Sommerferien ins Mauga Nescht. Der Abenteuerspielplatz auf dem Hallschlag ist für viele Kinder ein Refugium. Sie genießen das kostenlose Spiel- und Spaßangebot.

Bad Cannstatt - Durch den Verkehrsstau und den Lärm hinaus in das kleine Stückchen Wald am südöstlichen Zipfel des Hallschlags. Kaum tritt man auf den schmalen Weg, dringt zwischen den hohen Bäumen das ausgelassene Geschrei und Gelächter von Kindern hindurch. Der Abenteuerspielplatz Mauga Nescht hat gerade seine Tore geöffnet. Auf dem Gelände rasen einige Kinder auf ihren Fahrrädern herum, andere tanzen oder spielen mit der Wasserpumpe und wieder andere kicken gegen den Ball. „Heute standen wieder 15 vor dem Tor und haben darauf gewartet, dass wir endlich aufmachen“, sagt Torsten Volker, einer der Betreuer im Mauga Nescht, „die können das immer kaum erwarten.“

Volker steht auf einem Balkon. Direkt unter ihm beginnt das ausladende Gelände des Abenteuerspielplatzes und zieht sich bis in das dichte bewachsene Waldstück, das an Münster grenzt: Wasserrutschen, Ritterhütten, Chill-Ecken, Planschbecken und vieles mehr – seit 27 Jahren lockt das Mauga Nescht Kinder und Jugendliche vom Hallschlag in die Natur. In den Ferien öffnet der Abenteuerspielplatz seine Tore schon um die Mittagszeit und erwartet die jungen Gäste mit einem besonderen Sommerferienprogramm, an dem die Kinder teilnehmen können, aber nicht müssen: „Hier ist alles freiwillig und kostenlos. Jeder kann sich austoben, wie er will“, sagt Torsten Volker.

Das Maugi ist für viele Kinder ein zweites Zuhause

Genau das zieht Stammgäste wie die zwölf Jahre alte Angelina und die zehnjährige Nazar immer wieder hierher. Beide kommen seit fünf Jahren ins Mauga Nescht. Für sie ist das „Maugi“, wie sie es nennen, so etwas wie ein zweites Zuhause: „Wir sind fast jeden Tag in den Sommerferien hier und meistens auch nach der Schule“, sagt Angelina. Am meisten gefalle ihnen, dass sie hier immer wieder neue Freundschaften knüpfen könnten. „Die Spiele und die Ausflüge, die man unternimmt, sind am schönsten“, sagt Nazar.

Was das „Maugi“ den jungen Besuchern aber wirklich bedeutet, wird ihnen oft erst mit der Zeit klar. Andreas Bürkle ist seit 14 Jahren Betreuer auf dem Abenteuerspielplatz und hat schon oft erlebt, wie die Kinder heranwachsen und „mit 14 plötzlich zu cool fürs Mauga Nescht sind“, sagt er schmunzelnd. „Aber dann nach zwei oder drei Jahren stehen einige wieder vor dem Tor und sagen Hallo. Sie verbinden viele Erinnerungen mit dem Maugi. Ein Großteil ihrer Kindheit fand hier statt.“ Volker kann dem nur beipflichten. Immerhin stecke alles schon in dem schwäbischen Wort „Mauga Nescht“, was so viel bedeutet wie „ein Ort emotionaler Schätze“, so Volker. Wenn die etwas älter gewordenen Besucher wieder vorbeischauen, erkennt Andreas Bürkle sie nicht immer sofort: „Es braucht immer etwas, aber dann macht es Klick. Vor allem dann, wenn sie mir all die Geschichten erzählen, die wir zusammen erlebt haben.“ Am besten erinnere er sich an die, die ihm am meisten Ärger bereitet haben. „Es ist toll zu sehen, dass dann doch noch etwas aus ihnen geworden ist“, sagt Bürkle und lacht.

Vom Maugi-Besucher zum Betreuer

Einer dieser Rückkehrer ist Simon Erdelyi. Mit sechs Jahren war er das erste Mal im Mauga Nescht und hat dort seine Freizeit verbracht, bis er sein 14. Lebensjahr erreicht hat. „Eine tolle Zeit“, sagt er. „Es gibt so viele gute Erinnerungen. Aber irgendwann ist man zu alt dafür.“ Zwei Jahre später merkte er aber, dass ihm das „Maugi“ mehr ans Herz gewachsen war als gedacht. Er kehrte zurück, klopfte immer wieder bei Andreas Bürkle an, und inzwischen ist der 17-Jährige als ehrenamtlicher Mitarbeiter tätig. „Es macht einfach Spaß, den Kleinen beim Größer- und Frecherwerden zuzuschauen“, sagt er und fügt an: „Ich könnte mir gut vorstellen, später mal als Erzieher zu arbeiten.“

Für Andreas Bürkle ist das ein wichtiger Kreislauf: „Junge Menschen wie Simon, die selbst hier aufgewachsen sind, haben einen Bezug zum Mauga Nescht und sind wichtige Vorbilder für die Kinder.“ Vor allem auch mit Blick auf die Zukunft macht ihm das freiwillige Engagement der Mitarbeiter wie Simon Erdely Hoffnung: „Kinder brauchen immer einen Rückzugsort in der Natur, wo sie selbstbestimmt spielen können. Aber dafür sind auch Betreuer notwendig, die stets zu Stelle sind.“ Für Bürkle selbst wird es mit zunehmendem Alter immer anstrengender, täglich seine jungen Gäste vom Hallschlag zu betreuen. Aber ans Aufhören denkt er noch lange nicht: „Dafür ist mir das hier zu spannend. Kinder sind unberechenbar. Man erlebt hier jeden Tag etwas Neues.“

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