Der Leuchtturm Dornbusch ist das markante Wahrzeichen von Hiddensee Foto: Madlen Steiner – Adobe Stock

Der Trend, in Deutschland Urlaub zu machen, hält an: Wir stellen 22 persönliche Lieblingsplätze vor, die eine Reise wert sind.

Stuttgart - Es muss nicht immer Mallorca sein: Das Reiseziel Deutschland ist nicht zu verachten. Man versteht (meistens) die Sprache und glaubt (oft) zu wissen, wie die Einheimischen ticken. Wir stellen 22 streng subjektiv ausgewählte Favoriten vor.

Hiddensee: Himmlische Insel

Salz, Tang, Räucherfisch. Und: Pferdeäpfel. Auf Hiddensee schnauben wie anno dunnemals Rösser statt Motoren, rollen Zweiräder anstelle von Autos lautlos über Wege und Straßen. Ergebnis: Dat söte Länneken – das süße Ländchen – ist unschlagbar als Frischlufttank und Ruhepol. Ohne Abgase, Lärm, Hektik oder Stress. Kein Ampeltakt zerhackt das Schlendern und Radeln, klackernde Hufe dirigieren den Rhythmus von Leben und Urlaub. Gerade mal 17 Kilometer lang ist dieses gesegnete Eiland, das wie ein Wellenbrecher in Form eines Seepferdchens die Westküste Rügens abschirmt. Ein perfekter Schutzwall: Selbst wenn der Westwind mit brachialer Breitseite auf die Insel eindrischt und das wütende Meer frontal ans Ufer peitscht, bleibt hinter dem Wall aus Sanddorn- und Hagebuttenhecken nur ein laues Lüftchen übrig. Als Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft verblüfft Hiddensee dazu auf knapp 19 Quadratkilometern mit einer enormen Landschaftsvielfalt: endlose Strände, steile Klippen, weite Salzwiesen, heideüberwucherte Dünen, moorige Reet-Dickichte. Ihr Trumpf sind die stillen Reize: goldene Sanddornhecken, violette Heideteppiche, winddurchrauschter Wald. Einfach himmlisch!

Ekkehart Eichler

Info: Tourist Information, Tel. 03 83 00 / 60 86 85; www.seebad-hiddensee.de, Unterkunftstipp:
Hotel Hitthim in Kloster, DZ/HP ab 80 Euro, www.hitthim.de

Hattingen: Aus der Zeit gefallen

Als vor Kurzem in einer Umfrage nach drei Assoziationen zum Ruhrgebiet gefragt wurde, kamen folgende Begriffe besonders häufig vor: Fußball, Kohle und Industrie. Dass der sogenannte Ruhrpott mit dem Städtchen Hattingen auch ein mittelalterliches Kleinod beherbergt, würde kaum jemand erwarten. Über 600 Jahre alt ist Hattingen, idyllisch an der Ruhr und am Ruhrtal-Radweg gelegen. Etwa 150 Fachwerkhäuser gruppieren sich um den windschiefen Turm der St.-Georgs-Kirche. Der Kirchplatz zählt zu den schönsten in Nordrhein-Westfalen. Jede Wegbiegung, jede Straßenecke zaubert neue Fotomotive hervor. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Städte im Ruhrgebiet von alliierten Flugzeugen in Schutt und Asche gebombt wurden, ist es umso erstaunlicher, wie unversehrt die ehemalige Hansestadt diese Zeiten überstanden hat.

Da ist zum Beispiel das Alte Rathaus aus dem Jahre 1576, in dem heute die Städtische Galerie untergebracht ist. Oder Hattingens kleinstes Gebäude, das putzige Zollhaus. Das Bügeleisenhaus, 1611 erbaut, hat seinen Namen von seiner eigenwilligen Form und ist nicht nur von außen sehenswert. Im Inneren beherbergt es das Museum des Heimatvereins. Wer glaubt, Hattingen sei eine Art Freilichtmuseum, ist auf dem Holzweg. Das Städtchen ist eine lebendige Stadt, die alles bietet, was das Leben in einer Stadt lebenswert macht: hippe Straßencafés, urige Gasthäuser, Bäcker, Metzger, Juweliere, Modegeschäfte und kleine Boutiquen. Man sollte also Zeit und Muße zum Flanieren mitbringen, denn nirgendwo sonst im Ruhrgebiet genießt man mittelalter­liches Flair so intensiv wie in Hattingen.

Kurzurlauber sollten mit der Ruhrtal-Bahn fahren. Die historische Eisenbahn verbindet Sehenswürdigkeiten zwischen Hagen und Bochum-Dahlhausen und macht dabei auch in Hattingen Station.

Christiane Neubauer

Info: Tourist-Information Hattingen, Tel. 0 23 24 / 95 13 95, www.hattingen-marketing.de, Unterkunftstipps:
Hotel zur alten Krone, DZ ab 80 Euro, http://zur-alten-krone.de. Wegermann’s Bio-Landhaus, Tel. 0 23 24 / 39 50 10, DZ ab 115 Euro,  www.wegermanns-bio-landhaus.de

Wilhelmshaven: Am Südstrand der Nordsee

Sie gilt nicht als schön, die 1869 von den Preußen am Jadebusen gegründete Garnisonsstadt. Sandstrände wie auf den Ostfriesischen Inseln gibt es hier nicht, auch keinen malerischen Fischerhafen wie in Greetsiel. Trotzdem lässt es sich in Wilhelmshaven ein paar Tage aushalten, wenn man die Angebote der 76 000-Einwohner-Stadt zu schätzen weiß. Parks gehören dazu, die eiserne Kaiser-Wilhelm-Drehbrücke, das Theater, die Kunsthalle und der einzige Südstrand der deutschen Nordseeküste.

Diese ungewöhnliche Exposition liegt an der Geografie des Jadebusens. Der Südstrand ist natürlich kein Venice Beach, aber baden kann man hier wunderbar, vorausgesetzt man ist wetterhart und es herrscht keine Ebbe. Die Empfehlung: einen Strandkorb mieten.

An der Südstrand-Promenade aus rotem Klinker wird es nicht langweilig. Es gibt Cafés, ein Teehaus, Restaurants (zum Beispiel das Seglerheim), das Wattenmeerhaus und das Marinemuseum, ein See-Aquarium und man kann auch eine Hafenrundfahrt buchen. Im Wattenmeerhaus erfahren Erwachsene und Kinder viel Wissenswertes über den Nationalpark Nordseeküste. Viele Exponate darf man anfassen und auf dem Kutter „Daggi“ auch rumlaufen.

Susanne Veil

Info: Tourist-Info Wilhelmshaven, Telefon 0 44 21 / 91 30 00, www.wilhelmshaven-touristik.de

Rathen: Pfannkuchen aus Stein

Liegt dieser Ort tatsächlich in Deutschland? Wer Fotos der Sächsischen Schweiz sieht, ist überrascht. Die schroffen, dunkelgrauen Tafelberge des Elbsandsteingebirges muten exotisch an. Wie eine überdimensionale Variante der Pancake-Rocks an der Ostküste Neuseelands sehen die Felsformationen aus: gestapelte Pfannkuchen aus Stein. Nur dass am Fuß der Berge nicht die Wellen gurgeln, sondern Tannen spitz in die Höhe ragen.

Im Tal fließt die Elbe breit und behäbig. Im Sommer teilt man sich die Felsen mit Kletterern: bunte Flecken vor grauem Stein. In der Nachmittagssonne füllt sich das Plateau. Und doch mindert das den Zauber der Gegend kein bisschen.

Melanie Maier

Info: www.saechsische-schweiz.de

Wedel bei Hamburg: Schiffe gucken

Was gibt es Schöneres in Hamburg, als an der Elbe zu sitzen und ein- und auslaufenden Schiffen zuzuwinken? Etwa 10 000 Pötte kommen pro Jahr in den Hafen der Hansestadt – Containerschiffe, Frachter und Kreuzfahrtdampfer. Der beste Platz an der Elbe ist das Schulauer Fährhaus in Wedel vor den Toren Hamburgs. Hier an der Schiffsbegrüßungsanlage „Willkomm Höft“ hat man nicht nur beste Sicht, man wird auch mit Kaffee, Kuchen, Informationen und passender Musik versorgt. Wer fährt da? Woher kommt das Schiff? Wohin geht die Reise? Tä-tä-tä-tä! Hymne. Tusch.

1952 hatte Otto Friedrich Behnke die Idee, Schiffe auf dem Weg nach oder von Hamburg professionell zu begrüßen. Er spielte als Kind immer am Elbufer und ärgerte sich, wenn die Matrosen nicht zurückwinkten. Seine Idee war ein voller Erfolg. Heute ist das Schulauer Fährhaus sogar auf Seekarten verzeichnet.

Nicht jedes Schiff, das die Elbe hinunter oder hinauf fährt, wird am „Willkomm Höft“ groß beachtet. Da hätte man ja viel zu tun. Die Grenze liegt bei einer Bruttoraumzahl von 1000. Doch bei großen Frachtern und Luxuslinern drehen die Schiffsfreunde in Wedel ganz groß auf. Dann erklingt aus den Lautsprechern die Hymne des Flaggenstaates und eine Ansage: „Willkommen in Hamburg!“ oder „Auf Wiedersehen in Hamburg!“. Dazu trällert der Rudi-Schuricke-Klassiker „Auf Wiedersehen“. Man fühlt sich wie in einem begehbaren Freddy-Quinn-Film. Fernweh liegt in der Luft, die Sehnsucht nach dem Meer macht melancholisch, und der innere Ohrwurm trällert unwillkürlich die alten Seemannsklassiker: „Junge, komm bald wieder“, „La Paloma“, „Einmal noch nach Bombay“.

Susanne Hamann

Info: Willkomm Höft, Parnaßstraße 29, 22880 Wedel, Tel. 0 41 03 / 9 20 00, www.schulauer-faehrhaus.de.

Unterkunftstipp: Ganz neu eröffnet und direkt an der Außenalster liegt das neue Hamburger Luxushotel The Fontenay. DZ ab 355 Euro, www.thefontenay.de

Stuttgart: Lebenskreise am Bärensee

Womöglich gibt es in ganz Deutschland keinen schöneren Badesee, in dem das Baden verboten ist, als diesen: Von harmonisch in die Landschaft eingebetteten Grasterrassen (südostasiatischer Reisterrassen-Stil!) erhaschen erholungsuchende Großstädter formidable Ausblicke auf den Bärensee und die dahinter liegende Hirschwiese.

Dass die magischen Terrassen am Bärenschlössle einst adligen Jägern dazu dienten, aus sicherer Entfernung zum Spaß das auf der anderen Seeseite zusammengetriebene Wild totzuballern – geschenkt. Heute verbringt man kostbare Freizeit ebendort mit Büchern, elek­tronischen Kommunika­tionsgerätschaften oder – immer noch – mit anderen Vertretern der Spezies Mensch. Es mag coolere Rumhäng-Spots in Stuttgart geben. Die Grasterrassen markieren den schönsten – und den emotionalsten noch dazu.

Das wird immer dann sichtbar, wenn engagierte Papas ihre Sprösslinge auf die Bärenstatue hieven, an der sie früher selbst erst scheiterten, die sie aber später dann doch allein bezwingen konnten: Am Bärensee sieht das Leben harmonisch aus. Danach in die City. Was könnte sie einem jetzt noch anhaben?

Michael Werner

Info: Wer öffentlich anreisen möchte, kommt um Bus 92 nicht herum, www.baerenschloessle-stuttgart.de.

Seelow: Schöner, wilder Oderbruch

Die Silhouetten von Pappeln und grünsilbrigen Weiden begleiten den Radler am anderen Ufer. Kleine Schilfinseln bremsen den mächtigen Strom, ein Kiebitzschwarm sammelt sich, zwei Kraniche landen. So hoch der Himmel sich über die Auen spannt, so tief spiegelt er sich in den überschwemmten Polderwiesen von Sophiental – jeder Blick vom Damm zurück zeigt ein Bild im Stil niederländischer Meister. Etwa 60 Kilometer lang und zwischen 12 und 20 Kilometer breit erstreckt sich der flache, tiefgelegene Landstrich des Oderbruchs von Lebus im Südosten bis Bad Freienwalde im Nordwesten. Und hier gibt es sie noch, die romantischen, wilden, aufregend schönen Ecken – so wie die Region wohl war, bevor der Alte Fritz aus dem sumpfigen Gelände mittels eines aus­geklügelten Systems von Gräben und Dämmen Hektar um Hektar frisches Ackerland schuf.

Franz Lerchenmüller

Info: Oderbruch Tourisumus, www.oderbruch-tourismus.de, Unterkunftstipp: Hotel Brandenburger Hof, DZ/F ab 72 Euro, www.hotel-brandenburgerhof.de

Eichstätt: Liebe auf den zweiten Blick

Liebe auf den zweiten Blick geht meist tiefer und hält länger an als ein stürmisches Aufblühen der Emotionen. Das oberbayerische Städtchen Eichstätt ist das beste Beispiel dafür, wie Zuneigung langsam wachsen kann. Die Bischofsstadt im Altmühltal wurde noch vor Kurzem von den 25 Kilometer entfernten Ingolstädtern als erzkatholisch und langweilig geschmäht. Heute sind selbst die Nachbarn ihrem Charme erlegen. Straßencafés, frisch gestrichene Fassaden, sorgsam renovierte Bürgerhäuser und das Insel-Freibad sorgen für Urlaubsflair. Eichstätt ist an Sonnentagen zauberhaft, vor allem im Bastionsgarten, dem Hortus Ey­stettensis, auf der hoch über der Stadt thronenden Willibaldsburg, von der man auf das Altmühltal und das pittoreske Städtchen blicken kann. Wer noch nicht verzaubert war, spürt spätestens jetzt, dass die Zeit gekommen ist, sich wieder frisch zu verlieben.

Dirk Sommer

Info: Stadt Eichstätt, www.eichstaett.de; Hortus Eystettensis, geöffnet 9 bis 18 Uhr, Eintritt frei. Unterkunftstipp: Hotel Burgschänke, Tel. 0 84 21 / 9 36 43 00. DZ ab 120 Euro, http://dieburgschaenke-eichstaett.de

Dessau: Bezaubernde Gärten

Am Abend, wenn die letzten Tagesgäste in ihre Busse gestiegen sind, senkt sich himmlischer Frieden über das Gartenreich zwischen Dessau und Wörlitz, zu dem sechs Schlösser, sieben historische Parkanlagen und mehr als 100 kleinere Bauwerke zählen. Der erste englische Landschaftspark auf dem europä­ischen Festland, den Franz von Anhalt-Dessau in seinem kleinen Fürstentum anlegen ließ, ist eine bezaubernde Verbindung aus natürlich wirkendem Gelände und gestalteten Gärten.

Ausgangspunkt der fürstlichen Landschaftsverschönerung war Schloss Wörlitz, heute der quirligste Ort des Unesco-Weltkulturerbes. Tagsüber gleiten hier Ruderboote über die Wasserflächen der Seen und Kanäle. Doch in den frühen Abendstunden sind die verschlungenen Wege am Wörlitzer See schnell verwaist und Spaziergänger können ungestört die kunstvoll angelegten Sichtachsen zwischen Schloss, Venustempel, Felseninsel, gotischem Haus und Pantheon genießen. Wenn sich dann im Licht der untergehenden Sonne die Konturen von Wiesen und Wasser verwischen und die bleichen Götter­gestalten auf ihren hohen Sockeln im Abendlicht leuchten, wird der späte Spaziergänger für manchen Mückenstich entschädigt. Aber auch tagsüber finden sich im weitläufigen, rund 140 Quadratkilometer großen Gartenreich lauschige Plätze wie das Luisium, das einstige Refugium der Fürstin.

Andrea Erne

Info: www.gartenreich.com, Unterkunftstipp: Auf dem Gelände gibt es historische Unterkünfte mit unterschiedlichem Komfort. Infos bei Udine Rohr, Tel. 03 40 / 64 61 50, E-Mail: rohr@ksdw.de

Travemünde: Dicke Pötte an Strandtagen

Zu Lieblingsplätzen gehören oft auch Lieblingsmenschen, die aus fremden Orten ein Zuhause auf Zeit machen. Um sich in Travemünde heimisch zu fühlen, hätte es der besten Freundin wohl nicht bedurft, so nett wie das Städtchen ist, aber ohne sie wäre das Strandband an der Lübecker Bucht eben doch nur eines der vielen hübschen an der Ostseeküste. Dank ihr war es viele Sommer lang der beste Ort für unbeschwerte Strandtage mit Kindern, die ja kaum mehr brauchen als Sand, Wasser und ein Eis an der Vorderreihe, der Einkaufsstraße mit den vielen, auch sonntags geöffneten Geschäften und Cafés entlang der Trave. Der Travemünder Strand ist ziemlich ideal, breit, feinkörnig, flach abfallend und perfekt mit Duschen, Strandkörben, Rettungswacht ausgestattet. Da können Kinder gefahrlos buddeln. Zum Schauen gibt’s auch immer was, man sitzt ja quasi in erster Reihe an einer wichtigen Schifffahrtsstraße. Die dicken Pötte der Skandinavienfähren ziehen vorbei, lautlos zum Glück, und schicken sanfte Wellen an den Strand, an dem man auf der erst vor einigen Jahren neu gestalteten Promenade auch wunderbar entlangspazieren kann. Der allerbeste Blick aufs Meer eröffnet sich von der Terrasse des ehrwürdigen Atlantik-Grandhotel. In den gediegenen Holzmöbeln sitzend, fühlt man sich wie einst Thomas Mann in der Sommerfrische – nix zum Eisessen mit Familie, aber wunderbar für einen Freundinnenplausch in kinderfreien Stunden. Gabriele Kiunke

Info: Travemünde Tourismus, www.travemuende-tourismus.de

Rhodt: Südliches Flair

Das zarte Licht, die Feigen, Zitronen- und Pfirsichbäume, die schäumenden Oleanderbüsche: In der Südpfalz herrscht südliches Flair, das Klima ist mild, Frankreich ganz nah. Am besten lässt sich dieser ganz besondere Charme des Weinlands um Landau zu Füßen der Pfälzer Berge mit dem E-Bike erkunden. Eine wunderbare Tour ab Edenkoben entlang unendlich scheinender Rebenmeere, blühender Wiesen und bewaldeter Höhenrücken, auf denen Burgen und Schlösser sitzen. Und dann die hübschen historischen Weindörfer! Maikammer, Hainfeld, Nußdorf. Aber am bezauberndsten ist Rhodt. Erst holpert man durch eine Kopfsteinpflastergasse, gesäumt von weinumlaubten Winzerhäusern und Kastanienbäumen. Eine wahre Prachtallee. Bayernkönig Ludwig I. ließ sie extra für Königin Theresia anlegen, damit sie beschattet zur Kirche fahren konnte. Am Ende steigt man ab, blickt zurück und staunt noch mehr. Ein herrlicher Blick öffnet sich in den Hügeln auf des Königs Sommerresidenz, Schloss Ludwigshöhe. „Warum soll ich einen Park anlegen?“, soll er gefragt haben, „ich bin doch hier in einem.“

Nicole Schmidt

Info: Südliche Weinstraße, www.suedlicheweinstrasse.de, Unterkunftstipp: Im Gästehaus Zweite Heimat gibt es individuell eingerichtete Ferienwohnungen in einem alten Herrenhaus. http://appartement-rhodt.de

Potsdam: Geheimnis im Zauberschloss

An Schlössern herrscht in und um Potsdam wirklich kein Mangel. Sanssouci, Marmorpalais, Schloss Paretz – eins schöner und vorbildlicher restauriert als das andere. Doch keines ist wie Marquardt. Fontanes Zauberschloss, wo der Putz von der Fassade bröckelt, die Seeterrasse meist ebenso verwaist ist wie die leeren Innenräume, umweht ein Geheimnis. König Friedrich Wilhelm II. soll sich hier mit Rosenkreuzlern zu spiritistischen Sitzungen versammelt haben. Später wollen Dorfbewohner immer wieder das Gespenst der schwarzen Witwe eines der Schlossherrn gesehen haben. Ein ganzes Geschichtsbuch könnte man mit den wechselnden Besitzern füllen: adlige Gutsherren, Hofmarschälle, Generäle, Kommerzienräte . . . Um 1932 herum betrieb dann Kempinski in dem neobarocken Kolossalbau mit Rokoko-Elementen ein Luxushotel. Später diente es als Lazarett, Unterkunft für Heimatvertriebene und Versuchsstation für Agrarbiologie. Kein Wunder, dass der Ort auch Künstler und Filmleute inspiriert. So wurde Marquardt unter anderem zur Kulisse von Steven Spielbergs „Bridge of Spies“ mit Tom Hanks. Im Sommer geht hier manche Hochzeit über die Bühne. Aber am schönsten ist es, wenn man allein durch den englischen Landschaftspark mit seinen uralten Eichen und anderen Baumriesen wandeln kann. Ulrike Wiebrecht

Info: Potsdam Tourismus, Tel. 03 31 / 27 55 88 99, www.potsdamtourismus.de, Unterkunftstipp: Gästehaus Roggenbuck, Tel. 03 32 08 / 22 63 99, www.gaestehaus-roggenbuck.de, DZ ab 55 Euro.

Westerland: Freilufttheater auf Sylt

Sie ist keine Schönheit. Bausünden aus der Nachkriegszeit statt putziger Reetdachhäuser. Souvenirläden und Fast-Food-Buden statt Edelboutiquen. Und doch hat die Friedrichstraße magnetische Wirkung. Alle Sylt­besucher zieht es auf Westerlands Hauptschlagader. Ein paar Domizile im Bäderarchitekturstil erzählen, wie elegant es hier in der Gründerzeit gewesen sein muss. Alles nur Kulisse. Wichtig ist das Schauspiel, das in der Fußgängerzone gegeben wird. Im Sylter Freiluft-Theater ist jeden Tag Vorstellung. Sommers, winters und sonntags kann man sie vorüber­gehen sehen: die Schickimickis und die Normalos, mit Sonnenbrille, Windjacke, Gummistiefeln und Hund an der Leine. Mit einem Getränk in der Hand an einem der immer vollen Stehtische der Fisch­bude Gosch lümmeln und Leute beobachten ist was Wunderbares. Einmal durch die Läden bummeln ist Pflicht. Und ganz am Ende der Straße neben dem Belle-Époque-Gebäude des Hotels Miramar wartet die größte Attraktion von allen: das Meer.

Susanne Hamann

Info: Sylt Marketing GmbH, Telefon 0 46 51 / 8 20 20, www.sylt.de. Unterkunftstipp: In Fußweite zur Friedrichstraße liegt das familiengeführte und ökologisch arbeitende Hotel Niedersachsen, DZ/F ab 140 Euro, www.hotel-niedersachsen.de.

Pforzheim: Weltreise auf dem Westweg

„Da sieht’s ja aus wie im Schwarzwald.“ Ganz egal aus welchen fernen Landen man Dias oder später Digitales präsentierte – der Kommentar der Eltern zu den Urlaubsfotos war immer derselbe. Ob Wälder in den Rocky Mountains, Schluchten in Neuseeland, Weiden in der Karibik oder Felswände im Himalaja – immer war es angeblich gleich um die Ecke mindestens genauso schön oder spektakulär wie viele Flugstunden entfernt. Als erfahrener Weltreisender schüttelte man all die Jahre den Kopf ob so viel Ignoranz und Heimatverklärung und dachte sich nichts weiter dabei.

Bis eines Tages im Freundeskreis die Idee aufkam, zwischendurch mal den Westweg zu machen, etappenweise, an einzelnen Tagen oder auch mal an langen Wochenenden. 285 Kilometer durch den Schwarzwald, von Pforzheim im Norden bis Basel im Süden. Welch eine Offenbarung! Deutschlands ältester Fernwanderweg führt durch so unterschiedliche Geologie, Vegetation und Kultur, dass die Tour tatsächlich wie eine kleine Weltreise wirkt. Die zeitlosen Mühlen, angetrieben vom klaren Wasser der Kinzig oder der Elz, ähneln denen, die in Nepals abgelegenen Tälern bis heute das Korn malen. Hochmoore an der Hornisgrinde, durchwandert an einem neblig-trüben Herbsttag, machen jedem Edgar-Wallace-Krimi Ehre. Und spielen der versteckte Glaswaldsee oder der sagenumwobene Mummelsee nicht in irgendeiner „Herr der Ringe“-Folge mit? Dunkle, dichte Wälder, in denen man Grizzlys und Braunbären vermutete, wenn man nicht laut den Schildern im Schwarzwald wäre. Schmale Pfade durch die Schluchten von Ruschbach und Murg, nicht so tief, aber ebenso steil und urgewaltig wie die großen Brüder in Gebirgen ferner Kontinente. Dazu hilfsbereite, aufgeschlossene Menschen in Gärten und auf Weiden am Wegesrand, abwechslungsreiche Übernachtungen im kuscheligen Luxus eines Wellness­hotels, im spartanisch möblierten kirchlichen Ferienheim, im uralten Gasthof mitten im Nirgendwo. Und alles das ganz intensiv erlebt: Schritt für Schritt, viele davon beseelt schweigend, im Takt von Herzschlag und Natur.

Bettina Bernhard

Info: Den Tourguide mit Etappenbeschreibungen und Gastgeberadressen gibt es bei Schwarzwaldtourismus Freiburg, Tel. 07 61 / 89 64 60, www.westweg.info. Hier findet man auch diverse Pauschalangebote unter anderem für Wandern ohne Gepäck.

Immenstaad: Vom Apfelweg zum See

Sicher, es gibt aufregen­dere Orte am Bodensee, schönere, mondänere, bedeutendere: Konstanz zum Beispiel oder die Insel Mainau. Warum also Immenstaad, eine kleine Gemeinde so ziemlich in der Mitte des Nordufers?

Nun, Immenstaad hat alles, was man im Sommer zum Glücklichsein braucht: viel Sonne (am Nordufer scheint die Sonne am längsten), Weinberge, endlose Apfelwege und an ganz besonderen Tagen den Blick bis zu den Alpen. Dazu viel freien Seezugang. Natürlich gibt es auch ein Strandbad, aber viel schöner ist es, sich auf die Suche nach freien Zugängen zum Wasser zu machen. Eine ganz besonders romantische Stelle ist die Stelle am Kniebach. Durch eine kleine Parkanlage gelangt man über einen Kiesweg an den See, links und rechts wächst hohes Schilf.

Der Einstieg ist flach, das Wasser, weich und sauber, erwärmt sich rasch, in manchen Jahren kann man sogar schon in den Pfingstferien eine erste Runde schwimmen. Und obwohl Immenstaad längst kein Geheimtipp mehr ist, gibt es selbst im Hochsommer noch Momente, da hat man den See fast für sich allein. Überall in Immenstaad gibt es kleine Stände, da kann man sich Tag und Nacht mit Äpfeln, Beeren oder Zwetschgen eindecken. Dazu einen herrlich erfrischenden Bodensee-Secco. Was braucht es mehr für einen perfekten Sommertag?

Immenstaad ist quasi der Bodensee im Kleinformat. Hier ist alles ein bisschen ruhiger und gemütlicher. Doch bedroht der Baumboom der letzten Jahre dieses Idyll. Immer mehr Neubauten werden errichtet, drängen den feinen, alten Dorfkern zurück. Viel mehr erträgt der Ort nicht, sonst geht sein Charme verloren.

Annette Schwesig

Info: www.immenstaad-tourismus.de, Unterkunftstipp: Hotel Heinzler. Näher am See geht nicht. www.heinzleramsee.de

Bayreuth: Dichter und Musik

Richard Wagner war gerne zu Fuß unterwegs. Täglich, so sagt man, spazierte er von seinem ersten Wohnsitz in der Dammallee an der Stadtkirche vorbei zum Neuen Schloss, durch den Hofgarten und zur Baustelle seiner Villa Wahnfried. Dazwischen kehrte er ein, trank bei Angermann oder in der Eule ausreichend Bier und aß Würstchen mit Sauerkraut. Wagners Leben und Wirken lässt sich heute noch gut nachvollziehen auf Stadtrundgängen, beim Besuch des Wagner-Wohnhauses mit Museum und bei einer kleinen Pilgerwanderung auf den Grünen Hügel, auf dem trutzig sein Festspielhaus thront. Doch die beschauliche Residenz- und Universitätsstadt am Main ist nicht nur Wagners Wohn- und Festspielort. Auch der Dichter Jean Paul liebte dieses Fleckchen Erde, das durch die preußische Prinzessin Wilhelmine an Bedeutung gewann. Dank der weltläufigen und gebildeten Schwester Friedrichs des Großen wurde aus dem verschlafenen Provinznest ein weithin bekanntes kulturelles Zentrum. Zeugnisse davon gibt es viele und alle lohnen den Besuch: das frisch renovierte Markgräfliche Opernhaus, ein Juwel barocker Baukunst, das Neue Schloss, die Hofkirche und vor den Toren der Stadt die prachtvolle höfische „Einsiedelei“, Eremitage. Ein paar Kilometer weiter, in Donndorf, liegt ein weiterer Sommersitz der Markgrafen-Zeit, Schloss Fantaisie, in dem heute das Museum für Gartenkunst untergebracht ist. Im spätbarocken Garten verbrachte Richard Wagner mit seiner Familie vergnügte Sommerwochen und logierte 1872 am Rand des Parks im Hotel Fantaisie. Das Haus mit seiner lauschigen Veranda und einem schrulligen Wagner-Zimmer ist leider seit ein paar Jahren geschlossen. Dann also doch noch weiter durch die heitere Landschaft zum Schloss Neudrossenfeld, wohin Wagner mit seiner Frau Cosima gerne auf seinen Spritztouren fuhr. Im Terrassengarten des Schloss-Restaurants genießen die Gäste nicht nur die Köstlichkeiten aus der Küche, sondern auch einen unvergleichlichen Blick ins Rotmaintal.

Andrea Erne

Info: Bayreuth Tourismus, www.bayreuth-tourismus.de, Unterkunftstipp:
Zentral gelegen sind die Apartments in der Königsallee, www.apartmenthaus-koenigsallee.de. DZ ab 79 Euro.

Andernach: Der Höchste seiner Art

Tosende Wasserfälle, Lava speiende Vulkane oder Geysire: Naturschauspiele ziehen uns seit jeher in ihren Bann. Viele Menschen nehmen weite Wege in Kauf, um so etwas Faszinierendes wie den Ausbruch eines Geysirs einmal mit eigenen Augen zu sehen. Doch dazu muss man nicht bis nach Island, Neuseeland oder in die USA reisen.

Einen Geysir gibt es auch in Deutschland. Und sogar einen der Superlative. Der Geysir Andernach ist mit etwa 50 bis 60 Meter Auswurfshöhe der höchste Kaltwassergeysir der Erde. Er liegt auf dem Namedyer Werth, einer Halbinsel im Rhein bei Andernach. Ungefähr alle zwei Stunden steigt die majestätische Wasserfontäne des Geysirs, angetrieben durch vulkanisches Kohlendioxid, in den Himmel – ein Erlebnis für alle Sinne. Denn man kann das Brodeln des Wassers im Erdinneren hören, bevor es herausgeschleudert wird, es riechen, fühlen und sogar schmecken! Denn anders als beim berühmten Geysir Strokkur in Island muss man sich in Andernach beim Beobachten der Eruption nicht vor kochend heißem Wasser in Acht nehmen. Wer zu nah herangeht, wird bestenfalls eiskalt erwischt. Wem es gelingt, das Wasser des Geysirs aufzufangen, kann es sogar trinken. Es schmeckt nur arg nach Eisen.

Wer wissen will, wie der Geysir „funktioniert“, kann sich im Geysir-Zentrum schlaumachen. In der multimedialen Ausstellung folgen die Besucher einem Kohlendioxidmolekül auf seiner Reise aus dem vul­kanischen Erdinneren bis hoch in die Fontäne des Kaltwassergeysirs. Interaktive Ex­ponate und Experimen­tier-Stationen erklären die Funktionsweise des Kaltwassergeysirs auf spielerische und anschauliche Weise.

Christiane Neubauer

Info: Geysir Andernach, www.geysir-andernach.de, Touristinfo, Tel. 0 26 32 / 9 87 94 80, www.andernach-tourismus.de, Unterkunftstipp: Hier ist der Name Programm: Hotel Stilvoll, DZ/F ab 90 Euro. www.das-stilvoll.de.

Frankfurt: Eine Halbinsel für jedermann

Wie in jeder Stadt, die an einem Fluss liegt, zieht es auch die Frankfurter ans Wasser. Der mit Abstand schönste Fleck am Main ist das LiLu. Die Abkürzung steht für Licht- und Luftbad, das seit eh und je Erholung bietet. Unter den Nazis war es die letzte Freizeiteinrichtung Frankfurts, die noch von jüdischen Bürgern genutzt werden durfte. Das LiLu liegt auf einer Halbinsel, die westlich der Main-Neckar-Eisenbahn­brücke beginnt. Unter riesigen Kastanien und Weiden dehnen sich die Rasenflächen mit Spielgeräten für Kinder. Liegestühle, Biertischgarnituren und tragbare Grillgeräte kann man günstig leihen. Wer keinen eigenen Garten hat, kann hier seine Party im Grünen feiern. Oder ganze Sommertage vertrödeln. Für Abkühlung sorgen Freiluftduschen.

Das LiLu hat zwei Zugänge: Von der Uferpromenade oder von der oberhalb liegenden Straße, wo ein Steg einen schmalen Seitenarm des Flusses überquert. Vom Steg aus sieht man ein etwas verfallenes Hausboot mit begrüntem Dach im Wasser dümpeln. Es sieht derartig hoch­romantisch aus, dass es von jedem Passanten fotografiert wird. Überhaupt wirkt der Seitenarm des Mains mit den tief im Wasser hängenden Zweigen wie eine dschungelartig exotische Kulisse. Ebenso romantisch ist auch die Spitze des LiLu mit der kleinen hölzernen Aussichts­terrasse, wo Liebespaare sich zu Sonnenuntergang einfinden.

Weil im Winter das Luftbad zuweilen überschwemmt wird, ist das LiLu-Ponton-Café so gebaut, dass es an einer Säule verankert wie ein Schiff aufschwimmen kann. Zur Stärkung gibt es hier feine Kuchen und kleine herzhafte Gerichte sowie köstliches Bio-Bauernhof-Eis. Das LiLu wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben und ist alles andere als eine Schickimicki-Location. Wie schön!

Claudia Diemar

Info: Licht- und Luftbad Frankfurt, www.lilu-frankfurt.de, Eintritt frei. www.frankfurt-tourismus.de

Heimbach: Rurgebiet – ja, ohne „h“

Wenn Menschen aus Köln ausspannen oder gute Luft wollen, geht’s in die nah gelegene Eifel – oder gleich auf den Campingplatz im verschlafenen Nest Heimbach, der an der Bevölkerungszahl gemessen kleinsten Gemeinde in Nordrhein-Westfalen. Direkt an der Rur gelegen, erschlägt er Städter förmlich mit Idyll. Die Rur wiederum, das ist wichtig, wird ohne „h“ geschrieben – auch um Verwechslungen mit der nicht annähernd so schönen Ruhr zu vermeiden. Selbst das örtliche Freibad ist ein Magnet für Jugendliche aus den umliegenden Eifelregionen. Die Abtei Mariawald – eigentlich „Ort der Stille und geistigen Einkehr“ – überrascht derweil mit ungeahnt weltlichen Vorzügen: Allein die Erbsensuppe, die im Kloster her­gestellten Liköre und Senf­variationen rechtfertigen den Besuch. Die Eifler machen gar keinen Hehl daraus.

Michael Setzer

Info: www.heimbach-eifel.de, www.heimbacher-campingplatz.de. Profitipp: der naturbelassene Minigolfplatz in Nideggen, www.nideggen.de

Hofgeismar: Märchen auf der Sababurg

Vermutlich haben die Hugenotten sie mitgebracht, die Märchen von Rapunzel und Dornröschen. Nach ihrer Vertreibung aus Frankreich und der Wiederansiedlung in Nordhessen erzählten die Glaubensflüchtlinge in ihrer neuen Heimat die alten Geschichten. Dass es naheliegt, im Reinhardswald und auf der Sababurg Märchen zu verorten, das begreifen selbst nüchtern veranlagte Wanderer, wenn ihnen knorzige Baumgestalten einen Schauer über den Rücken schicken. Da lugen sie alle ums Eck: Fährt hier nicht Rumpelstilzchen geradewegs aus einem gespaltenen Stamm? Hocken da nicht der Teufel und die Großmutter unter wilden Wurzelgebilden? Und der Wolf? Ja, den gibt es hier auch, nicht mit Rotkäppchen im Bauch, dafür gehegt im Tierpark. Das riesige Waldgebiet beginnt hinter Reinhardshagen, eine von Eichen gesäumte Straße führt mittendurch. Zu beiden Seiten gehen Wanderwege und Radrouten tief hinein in die dunkle Stille aus Buchen, Kastanien, Birken und Eichen. Die lichten, grasbewachsenen Stellen wirken wie ein Park, die dunklen Blätterdome machen ein wenig beklommen. Auf einer Anhöhe liegt das einstige Jagdschloss der Land­grafen, das zu einer von Efeu umrankten Ruine verfiel. Bis 1957 die Sababurg von einer Pächterfamilie zum romantischen Hotel und zur Dornröschen-Bühne erweckt wurde. Das Schloss, im Besitz des Landes Hessen, wird nun saniert, das Hotel erst einmal geschlossen. Wie lang dieses Mal der Dornröschenschlaf währen wird?

Andrea Erne

Info: www.grimmheimat.de. Touren- und Wanderplaner: www.reinhardswald.de, Unterkunftstipp:
Hotel Burg Trendelburg, DZ/F ab 155 Euro. www.burg-hotel-trendelburg.com

Hildesheim: Türen geklaut

Verkanntes Hildesheim, idyllisch an der in die Leine fließenden Innerste und am Rande des Harzes gelegen: Dabei lässt es sich an den drei kleinen Hochschulen unspektakulär studieren und in der übersichtlichen Stadt gut leben. Alles ist mit dem Fahrrad erreichbar, die Mieten sind moderat und der Ernst-Ehrlicher-Park lädt zum Verweilen ein. Keinesfalls sollte man den Besuch in der Kirche St. Michael versäumen.

Zwar wurden der Michaeliskirche, einem bedeutenden ottonischen Bauwerk, die Bronzetüren geklaut. Ursprünglich für St. Michael konzipiert, hat man sie um das Jahr 1035 am Hildesheimer Dom angebracht. Immerhin zählen beide Kirchen seit 1985 zum Weltkulturerbe der Unesco. Das Besondere an St. Michael sind die Lage auf dem Hügel, der vor­romanische Baustil, die bemalte Holzdecke im Mittelschiff, die Engelschorschranke sowie der niedersächsische Stützenwechsel. Zwischen zwei Eckpfeilern befinden sich jeweils zwei Rundstützen. Die klare Struktur des Baus, der Kreuzgang und die Lage machen St. Michael für viele Besucher zum Lieblingsort.

Ricarda Stiller

Info: Stadt Hildesheim,
www.hildesheim.de, Unterkunftstipp: Hotel Bürgermeisterkapelle, DZ/F ab 65 Euro, http://hotelbuergermeisterkapelle.de/

Weimar: Eine Zeitreise

Das ist kein normaler Ausflug, kein Städtetrip, kein Abstecher, kein Vorbeischauen – Tage in Weimar sind ein einziger Aufschwung, eine Entrückung, eine Entgrenzung. Wer sich darauf einlässt, und zwar richtig und rückhaltlos, macht eine seltsame und kostbare Erfahrung: Es geht um die Zeit. Die vergeht hier nicht einfach wie andernorts. Sie steht und ruht und ist durchsichtig. Wie eine Seifenblase in einer anderen Seifenblase schaut die Vergangenheit durch das Gehäuse der Gegenwart und ist so gar nicht vorbei. Wer das erleben will, sollte ins Goethe-Schiller-Archiv gehen, übrigens ein schöner Fußweg über die Ilm. Da kann man den Briefwechsel der beiden Dichter bestaunen – die expressive Schrift, die Aufschwünge und Tintenkleckse, alles so nah und greifbar derzeitig. Sie sind da! Noch immer da. Das Goethehaus am Frauenplan, das Gartenhaus im Ilm-Park – wie gerade verlassen. Goethe erzählt uns etwas, wenn wir durch den Park gehen. Wenn wir ihm zuhören. Und wir hören Schiller herüberrufen. In seinem Wohnhaus liegt noch der jüngste Kassensturz auf dem Tisch. Und Herder predigt uns in seiner Kirche von der versöhnend verbindenden Kraft der Sprache. Junge Leute hören ihm zu. Die Stadt der Klassiker ist jung. Die Bauhaus-Universität lockt die Studenten an. In den Cafes sitzen Touristen aus aller Welt und – lesen. Doch, tatsächlich. Durch die Luft wirbelt manchmal ein Gingko-Blatt, mitunter bleibt es auf Goethes Nase liegen, der noch immer vor dem Nationaltheater denkmalhaft neben Schiller steht.

Norbert Wallet

Info: Weimar Tourismus, www.weimar.de/tourismus/

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: