Verbissener Luftzweikampf: Per Mertesacker (li.) gegen den Kameruner Benjamin Moukandjo Foto: dpa

Es war noch nicht die Generalprobe für den WM-Auftakt – und vermutlich ist das ganz gut so. Denn beim 2:2 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Kamerun lief teilweise noch wenig zusammen. Für einen Platz im endgültigen Kader für Brasilien konnten sich nur wenige empfehlen.

Mönchengladbach - Es ist ja nicht so, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen Dämpfer so kurz vor der Weltmeisterschaft in Brasilien noch gut hätte gebrauchen können. Die Vorbereitung lief ja auch so schon holprig genug. Doch das, was am Sonntagabend im Borussia-Park in Mönchengladbach über die Bühne ging, war dann auch nicht gerade ein Mutmacher für das erste WM-Spiel am 16. Juni gegen Portugal. „Über weite Strecken haben wir es nicht gut gemacht“, sagte Per Mertesacker, der anstelle des noch angeschlagenen Philipp Lahm die Kapitänsrolle innehatte.

Es gab nicht viele, die dem Abwehrspieler widersprechen wollten – denn viele Argumente hätte es dafür auch nicht gegeben. Gut, die ersten zehn Minuten waren geprägt von viel Schwung, präzisen Pässen und einigen Torchancen. „Da hätten wir schon führen müssen“, sagte Thomas Müller. Und Bundestrainer Joachim Löw forderte: „Wir brauchen Effizienz.“ Die größte Möglichkeit nämlich vergab Mesut Özil bereits nach wenigen Sekunden. So verpuffte die gute Anfangsphase, und das, was danach kam, machte die Zuschauer im Borussia-Park zumindest ein wenig nachdenklich. „Sobald wir schnell die Bälle verlieren“, klagte Mertesacker, „bekommen wir gegen jede Mannschaft der Welt Probleme.“ Also auch gegen Kamerun.

Der afrikanische WM-Teilnehmer setzte gegen den spielerischen Ansatz der deutschen Mannschaft zunächst viel Aggressivität. „Sie haben sehr körperbetont gespielt“, sagte Löw, der hatte mit ansehen müssen, wie sich einige seiner Spieler den Schneid abkaufen ließen. Vor allem Özil wirkte seltsam zurückhaltend und konnte keine Akzente setzen. Ebenso ohne Wirkung: Mario Götze als Stürmer. Der Münchner spielte anstelle von Miroslav Klose, der, ebenso wie Bastian Schweinsteiger und Marcel Schmelzer, noch leicht angeschlagen fehlte.

Das Duo Özil/Götze hat seinen Platz im endgültigen WM-Kader wohl dennoch sicher. An diesem Montag (bis 24 Uhr) muss Löw noch drei Spieler streichen – und von jenen, die noch zittern um ihr WM-Ticket, konnten vor allem zwei Profis Werbung in eigener Sache machen.

Lukas Podolski brachte nach seiner Einwechslung viel Schwung ins deutsche Spiel. Und Eric Durm überzeugte bei seinem Länderspieldebüt auf Anhieb als linker Außenverteidiger. „Er hat das sehr gut gemacht“, sagt Löw über Durm, der seinen ersten Auftritt im DFB-Trikot genossen hatte. Allerdings sah auch der junge Dortmunder ein Manko: „Leider haben wir nur 2:2 gespielt.“

Durch eigene Unachtsamkeiten ermöglichten Löws Jungs den Afrikanern immer wieder Chancen. Samuel Eto’o (62.) nutze eine davon. Danach gelang Thomas Müller per Kopf zwar der Ausgleich (66.), und André Schürrle schoss das deutsche Team sogar in Führung (71.). Als Eric-Maxim Choupo-Moting in der 78. Minute aber relativ ungestört in Richtung des deutschen Tores marschieren durfte, ließ sich der Mainzer nicht lange bitten – und traf zum 2:2. „Uns wurden Fehler aufgezeigt, an denen wir noch arbeiten müssen“, sagte Joachim Löw.

Zwei Wochen bleiben bis zum ersten WM-Auftritt gegen Portugal dafür noch Zeit. „Wir müssen mit Selbstvertrauen weitergehen“, forderte Mertesacker. Am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) testet Bundestrainer Löw seine Mannschaft ein letztes Mal im Spiel gegen Armenien. Einen Tag später geht es nach Brasilien. Im Idealfall ohne einen weiteren Dämpfer im Gepäck.

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