Officer Hanson (Johnny Depp, li.) und die Kollegen von „21 Jump Street“ Foto: Verleih

„21 Jump Street“ hat Johnny Depp Ende der 80er Jahre zum Teenie-Idol gemacht – gegen seinen Willen. Der Schauspieler macht die Serie unvergessen.

Seattle - Serien gibt es fast so lange wie das Fernsehen selbst. Manche begleiten den Zuschauer sein halbes Leben, andere überdauern sogar Generationen. Wir stellen Produktionen vor, die in Erinnerung bleiben. Das ist uns sogar eine Serie wert.

Manchmal passen Verpackung und Inhalt einfach nicht zusammen. Beim jungen Johnny Depp zum Beispiel. Als sich der damals noch unbekannte Schauspieler ­Ende der 80er Jahre mit seiner Rolle als Tom Hanson in der Serie „21 Jump Street – Tatort Klassenzimmer“ einen Namen macht, deutet alles auf eine steile Karriere als Teenie-Idol hin. Sein gutes Aussehen macht Depp zum Dauergast in der „Bravo“. Er ist rebellisch genug (Schulabbruch, Versuche als Rockmusiker, Alkoholexzesse), um von der Jugend bewundert zu werden, gleichzeitig wirkt er aber so harmlos, dass ihn auch die Eltern akzeptieren.

Auch bei seiner ersten großen Rolle wird die Laufbahn zunächst von Äußerlichkeiten bestimmt. Tom Hanson ist fertig ausgebildeter Polizist, sieht aber so jung aus, dass ihn niemand ernst nimmt, wenn er auf Streife geht. Er wird deshalb Teil einer Sondereinheit, die ihr Hauptquartier in einer ehemaligen Kapelle in der Jump Street 21 hat und verdeckte Ermittler an Schulen schickt.

Drogen, Erpressung, Teenagerschwangerschaften

Hanson und seine Kollegen Doug Penhall (Peter DeLuise), Judy Hoffs (Holly Robinson Peete) und Harry Truman Ioki (Dustin Nguyen) sprengen Drogenringe, ­legen ­Erpressern und Waffenhändlern das Handwerk, klären Diebstähle und Fälle von sexuellem Missbrauch auf. Nebenbei helfen sie schwangeren Teenagern und selbstmordgefährdeten Mobbingopfern aus der ­Klemme.

Das hat wenig mit dem Alltag der allermeisten Zuschauer zu tun – erst recht in Deutschland, wo die Serie 1990 auf Sendung geht. Viele Folgen triefen vor ­Moral. Das neu gegründete, den Republikanern ­nahe-stehende Fernsehnetzwerk Fox, auf dem „21 Jump Street“ läuft, schickt nach den Folgen die Schauspieler vor die Kamera, um auf Anlaufstellen hinzuweisen, bei denen sich Jugendliche mit den zuvor thematisierten Problemen beraten lassen können. Viele der jungen Zuschauer nutzen dieses Angebot. Denn eines zeichnet die Serie aus: Sie trifft den Nerv der Zeit, ist wie die Jugend der ­80er: bunt, laut – und sie nimmt sich etwas zu ernst.

Nach vier Staffeln ist Schluss für Johnny Depp

Nach vier Staffeln ist für Depp Schluss. Er hat keine Lust, sein Leben lang der Schönling für seichte Kassenschlager zu sein. Er streift die Hülle des Teenie-Idols ab und wird als Schauspieler erwachsen. Er habe sich damals „sprachlos“ und „verloren“ gefühlt, schreibt er später im Vorwort eines Buches seines Lieblingsregisseurs Tim Burton, „in den Rachen Amerikas geschoben als ein junger Republikaner“. Seine erste Kino-Hauptrolle übernimmt er in der Musical­parodie „Cry Baby“. Der Film floppt. Depp macht trotzdem Karriere.

Dass er zu einem der gefragtesten Schauspieler der Welt wird, macht auch die Serie unvergessen. Man blickt gern, manchmal auch etwas gequält auf seine ersten Schritte. Wie Eltern beim selbst gedrehten Super-8-Video der eigenen Kinder.

2012 zeigt Depp, dass er seinen Frieden mit der Serie gemacht hat. 21 Jahre nach der letzten Folge kommt die Filmkomödie „21 Jump Street“ in die Kinos. Darin hat Depp einen Überraschungsauftritt als ­gereifter Officer Tom Hanson. Nach wenigen Minuten wird er erschossen. Kapitel abgeschlossen.

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