Fünf Jahre nach ihrem Verschwinden hofft die Polizei, Maddie doch noch lebend zu finden.

London - Die vor fast fünf Jahren spurlos verschwundene Madeleine McCann könnte neuen Erkenntnissen der britischen Polizei zufolge noch am Leben sein. Neues Beweismaterial deute darauf hin, dass die kleine „Maddie“ doch noch gefunden werden könnte, erklärte Scotland Yard am Mittwoch in London. Gleichzeitig wurde ein neues Bild veröffentlicht, das zeigt, wie „Maddie“ heute im Alter von neun Jahren aussehen könnte.

Scotland Yard rief erneut zur Mithilfe bei der Suche nach dem Mädchen auf. Jeder, der einen Verdacht habe, wo „Maddie“ sein könnte, sollte sich melden. Auch Urlauber, die zur Zeit des Verschwindens in der Anlage waren, sollten zur Polizei zukommen. Derzeit untersuche man rund 40.000 Informationen zu dem Fall, zusammengenommen seien das 10. 000 Seiten. Diese stammten sowohl von den portugiesischen und britischen Behörden als auch von den privaten Ermittlern, die von „Maddies“ Eltern angestellt worden waren. Bisher habe man 195 neue Ermittlungsmöglichkeiten aus altem und neuem Material abgeleitet.

Ermittlungen wurden 2011 wieder aufgenommen

Die Ermittlungen waren 2008 zunächst eingestellt worden. Auf Druck der Eltern und auch des britischen Premierministers David Cameron hatte die britische Polizei sie 2011 wieder aufgenommen und das vorherige Verfahren überprüft. Unter anderem waren britische Ermittler in den vergangenen Monaten erneut nach Spanien und Portugal gereist.

„Wir sind diese Überprüfung vollkommen offen angegangen“, erklärte Andy Redwood von Scotland Yard. „Wir arbeiten hier auf der Basis von zwei Möglichkeiten: Die eine ist, dass Madeleine noch lebt, die andere, dass sie tot ist, was sehr traurig wäre.“

Ziel sei es jetzt, aus dem Beweismaterial neue Ermittlungsstränge zu entwickeln und diese den portugiesischen Behörden vorzulegen. Diese hätten weiterhin „denn Vorrang bei der Untersuchung“.

Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 im Alter von fast vier Jahren aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Ihre Eltern starteten darauf eine beispiellose weltweite Suchaktion. Bis heute treten sie öffentlich auf und bitten um Hilfe. Zwischendurch geriet das Ärzte-Paar selber in Verdacht, „Maddie“ getötet zu haben. Immer wieder melden sich bis heute Menschen bei der Polizei, die „Maddie“ irgendwo gesehen haben wollen.

Der Fall Maddie - eine Chronik der Ereignisse

3. Mai 2007: Madeleine verschwindet aus einer Luxus-Ferienanlage in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve-Küste. Die Eltern, ein britisches Ärzte-Paar, waren in der Nähe der Ferienanlage beim Abendessen. Ihre drei Kinder ließen sie schlafend zurück.

7. Mai: Im britischen Fernsehen fleht Madeleines Mutter mögliche Entführer an, das Kind freizulassen. Die Eltern wenden sich mit einer Medienkampagne an die Öffentlichkeit. Fotos der blonden Maddie gehen um die Welt. Kurz darauf ruft Fußballer David Beckham zur Hilfe auf. Prominente setzen vier Millionen Euro als Belohnung für Hinweise aus.

15. Mai: Die Polizei verdächtigt einen Briten. Er bestreitet die Vorwürfe.

5. August: Leichenspürhunde sollen Spuren entdeckt haben, die darauf hindeuten, dass Madeleine im Hotelzimmer gestorben ist. Die Spuren stammen aber wahrscheinlich nicht von dem Mädchen. Dennoch gehen die Ermittler davon aus, dass Madeleine in der Wohnung umgekommen ist. Die Fahnder konzentrieren sich auf die Eltern und deren Bekannte.

6. September: Beide Eltern gelten nun offiziell als Verdächtige. Medien zufolge geht die Polizei davon aus, dass es ein „Unglücksfall“ war und sie die Leiche verborgen haben.

Juli 2008: Die portugiesische Polizei stellt die Ermittlungen ohne Ergebnis ein. Für ein Verbrechen gebe es keine Beweise. Der Fall sei aber noch nicht zu den Akten gelegt.

Januar 2009: Ein Team ehemaliger Fahnder von Scotland Yard hat sich im Auftrag der Eltern auf die Suche nach Madeleine gemacht, wie Medien berichten. Finanziert wird die Aktion von einem wohlhabenden Geschäftsmann.

Mai 2009: Zwei Jahre nach Maddies Verschwinden flehen ihre Eltern mögliche Entführer um die Freilassung ihre Tochter an. Sie nutzen dazu ein Gespräch mit der US-Talkshow-Queen Oprah Winfrey, das Millionen Zuschauer sehen.

März 2010: Die Eltern fordern Einsicht in Ermittlungs-Unterlagen, die die portugiesische Polizei ihnen bisher vorenthalten haben soll.

März 2011: Madeleines Eltern protestieren vergeblich gegen den Verkauf eines Buches, das der portugiesische Ex-Chefermittler Gonçalo Amaral über den Fall geschrieben hat. Er vertritt im Kern die These, dass das Kind im Jahr 2007 bereits im Urlaubshotel der Familie in Portugal gestorben ist und nicht entführt wurde. Die Eltern hätten etwas mit dem Verschwinden zu tun gehabt.

Mai 2011: Die Mutter Kate McCann veröffentlicht ein Buch mit ihrer Version der Geschichte. In den Memoiren beschreibt sie unter anderem ihre Qualen und Zerrissenheit nach dem Verschwinden ihrer Tochter, die sie an den Rand des Zusammenbruchs gebracht habe. Nach außen sei sie aber immer gefasst aufgetreten. Mitte Mai 2011 kündigt die britische Polizei an, den Fall erneut zu untersuchen. Die Ermittlungsakten würden erneut überprüft, kündigt Premierminister David Cameron an.

25. April 2012: Die britische Polizei erklärt, dass Maddie möglicherweise noch am Leben ist.



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