Prosit (von rechts): Brauereichef Werner Dinkelaker und Geschäftsführerin Tina Gatty erhalten ein Porträt des Firmengründers aus de Hand von OB Stefan Belz und Wirtschaftsförderer Dominic Schaudt. Foto: Steffen Volkmer

Rock‘n’Bräu: An zwei Abenden, am vergangenen Freitag und Samstag, stieg auf dem Gelände der Schönbuch Braumanufaktur die große Geburtstagssause zum 200. Geburtstag der Böblinger Brauerei.

Unter dem Motto Rock‘n’Bräu hatten Brauerei-Chef Werner Dinkelaker und sein Team zu heißer Musik und kalten Getränken geladen. Der gesamte obere Bereich des Brauereihofs war mit Biertischgarnituren ausgestattet und vor der alten Brauerei stand eine stattliche Bühne, auf der am Freitag um 18 Uhr erste Songs erklangen.

 

Bester Garagenrock mit Songs der Stones, Beatles, Kinks

Als erster Music-Act des Abends präsentierte die Cover-Band Blackbyrds das Beste aus den 1960er-Jahren: Bester Garagenrock, technisch versiert dargeboten, mit den großen Hits der Rolling Stones, Beatles, Kinks und vielen mehr. Schön für die Band und für die Veranstalter war, dass die Festivität schon zum Start sehr gut besucht war. „Mit so einem Zulauf hatte ich so früh wirklich nicht gerechnet“, meinte Kessi Dinkelaker erfreut. Freier Eintritt und das beste Partywetter, das man sich nur wünschen konnte, hatte den Feierwilligen die Entscheidung leicht gemacht – und wer früh kam, profitierte von den besten Plätzen zwischen Bühne, Getränkeständen und dem Gastronomiezelt. Dort bot das Team von Thomas Heiling einige Leckereien an, unter anderem ein Pulled-Pork-Sandwich, das als „Karl Gottfrieds Lieblingsgericht“ angepriesen wurde. Dass die „Gezupfte Sau mit Krautsalat im Fladenbrot“ vor 200 Jahren wirklich das Lieblingsessen des Brauereigründers gewesen war, darf zwar bezweifelt werden, bei den Festivalgästen kam es dennoch gut an. Das ebenfalls nach Karl Gottfried Dinkelacker (damals noch mit „ck“) benannte Jubiläumsbier, dürfte dagegen etwa dem entsprechen, das auch sein Namensgeber schon gebraut hatte. Werner Dinkelaker und seine Brauer kreierten das Rotbier nach alter Rezeptur. Beim „Rock’n’Bräu“ wurde das Bier, das viele in der Flasche mit dem Etikett im Andy-Warhol-Style kennen, vom Fass ausgeschenkt.

Frisch vom Fass gezapft: das Jubiläumsbier Karl-Gottfried

Eine spezielle Karl-Gottfried-Abfüllung im Holzfass wurde am Freitag um 20 Uhr von Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz mit einem gekonnten Schlag, den er feixend mit den Worten „ich hab heimlich geübt“ kommentierte, angestochen und dann als Freibier verteilt. Zuvor hatte Stefan Belz in einer kurzen Ansprache auf der Bühne Werner Dinkelaker und Geschäftsführerin Tina Gatty zum Jubiläum gratuliert und die Bedeutung des Schönbuch Braumanufaktur für Böblingen hervorgehoben. Außerdem mussten sich die beiden einem kurzen Quiz stellen, bei dem Belz die Böblinger Partnerstädte und deren Brauereien heranzog und fragte, ob diese oder Böblingen eine längere Brautradition hätten … wie zu erwarten, liegt Böblingen dabei fast ganz an der Spitze. Danach dankte Werner Dinkelaker den vielen helfenden Händen, ehe ihm und Tina Gatty von Stefan Belz und Dominic Schaudt, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, auf der Bühne ein Porträt von Karl Gottfried Dinkelaker übergeben wurde. Das hatte die Künstlerin Henrieke Basker für die „Walls-of-Fame“-Galerie in der Herrenberger Straße erstellt und nun noch einmal als Wandschmuck reproduziert. Nach diesem Intermezzo gab der Brauerei-Chef selbst Gas: Am Keyboard der Schönbuch-Bräu-Hausband Stammwürze wurde gerockt bis zum Ende der Party um 23 Uhr.

Der Strom der Partygänger riss auch am zweiten „Rock’n’Bräu“-Tag nicht ab. Am Samstag heizte schon ab 15 Uhr die Classic-Rock-Coverband 200 Bar ein, gefolgt von den Bluesrock-Könnern Fast Eddy’s Blue Band. Mit Madison Bow aus Calw endete die gigantische Geburtstagsfeier dann – die letzten Klänge verhallten wiederum gegen 23 Uhr.

Brauerei mit Maß und Ziel

Gründliches
Die Brauerei wird 1823 gegründet durch Karl Gottfried Dinkelaker, Biersieder und Stadtrat.

Brüderliches
Die Söhne Christian und Wilhelm übernehmen 1860 die Brauerei.

Familiäres
Christian zieht 1873 nach Stuttgart, sein Sohn Carl Christian gründet 1888 in Stuttgart die Brauerei Dinkelacker, daraufhin streicht Wilhelm zur Unterscheidung das „c“ wieder aus seinem Nachnamen.

Unfassbares
Das Flaschenbier wird im Jahr 1903 eingeführt.

Gastliches
Einrichtung eines Biergartens auf dem Brauereihof im Jahr 1991.

Künftiges
Eintritt von Diplom-Braumeister 1997 Werner Dinkelaker in das väterliche Geschäft.

Treffliches
Im Jahr 2016 führt die Schönbuch Braumanufaktur die Sorte „Jäger Spezial“ ein.