Das Jubiläum des 20. Internationalen Straßenmusikfestivals in Ludwigsburg fiel zwischendurch tüchtig ins Wasser, hat aber doch viele Fans angelockt.
Das Ludwigsburger Straßenmusikfestival findet – anders als der Name es vermuten lässt – stets im naturbetonten und faszinierenden Ambiente des Blühenden Barock (Blüba) statt. Zwischen Blumenbeeten, sattgrünen Rasenflächen und schattenspendenden Bäumen präsentieren sich dort alljährlich Musikerinnen und Musiker.
Bei der Jubiläumsveranstaltung haben sich in diesem Jahr nicht allein akustische, sondern auch optisch attraktive „Kreaturen“ auf dem weitläufigen Areal des Schlossgartens hinzugesellt: beeindruckend große wie detailliert gestaltete Sandskulpturen. Durch den vorverlegten Termin der Sand-Naturkunst-Ausstellung im Blüba buhlten die Skulpturen gemeinsam mit den musikalischen Künstlern um die Aufmerksamkeit der Festival-Besucher, die über das Pfingstwochenende sogleich noch eine zweite Attraktion genießen konnten. Weniger wohlwollend ging das Wetter mit dem Festival zur Sache: die ersten beiden Abende – das Straßenmusikfestival startete dieses Mal bereits am Donnerstag mit dem Jubiläumskonzert – war es extrem nass.
Wer nun aber denkt, das hätte die gute Laune der Musiker beeinträchtigt, der irrt: Die sechsköpfige Band etwa, die mit dem Titel „Der Katze und die Hund“ die deutsche Grammatik auf den Kopf stellt, musste zwar irgendwann auf die technische Unterstützung verzichten, weil der Starkregen sogar unter das Zelt kam, doch die Bandmitglieder fanden die Akustikversion „schön leise“ und den Auftritt „intimer“, als es üblicherweise der Fall gewesen wäre. „Es waren zwar manchmal mehr Leute auf als vor der Bühne, aber es hat dennoch Spaß gemacht“, meinten die drei Bandmitglieder.
Am Samstag zeigte sich das Wetter beim Start von seiner freundlicheren Seite. Die Ludwigsburgerin Sandra etwa wartete mit Freundin Julia aus Steinheim, die zum ersten Mal das Festival besuchte, vor der Bühne G auf den Auftritt von Lev Radagan. Beide Frauen „finden das lässige Festivalleben inmitten der Stadt einfach klasse“. Sandra mag zudem die „vielfältigen Musikstile, die ich im Alltag oft gar nicht höre“. Julia wiederum haben es „die vielen entspannten Leute“ angetan. „Man sieht ihnen an, dass sie Lust haben auf das, was kommt“. Die Bühne G befand sich auf der großen Rasenfläche vor dem Rapunzelturm. In diesem Jahr flankierten auch dort diverse Sand-Geschöpfe wie etwa Peter Pan, die Zahnfee und ein wuchtiger Flaschengeist die Szenerie, die wie ein Happening anmutete. Trotz der tags davor niedergegangenen Regenfälle hatten es sich zahlreiche Gäste am Boden bequem gemacht: mit Picknick-Decke oder Sitzkissen. Manch einer trug auch einen Klappstuhl von A nach B.
Etwa dorthin, wo die Künstlerin Alejandra auftrat. Eine Argentinierin und Teil des Projekts Ulani. Mit ihr standen geballte Power und sinnliche Lebensfreude auf der Bühne. Die Sängerin begleitete sich selbst mit Percussion oder der Ukulele, verteilte aber auch mal mitgebrachte Percussion-Instrumente an Kinder. „Das nächste Lied habe ich für meinen Ex-Freund geschrieben – auch die verdienen ein Lied“, erklärte sie gut gelaunt dem Publikum, mit dem sie ihr „Licht im Herzen und die Essenz, die in mir steckt“, teilen wollte. „Ich mache Straßenmusik, weil dies ehrliche Kunst ist. Da kann man sich nicht verstecken.“ Eine vom selben Schlag dürfte die Italienerin Laura Guidi sein, die mit Vehemenz und berührender Intensität in der Stimme etwa den Song „Creep“ interpretierte. Ein wahrer Gänsehautmoment.
Feuer und Flamme sind die Organisatoren auch nach 20 Jahren noch
Die Ideengeber, Jens Kenserski, Geschäftsführer der Agentur Pulsmacher, sowie Andreas Küchle, Pressesprecher vom Festivalpartner Sparda Bank, haben das dreitägige Straßenmusikevent vor genau 20 Jahren aus der Taufe gehoben. Dritte im Bunde ist Petra Herrling. Die Blüba-Chefin hat ihr Amt von Volker Kugel übernommen und ist inzwischen „genauso Feuer und Flamme für das Festival wie wir“, beschrieb Küchle das erfolgreiche Miteinander. Die beiden Männer sind froh über „den nahtlosen Übergang und den Vertrauensvorschuss“ von Herrling. „Für uns ist das hier nämlich ein Leidenschaftsprojekt“, sagte Kenserski, der „megastolz“ auf das gemeinsame Baby ist.
Wegen des Wetters und der geringeren Besucherzahl machten sich die beiden keinen Kopf. „Weh tut es uns aber wegen der Künstler – die haben mit dem vielen Regen schon zu kämpfen. Doch die Stimmung, wenn alle im Künstlerzelt jammen und feiern, die ist einfach großartig.“
37 Bands auf elf Bühnen
Im Jubiläumsjahr hatten die Organisatoren die Anzahl der Bands auf 37 aufgestockt. Die Zahl der Bühnen im blieb mit elf auf dem Vorjahresniveau. Aus mehr als 400 Bewerbungen musste das Orga-Team auswählen. „Für die Musiker ist es inzwischen eine Ehre, hier auf dem wichtigsten Straßenmusikfestival Europas spielen zu dürfen“, betonte Jens Kenserski, den die „pure Lebensfreude, die hier herrscht“, begeisterte. Drei Wiederholungstäterinnen aus Vaihingen Enz konnten dem nur beipflichten: Die 24-jährigen Frauen schätzten „das Ambiente und die unbekümmerte, schöne Atmosphäre des Festivals“ gleichermaßen wie „die Vielfalt an meist völlig unbekannten Künstlern“.